Stimmt es, dass schon 1933 ein Zug Berlin und Hamburg in gut zwei Stunden verband?

Mythen

„Schon vor neunzig Jahren glitt ein stromlinienförmiger Zug so schnell zwischen Berlin und Hamburg, dass man staunte.“

Stimmt es, dass schon 1933 ein Zug Berlin und Hamburg in gut zwei Stunden verband?

→ Warum der Fliegende Hamburger als Urahn des modernen Schnellverkehrs gilt.

Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Mythen

Fliegender Hamburger Triebwagen
Fliegender Hamburger Triebwagen. Foto: Jener13, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Kurz erklärt

Stimmt.

Zug
Fliegender Hamburger, schneller Dieseltriebwagen
Ab
1933, Strecke Berlin–Hamburg
Fahrzeit
rund zweieinviertel Stunden
Technik
stromlinienförmig, dieselelektrischer Antrieb
Bedeutung
Urahn des modernen Schnellverkehrs

Der Mythos

Schnelle, stromlinienförmige Züge klingen nach einer Erfindung der letzten Jahrzehnte.

Umso erstaunlicher ist die Behauptung, so etwas habe es schon in den 1930er Jahren gegeben.

Angeblich fuhr damals ein Zug Berlin und Hamburg in rund zwei Stunden ab.

Das wäre eine Zeit, die selbst heute noch respektabel klingt.

Die kurze Antwort lautet daher: Ja, dieser Zug existierte, und er hieß Fliegender Hamburger.

Was der Fliegende Hamburger war

Der Fliegende Hamburger war ein schneller Triebwagen aus den frühen 1930er Jahren.

Er bestand aus zwei fest verbundenen Wagenteilen mit einem gemeinsamen Antrieb.

In Betrieb ging er im Jahr 1933 auf der Strecke zwischen Berlin und Hamburg.

Sein offizieller Name war technisch und nüchtern, doch der Volksmund taufte ihn liebevoll um.

Der Beiname spielte auf sein Tempo und sein Ziel in Hamburg an.

Bis heute ist er unter diesem Spitznamen bekannt.

Berlin und Hamburg in gut zwei Stunden

Das Herzstück seines Ruhms war die kurze Fahrzeit.

Für die Strecke zwischen den beiden großen Städten brauchte er nur rund zweieinviertel Stunden.

Das war für die damalige Zeit eine geradezu sensationelle Leistung.

Keine andere planmäßige Verbindung war auf dieser Strecke so flott unterwegs.

Selbst im Vergleich mit heutigen Fahrzeiten muss sich dieser Wert nicht verstecken.

Der Zug zeigte, was mit der richtigen Technik schon damals möglich war.

Die Form macht das Tempo

Auffällig war vor allem die glatte, stromlinienförmige Gestalt des Zuges.

Seine Front war rund und windschlüpfrig geformt, nicht kantig wie bei älteren Zügen.

Diese Form verringerte den Luftwiderstand bei hohem Tempo spürbar.

Damals war das Nachdenken über Aerodynamik bei Zügen noch ziemlich neu.

Der Fliegende Hamburger wurde so auch optisch zum Sinnbild für Fortschritt.

Seine elegante Silhouette prägte das Bild vom schnellen Zug der Zukunft.

Diesel statt Dampf

Angetrieben wurde der Zug nicht von einer Dampflok, sondern von Dieselmotoren.

Der Diesel trieb dabei über einen elektrischen Zwischenschritt die Räder an.

Das machte den Zug leichter und schneller startklar als eine schwere Dampflok.

Zugleich fiel der ständige Rauch und das aufwendige Anheizen weg.

Diese Antriebsart war ein wichtiger Schritt weg von der reinen Dampfzeit.

Sie wies den Weg in eine neue Ära des Schnellverkehrs.

SVT 137 Triebwagen Reichsbahn
SVT 137 Triebwagen Reichsbahn. Foto: Ad Meskens, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Warum das eine Sensation war

In den 1930er Jahren war die Dampflok noch der normale Herrscher auf den Gleisen.

Ein glatter, schneller Dieseltriebwagen wirkte daneben fast wie aus einer anderen Welt.

Die kurze Fahrzeit sparte Geschäftsreisenden wertvolle Stunden.

Der Zug wurde rasch zum vielbestaunten Aushängeschild der Technik.

Zeitungen und Publikum feierten ihn als Zeichen einer neuen Geschwindigkeit.

Er stand für den Glauben, dass Reisen immer schneller werden würde.

Der Urahn moderner Schnellzüge

Der Fliegende Hamburger war seiner Zeit in vielem weit voraus.

Die Idee eines fest gekuppelten, schnellen Triebzuges setzte sich später überall durch.

Spätere Generationen schneller Triebwagen bauten gedanklich auf diesem Vorbild auf.

Die Linie lässt sich bis zu den heutigen Hochgeschwindigkeitszügen ziehen.

Auch der moderne ICE ist im Grunde ein ferner Nachfahr dieser frühen Idee.

Damit war der kleine Zug ein echter Wegbereiter.

Warum er wieder verschwand

Die große Zeit des Fliegenden Hamburgers währte allerdings nicht lange.

Mit dem Zweiten Weltkrieg kam der schnelle Fernverkehr weitgehend zum Erliegen.

Der Zug wurde aus dem schnellen Dienst gezogen und seine Strecke verlor an Bedeutung.

Nach dem Krieg war die Welt der Eisenbahn eine andere geworden.

Einzelne Fahrzeuge blieben erhalten und stehen heute in Museen.

Dort kann man die ungewöhnliche Form bis heute bestaunen.

Sein Erbe

Auch wenn er verschwand, blieb seine Grundidee lebendig.

Schnelle, eigenständige Triebzüge wurden später zum Standard im Fernverkehr.

Die Jagd nach kurzen Fahrzeiten, die er begann, hält bis heute an.

Viele Fachleute sehen in ihm den Beginn des modernen schnellen Reisens auf der Schiene.

Sein Spitzname ist längst zu einem Stück Bahngeschichte geworden.

Was davon im Alltag zählt

Der Fliegende Hamburger zeigt, dass schnelle Züge keine ganz neue Erfindung sind.

Schon vor rund neunzig Jahren war erstaunliches Tempo möglich.

Der Mythos von der Zwei-Stunden-Fahrt zwischen Berlin und Hamburg stimmt also.

Er erinnert daran, wie weit die Idee vom schnellen Reisen zurückreicht.

Merke: Der Traum vom flotten Zug ist viel älter als der ICE, er fuhr schon in den 1930er Jahren.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

Zeige alle Beiträge von BahnSlam →