Standpunkt
„Sehr geehrte Fahrgäste, diese Strecke umfährt den Hauptbahnhof, doch aussteigen können Sie hier bisher kaum.“
Sollte die Stuttgarter Schusterbahn in den Regelverkehr aufgenommen werden?
→ Ein Standpunkt zu einer Güterstrecke rund um Stuttgart, die für Fahrgäste bislang fast unsichtbar ist.
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Worum es geht
Ja, aber in bescheidenem Rahmen. Die Schusterbahn ist eine fertige, zweigleisige und elektrifizierte Strecke, die den überlasteten Stuttgarter Hauptbahnhof umfährt und damit gute Voraussetzungen für eine tangentiale Verbindung bietet. Ein dichter Personenverkehr ist jedoch schwierig, weil die Strecke vor allem dem Güterverkehr dient und zusätzliche Halte erst gebaut werden müssten.
Rund um Stuttgart gibt es eine Bahnstrecke, die kaum jemand als Fahrgast kennt.
Die Schusterbahn verbindet Untertürkheim mit Kornwestheim und umfährt dabei den Hauptbahnhof.
Über sie rollen vor allem Güterzüge.
Für Reisende hält hier bisher so gut wie kein Zug.
Immer wieder wird gefordert, die Strecke stärker für den Personenverkehr zu nutzen.
Ob das sinnvoll ist, lohnt eine genaue Betrachtung.

Was die Schusterbahn ist
Die Bahnstrecke Stuttgart-Untertürkheim–Kornwestheim ist regional als Schusterbahn oder Salamanderbahn bekannt.
Die Namen gehen auf die Salamanderwerke in Kornwestheim zurück.
Sie ist eine 11,5 Kilometer lange Güterumgehungsbahn.
Die zweigleisige Strecke ist elektrifiziert und als Hauptbahn ausgebaut.
Sie dient in erster Linie dazu, den Stuttgarter Hauptbahnhof zu umfahren.

Warum sie gebaut wurde
Der Stuttgarter Hauptbahnhof ist ein Kopfbahnhof, in dem Züge wenden müssen.
Früher mussten deshalb alle Güterzüge im zentralen Bahnhof die Richtung wechseln.
Die Schusterbahn erlaubt es ihnen, den Knoten ganz zu umgehen.
So bleibt der Hauptbahnhof vom durchfahrenden Güterverkehr frei.
Personenzüge fuhren hier lange vor allem für Beschäftigte der Werke und der Bahn.
Warum sie für Fahrgäste interessant ist
Die Strecke verbindet mehrere Orte am Rand des Stuttgarter Kessels.
Sie führt am überlasteten Hauptbahnhof vorbei.
Eine tangentiale Linie könnte Fahrten ermöglichen, die nicht durch die Mitte müssen.
Die Infrastruktur ist bereits vorhanden, zweigleisig und elektrifiziert.
Damit wäre ein Personenverkehr nicht von null aufzubauen.
Was dagegen spricht
Die Strecke ist stark vom Güterverkehr belegt.
Zusätzliche Personenzüge müssten sich in diesen Verkehr einfügen.
Für Fahrgäste fehlen an vielen Stellen Bahnsteige und Zugänge.
Neue Halte zu bauen, kostet Geld und Zeit.
Nicht überall entlang der Strecke wohnen genug Menschen für eine starke Nachfrage.
Die Modernisierung bis 2030
Die Strecke soll bis 2030 in den Digitalen Knoten Stuttgart integriert werden.
Vorgesehen sind digitale Stellwerke und die Zugsicherung ETCS.
Auch ein automatisierter Fahrbetrieb ist geplant.
Eine moderne Steuerung kann mehr Züge auf derselben Strecke ermöglichen.
Das könnte zusätzlichen Spielraum für Personenverkehr schaffen.
Das Vorbild tangentialer Linien
Linien, die um ein Zentrum herumführen, entlasten überfüllte Knoten.
Sie verbinden Ziele, zwischen denen sonst ein Umweg nötig wäre.
Gerade in Stuttgart mit seinem Kopfbahnhof ist eine Umfahrung wertvoll.
Eine Schusterbahn im Personenverkehr könnte diese Rolle teilweise übernehmen.
Voraussetzung sind passende Halte und ein verlässlicher Takt.
Zwischen Wunsch und Machbarkeit
Die Idee eines Personenverkehrs auf der Schusterbahn ist nicht neu.
Ihr Reiz liegt in der vorhandenen, leistungsfähigen Strecke.
Ihre Grenze liegt im dichten Güterverkehr und den fehlenden Stationen.
Ein bescheidenes Angebot ist leichter zu erreichen als ein dichter Takt.
Die Modernisierung bis 2030 könnte die Spielräume vergrößern.
Die Bahn und der Klimaschutz
Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.
Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.
Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.
Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.
Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.
Ein Blick in die Zukunft
Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.
Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.
Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.
Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.
Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.
So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.
Die Bahn als Teil des Alltags
Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.
Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.
Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.
Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.
So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.
Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.
Pro und Contra
Dafür
+ Die Strecke ist fertig, zweigleisig und elektrifiziert, der Aufbau beginnt nicht bei null.
+ Sie umfährt den überlasteten Stuttgarter Hauptbahnhof.
+ Eine tangentiale Linie spart Umwege durch die Innenstadt.
+ Die geplante Digitalisierung bis 2030 kann mehr Zugfahrten ermöglichen.
+ Orte am Rand des Kessels könnten neue, direkte Verbindungen erhalten.
+ Vorhandene Infrastruktur besser zu nutzen, ist meist günstiger als Neubau.
Dagegen
− Die Strecke ist stark mit Güterverkehr belegt.
− Für Fahrgäste fehlen vielerorts Bahnsteige und Zugänge.
− Neue Halte zu bauen, kostet Geld und Zeit.
− Entlang der Strecke wohnen nicht überall genug Menschen für starke Nachfrage.
− Personen- und Güterverkehr auf denselben Gleisen konkurrieren um Kapazität.
− Ohne dichten Takt bleibt der Nutzen für Fahrgäste begrenzt.
Unterm Strich
Die Schusterbahn ist eine leistungsfähige Strecke mitten im Ballungsraum.
Ihr Potenzial als tangentiale Verbindung ist schwer zu bestreiten.
Dem stehen dichter Güterverkehr und fehlende Stationen entgegen.
Ein bescheidener Personenverkehr erscheint realistischer als ein dichter Takt.
Die Modernisierung bis 2030 ist die Gelegenheit, diese Frage neu zu stellen.
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