Ortstermin
„Nächster Halt Anhalter Bahnhof, Anschluss in Richtung Italien gibt es hier seit 1952 nicht mehr.“
Der Anhalter Bahnhof, ein Portal ohne Bahnhof am Askanischen Platz
→ Ein Ortstermin in Berlin-Kreuzberg.
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Kurz gesagt
Der Anhalter Bahnhof war vor dem Zweiten Weltkrieg Berlins wichtigste Station für Züge nach Mittel- und Süddeutschland, Österreich und Italien. Heute erinnert nur ein Rest des Portals an ihn, und unter der Erde hält seit 1939 die S-Bahn.
Am Askanischen Platz in Berlin-Kreuzberg steht ein einsames Stück Fassade.
Es ist der Rest eines Portals, durch das einst Reisende in Richtung Süden strömten.
Der Anhalter Bahnhof war einer der großen Fernbahnhöfe Berlins, und seine Geschichte reicht vom Kaiserreich bis in die geteilte Stadt.

Die Bahn nach Anhalt
Der erste Anhalter Bahnhof war der Endpunkt der Berlin-Anhaltischen Eisenbahn, die ab 1839 gebaut wurde.
Er wurde am 1. Juli 1841 eingeweiht, errichtet unter der Leitung des Architekten C. Gustav Holtzmann.
Die Strecke führte über Jüterbog, Wittenberg und Dessau nach Köthen.
Nach dem Potsdamer Bahnhof war er der zweitälteste Bahnhof Berlins.
Der Name erinnert an Anhalt, dessen Gebiet heute zu Sachsen-Anhalt gehört.

Schwechtens großer Neubau
Nach der Reichsgründung beschlossen die Aktionäre im Frühjahr 1871 einen vollständigen Neubau.
Den Auftrag erhielt der Berliner Architekt Franz Schwechten.
Er plante eine gewaltige Halle mit einem Empfangsgebäude über einem rund sechs Meter hohen Sockel.
Als Material dienten Greppiner Klinker und viele Formsteine aus Terrakotta.
Die Konstruktion der Halle stammte von Heinrich Seidel, der auch als Schriftsteller bekannt war.

Gut zu wissen
Der erste Anhalter Bahnhof wurde am 1. Juli 1841 eingeweiht, der große Neubau von Franz Schwechten ging am 15. Juni 1880 in Betrieb. Der Fernverkehr endete am 18. Mai 1952.
Das Gebäude wurde von 1959 bis 1961 abgerissen, nur ein Rest des Portals blieb stehen. Der unterirdische S-Bahnhof ist seit 1939 in Betrieb.
Die größte Halle auf dem Kontinent
Die Halle war 34 Meter hoch, ihre Binder waren 62 Meter lang.
Damit hatte sie damals die größte Spannweite auf dem Kontinent.
Unter ihrem Dach konnten sich nach damaliger Angabe 40.000 Menschen zugleich aufhalten.
Gebaut wurde sechs Jahre lang, von 1874 bis 1880.
Am 15. Juni 1880 ging der Neubau ohne förmliche Feier in Betrieb, mit einem Frühzug nach Lichterfelde um 5.45 Uhr.

Das Tor nach Süden
Ab 1882 fuhren vom Anhalter Bahnhof auch die Züge der Dresdener Bahn ab.
Vor dem Zweiten Weltkrieg war er die wichtigste Station für Verbindungen nach Mittel- und Süddeutschland, Österreich und Italien.
Ab 1931 fuhr hier mit dem Riviera-Express sogar ein Luxuszug der internationalen Schlafwagengesellschaft ab.
Ab 1928 führte ein Tunnel direkt zum Hotel Excelsior, der als längster Hoteltunnel der Welt bezeichnet wurde.
Am Askanischen Platz traf sich in den 1920er und 1930er Jahren die feine Gesellschaft Berlins.

Die S-Bahn unter dem Bahnhof
Am 9. November 1939 ging der südliche Teil der Berliner Nordsüd-S-Bahn in Betrieb.
Unter dem Anhalter Bahnhof entstand dabei ein unterirdischer S-Bahnhof mit zwei Bahnsteigen.
Dieser S-Bahnhof ist bis heute in Betrieb und trägt den alten Namen weiter.
Oben ist vom Fernbahnhof dagegen fast nichts geblieben.
So hält man heute am Anhalter Bahnhof, ohne einen Bahnhof zu sehen.

Ein Ort der Erinnerung
Ab Juni 1942 wurden auch vom Anhalter Bahnhof Jüdinnen und Juden deportiert.
Meist hängte man dafür ein oder zwei Wagen der dritten Klasse an planmäßige Züge.
In 116 Zügen wurden von hier über 9600 Menschen verschleppt, viele von ihnen nach Theresienstadt.
Seit dem 27. Januar 2008 erinnert eine Stele hinter der Portalruine an diese Deportationen.
Aus derselben Zeit stammt auch der Hochbunker am Anhalter Bahnhof.

Das Ende des Fernbahnhofs
Bei Luftangriffen wurde das Dach schwer beschädigt, große Teile der Fassade blieben aber stehen.
Mit der deutschen Teilung wurde der Fernverkehr immer weiter ausgedünnt.
Am 18. Mai 1952 wurde der Zugverkehr zum Anhalter Fernbahnhof endgültig eingestellt.
Trotz starker Proteste wurde das Gebäude von 1959 bis 1961 abgerissen.
Nur ein Fragment des Portikus blieb als Erinnerung stehen.

Tempodrom und Technikmuseum
Direkt neben den Fundamenten des früheren Südportals entstand 2002 das Tempodrom, eine Veranstaltungsstätte in Form eines festen Zelts.
Auf dem erhöhten Gleisfeld hat die Natur das Gelände zurückerobert, heute liegt dort der Elise-Tilse-Park.
Auf dem Gelände des früheren Bahnbetriebswerks und Güterbahnhofs steht seit 1983 das Deutsche Technikmuseum.
Es nutzt unter anderem die alten Lokschuppen des Anhalter Bahnhofs.
Dort ist auch der Torbogen zu sehen, der einst zu den Warteräumen für den Kaiser führte.

Ankommen in Kreuzberg
Der Anhalter Bahnhof lag am Askanischen Platz an der Stresemannstraße, im Westen des Ortsteils Kreuzberg.
Bis zum Potsdamer Platz ist es nicht weit.
Die S-Bahn hält im unterirdischen Bahnhof unter dem früheren Bahnhofsgelände.
Mehrere Straßen in der Umgebung sind nach Städten in Anhalt benannt.
Und das Portal steht noch immer da, als warte es auf den nächsten Zug nach Süden.

Häufige Fragen
Gibt es den Anhalter Bahnhof noch?
Warum heißt er Anhalter Bahnhof?
Wann fuhr der letzte Fernzug?
Wie groß war die Bahnhofshalle?
Was steht heute auf dem Gelände?
Weiterfahrt
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