Die stillen Halte von Vilstalbahn und Lauterhöfer Bockl

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Halte von Vilstalbahn und Lauterhöfer Bockl

Zwei Nebenbahnen zweigten bei Amberg ab, beide sind heute Radwege. Ein Rundgang durch ihre Halte von Haselmühl bis Schmidmühlen und von Haag bis Lauterhofen.

VORHER · um 1913

Ansichtskarte von Lauterhofen mit mehreren Ansichten, darunter der Bahnhof.

Ansichtskarte von Lauterhofen mit mehreren Ansichten, darunter der Bahnhof. Foto: Unknown author Unknown author, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
NACHHER · 2020

Das ehemalige Bahnhofsgebäude von Lauterhofen.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude von Lauterhofen. Foto: Mikmaq, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1903
Eröffnung nach Lauterhofen
1910
Eröffnung nach Schmidmühlen
1962
Personenverkehr nach Lauterhofen endet
1966
Personenverkehr nach Schmidmühlen endet

Lage: Landkreis Amberg-Sulzbach, Oberpfalz, Bayern. Status: beide Strecken stillgelegt, die Gleise sind abgebaut. Heute: Radwege auf den Trassen, der Bahnhof Lauterhofen steht noch.

Bei Amberg zweigten einst zwei Nebenbahnen ab, die im Bahnhof Drahthammer zusammenhingen.

Die eine führte als Vilstalbahn nach Schmidmühlen, die andere als Lauterhöfer Bockl nach Lauterhofen.

Auf beiden Strecken fährt kein Zug mehr, die Gleise sind abgebaut.

Auf den Trassen verlaufen heute Radwege.

Dieser Beitrag geht die Halte nacheinander durch und nennt offen, wo wenig überliefert ist.

Freie Fotos aus der Betriebszeit sind selten, es gibt vor allem Aufnahmen aus der Bauzeit und von heute.

Drahthammer: Wo sich die Strecken trennten

Im Bahnhof Drahthammer zweigte die Strecke nach Lauterhofen von der Vilstalbahn ab.

Ursprünglich begann die Lauterhofener Strecke im Bahnhof Amberg.

Das erste Teilstück wurde später administrativ der Strecke nach Schmidmühlen zugeordnet.

Der Name Drahthammer kommt in der Oberpfalz mehrfach vor und geht auf Betriebe zurück, die Draht weiterverarbeiteten.

Solche Betriebe gab es auch beim Amberger Bahnhof Drahthammer.

Weitere Angaben zum Bahnhofsgelände sind nicht belegt.

Die Vilstalbahn: Entstehung

Die gesetzliche Grundlage für eine Lokalbahn von Amberg nach Schmidmühlen entstand bereits 1904.

Streit um Einzelfragen verzögerte den Bau erheblich.

Umstritten war auch eine geplante Verlängerung nach Hohenburg im Lauterachtal.

Der erste Abschnitt bis Ensdorf ging am 1. Mai 1910 in Betrieb.

Der zweite Teil folgte am 18. Dezember 1910.

Eisenbahnbau um das Jahr 1908 in Harschhof bei Schmidmühlen.
Eisenbahnbau um das Jahr 1908 in Harschhof bei Schmidmühlen. Foto: Unknown author Unknown author, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Haselmühl

Im westlichen Ortsgebiet von Haselmühl lag ein Haltepunkt der Vilstalbahn.

Er ist für die Jahre 1910 bis 1985 verzeichnet.

Auf der Trasse verläuft heute ein Teilabschnitt des Fünf-Flüsse-Radwegs.

Mehr zur Anlage ist nicht belegt.

Lengenfeld

Der Haltepunkt Lengenfeld (Oberpf) lag an der Vilstalbahn.

Das Kirchdorf befindet sich etwa sechs Kilometer südöstlich von Amberg.

Bis Kümmersbruck sind es einen Kilometer.

Weitere Einzelheiten zum Halt sind nicht belegt.

Theuern

In Theuern gab es einen Bahnhof an der Vilstalbahn.

Das Pfarrdorf liegt südöstlich von Kümmersbruck an der Vils und gehört seit 1972 zu dieser Gemeinde.

Im Dorf steht das Bergbau- und Industriemuseum Ostbayern im Hammerherrenschloss von 1781.

Wolfsbach

Der Haltepunkt Wolfsbach lag im Vilstal, etwa zwölf Kilometer von Amberg entfernt.

Der Ort grenzt unmittelbar an den Naturpark Hirschwald.

Auf der Bahntrasse verläuft heute der Radweg, ein Teil des Fünf-Flüsse-Radwegs.

Das Kloster Ensdorf liegt drei Kilometer südlich.

Ensdorf

In Ensdorf endete zunächst der erste Bauabschnitt, der am 1. Mai 1910 eröffnet wurde.

Bis zur Eröffnung des zweiten Teils am 18. Dezember 1910 war der Ort damit der Endpunkt der Strecke.

Der Halt trug den Namen Ensdorf (Oberpf).

Rieden

Auch Rieden besaß einen Haltepunkt an der Vilstalbahn, er hieß Rieden (Oberpf).

Aus der Bauzeit ist ein Foto der Eisenbahnbrücke bei Rieden erhalten.

Weitere Angaben zum Halt sind nicht belegt.

Bau der Eisenbahnbrücke bei Rieden, um 1910.
Bau der Eisenbahnbrücke bei Rieden, um 1910. Foto: Unknown author Unknown author, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Vilshofen

Der Haltepunkt Vilshofen (Oberpf) lag wie Rieden an der Vilstalbahn.

Hier stand das Kalkwerk der Maxhütte.

Es war der letzte Kunde der Strecke.

Zeitweise fuhren schwere Güterzüge, für die drei Diesellokomotiven der Baureihe 211 nötig waren.

Südlich von Vilshofen ruhte der Verkehr seit dem 31. Mai 1985.

Der Güterverkehr zum Kalkwerk endete am 28. Mai 1988.

Schmidmühlen

Schmidmühlen war der Endbahnhof der Vilstalbahn.

Der Markt ist die südlichste Gemeinde des Landkreises Amberg-Sulzbach.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude blieb erhalten.

Der ehemalige Bahnhof Schmidmühlen, Aufnahme von 2007.
Der ehemalige Bahnhof Schmidmühlen, Aufnahme von 2007. Foto: Klaus M., CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Ende der Vilstalbahn

In den 1950er und 1960er Jahren setzte die Bahn verstärkt Bahnbusse ein.

Am 1. Juli 1966 endete der Personenverkehr auf der Schiene.

Der Landkreis kaufte die Strecke, und 1990 wurden die Gleise abgetragen.

Zwischen 1991 und 1992 entstand auf der Trasse ein Radweg.

Er gehört zum Fünf-Flüsse-Radweg.

Der Radweg Amberg–Schmidmühlen auf der ehemaligen Bahnstrecke.
Der Radweg Amberg–Schmidmühlen auf der ehemaligen Bahnstrecke. Foto: Mikmaq, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Lauterhöfer Bockl: Entstehung

Am 7. Dezember 1903 eröffneten die Königlich Bayerischen Staats-Eisenbahnen die Strecke nach Lauterhofen.

Im Volksmund hieß sie Lauterhöfer Bockl.

Von Drahthammer führte sie über die Köferinger Heide.

Mit ziemlich starkem Gefälle stieg sie ins Lauterachtal ab.

Im Tal folgte sie dem Fluss aufwärts bis Kastl.

Am Endpunkt Lauterhofen sorgte ein Steinbruch für zusätzliches Verkehrsaufkommen.

Sonst beförderte die Bahn die üblichen Frachten einer landwirtschaftlich geprägten Gegend.

Haag bei Amberg

Haag bei Amberg war ein Halt der Strecke.

Weitere Angaben dazu sind nicht belegt.

Hohenkemnath

Hohenkemnath hatte von 1903 bis 1972 einen Haltepunkt.

Er bestand damit während der gesamten Betriebszeit der Strecke.

Ursensollen

Der Haltepunkt Ursensollen lag an der Strecke nach Lauterhofen.

Vom Gemeindezentrum bis zum Bahnhof Amberg sind es etwa elf Kilometer.

Auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände erinnert eine Stele an die Bahn.

Gestaltet haben sie Christa Torge und Karl-Heinz Torge.

Kastl

Bei Kastl endete der Abstieg im Lauterachtal.

Kastl und Lauterhofen hatten schon vor dem Zweiten Weltkrieg eine Kraftpostverbindung nach Neumarkt in der Oberpfalz.

Zu den Bahnanlagen in Kastl ist nichts weiter belegt.

Pfaffenhofen

Pfaffenhofen (Oberpf) war ein Halt zwischen Kastl und Lauterhofen.

Mehr ist darüber nicht belegt.

Lauterhofen: Vorher und nachher

Lauterhofen war der Endpunkt der Strecke.

Die Ansichtskarte von etwa 1913 zeigt den Bahnhof als eine von mehreren Ansichten des Ortes.

Heute steht das Bahnhofsgebäude noch, die Bahnstrecke daneben ist abgebaut.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude von Lauterhofen, Aufnahme von 2017.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude von Lauterhofen, Aufnahme von 2017. Foto: DALIBRI, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Blick vom ehemaligen Bahnhof Lauterhofen in die abgebaute Bahnstrecke, Aufnahme von 2017.
Blick vom ehemaligen Bahnhof Lauterhofen in die abgebaute Bahnstrecke, Aufnahme von 2017. Foto: DALIBRI, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die einbogige ehemalige Eisenbahnbrücke in Lauterhofen.
Die einbogige ehemalige Eisenbahnbrücke in Lauterhofen. Foto: DALIBRI, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Ende des Bockl

Die Reichsbahn setzte schon in den 1930er Jahren Triebwagen ein.

Seit den 1950er Jahren fuhren Uerdinger Schienenbusse der Baureihe VT 98.

Letztlich ersetzte die Bahnbuslinie Amberg–Neumarkt die Bahn.

Der Personenverkehr endete am 1. Juli 1962.

Der letzte Güterzug fuhr am 29. März 1972.

Zum 1. April 1972 wurde der Güterverkehr eingestellt.

Bis 1979 wurde die Strecke abgebaut.

So sieht es jetzt aus

Die Vilstalbahn ist heute ein Radweg, Teil des Fünf-Flüsse-Radwegs.

Die Trasse des Bockl gehört zum Schweppermann-Radweg von Neumarkt nach Schwarzenfeld.

In Lauterhofen blieben Bahnhofsgebäude und Eisenbahnbrücke stehen, in Ursensollen erinnert eine Stele an die Bahn.

Der Radweg auf der ehemaligen Bahnstrecke Amberg–Schmidmühlen.
Der Radweg auf der ehemaligen Bahnstrecke Amberg–Schmidmühlen. Foto: Mikmaq, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

1903: Eröffnung der Strecke Drahthammer–Lauterhofen am 7. Dezember.

1904: Gesetzliche Grundlage für die Lokalbahn nach Schmidmühlen.

1910: Eröffnung bis Ensdorf am 1. Mai, bis Schmidmühlen am 18. Dezember.

1962: Personenverkehr nach Lauterhofen endet am 1. Juli.

1966: Personenverkehr nach Schmidmühlen endet am 1. Juli.

1972: Güterverkehr nach Lauterhofen endet am 1. April.

1979: Die Strecke nach Lauterhofen ist abgebaut.

1985: Südlich von Vilshofen ruht der Verkehr seit dem 31. Mai.

1988: Letzter Güterverkehr nach Vilshofen am 28. Mai.

1990: Die Gleise der Vilstalbahn werden abgetragen.

1991: Bau des Radwegs bis 1992.

Welche Strecken behandelt der Beitrag?
Die Vilstalbahn von Amberg nach Schmidmühlen und die Strecke Drahthammer–Lauterhofen, den Lauterhöfer Bockl.
Kann man die Trassen heute abfahren?
Auf beiden Trassen verlaufen Radwege, auf der Vilstalbahn der Fünf-Flüsse-Radweg und auf dem Bockl der Schweppermann-Radweg.
Wann endete der Personenverkehr?
Auf der Strecke nach Lauterhofen am 1. Juli 1962, auf der Vilstalbahn am 1. Juli 1966.
Wann fuhr der letzte Güterzug?
Nach Lauterhofen am 29. März 1972, die Vilstalbahn bediente das Kalkwerk Vilshofen bis zum 28. Mai 1988.
Gibt es Reste der Bahn?
In Lauterhofen stehen das Bahnhofsgebäude und die Eisenbahnbrücke, in Schmidmühlen das ehemalige Bahnhofsgebäude, in Ursensollen eine Stele.

Beide Strecken sind vollständig abgebaut.

Wer ihnen folgen will, findet die Trassen heute als Radwege.

Quellen und Bildrechte

Bahnstrecke Amberg–Schmidmühlen (Wikipedia) · Bahnstrecke Drahthammer–Lauterhofen (Wikipedia) · Amberg–Schmidmühlen railway (Wikipedia, englisch) · Haselmühl (Wikipedia) · Theuern (Kümmersbruck) (Wikipedia) · Wolfsbach (Ensdorf) (Wikipedia) · Schmidmühlen (Wikipedia) · Hohenkemnath (Wikipedia) · Ursensollen (Wikipedia) · Drahtzug (Wikipedia)

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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