Standpunkt
„Sehr geehrte Reisende, in Genf Cornavin wird es eng, der nächste Platz entsteht vielleicht tief unter Ihnen.“
Sollte der Bahnhof Genf Cornavin unterirdisch erweitert werden?
→ Ein Standpunkt zum zentralen Bahnhof der Westschweiz, der für den wachsenden Léman Express mehr Gleise braucht.
Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Standpunkt
Worum es geht
Ja. Der Bahnhof Genf Cornavin ist der zentrale Knoten der Westschweiz und mit dem wachsenden Léman Express an seine Grenzen gestoßen; eine unterirdische Erweiterung schafft neue Kapazität, ohne den historischen Bahnhof an der Oberfläche abzureißen. Ein Tiefbahnhof mitten in der Stadt ist teuer und bringt jahrelange Baustellen, doch ohne mehr Gleise lässt sich das Angebot kaum weiter ausbauen.
Genf Cornavin ist der wichtigste Bahnhof der Westschweiz.
Hier treffen der Fernverkehr, die Linien nach Frankreich und der grenzüberschreitende Léman Express zusammen.
Seit der Léman Express 2019 den Betrieb aufnahm, ist die Nachfrage stark gewachsen.
Die vorhandenen Gleise reichen für einen weiteren Ausbau kaum noch aus.
Geplant ist deshalb ein unterirdischer Ausbau des Bahnhofs.
Ob dieser teure Schritt richtig ist, darüber lässt sich streiten.

Der Knoten der Westschweiz
Der Bahnhof Genève-Cornavin ist der zentrale Bahnhof der Stadt Genf.
Über ihn läuft der Verkehr in Richtung Lausanne, Frankreich und in die Region.
Seit 2019 bündelt er zusätzlich den grenzüberschreitenden Léman Express.
Dieses S-Bahn-Netz verbindet Genf mit dem französischen Umland.
Entsprechend stark ist der Bahnhof ausgelastet.

Warum der Bahnhof an Grenzen stößt
Ein Teil der Gleise lässt sich nur mit einer Stromart versorgen.
Für den Rangierdienst kommen deshalb besondere Zweisystem-Lokomotiven zum Einsatz.
Solche Beschränkungen zeigen, wie eng es im Bahnhof zugeht.
Mit wachsendem Angebot wird der Platz auf den Gleisen immer knapper.
Ohne zusätzliche Gleise lässt sich der Fahrplan kaum noch verdichten.
Der geplante Tiefbahnhof
Das Projekt sieht einen unterirdischen Bahnhof in Genf vor.
Geplant ist eine Erweiterung auf zwei Untergeschosse auf der Seite der Place de Montbrillant.
Dazu sollen zwei Tunnel die neuen unterirdischen Gleise anbinden.
Der historische Bahnhof an der Oberfläche bliebe dabei erhalten.
Die zusätzliche Kapazität entstünde also unter der Erde.
Teil von Léman 2030
Damit der Léman Express weiter ausgebaut werden kann, braucht es mehr Infrastruktur.
Das Programm Léman 2030 bündelt die nötigen Teilprojekte zwischen Lausanne und Genf.
Der Ausbau von Cornavin ist einer dieser Bausteine.
Erst im Zusammenspiel entfalten die Projekte ihre volle Wirkung.
Der Bahnhof ist dabei das Nadelöhr am westlichen Ende.
Warum unterirdisch gebaut wird
An der Oberfläche ist in der dicht bebauten Innenstadt kaum Platz für neue Gleise.
Ein Abriss des historischen Bahnhofs wäre weder gewollt noch sinnvoll.
Unter die Erde zu gehen, schont das Stadtbild.
Ein bestehender Tunnel für Züge nach Frankreich zeigt, dass unterirdische Lösungen hier möglich sind.
Der Tiefbahnhof folgt dieser Logik und schafft Platz in der Tiefe.
Der Preis des Projekts
Ein Tiefbahnhof mitten in der Stadt ist außerordentlich teuer.
Der Bau unter einem laufenden Bahnhof ist technisch anspruchsvoll.
Jahrelange Baustellen belasten die Innenstadt und die Reisenden.
Große Tunnelprojekte bergen zudem finanzielle Risiken.
Diese Lasten trägt die Allgemeinheit über viele Jahre.
Was auf dem Spiel steht
Cornavin ist für die ganze Region Genf von zentraler Bedeutung.
Ein Engpass hier bremst den Ausbau des gesamten Léman Express.
Mehr Kapazität am Knoten nützt vielen Linien zugleich.
Bleibt der Ausbau aus, stößt das Wachstum des Nahverkehrs an eine Mauer.
Die Entscheidung reicht damit weit über den Bahnhof selbst hinaus.
Ein Blick in die Zukunft
Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.
Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.
Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.
Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.
Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.
So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.
Die Bahn und der Klimaschutz
Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.
Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.
Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.
Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.
Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.
Kleine Dinge, große Wirkung
Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.
Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.
Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.
In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.
Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.
So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.
Pro und Contra
Dafür
+ Cornavin ist der zentrale Knoten der Westschweiz und heute stark ausgelastet.
+ Der wachsende Léman Express braucht mehr Kapazität am Bahnhof.
+ Eine unterirdische Lösung erhält den historischen Bahnhof an der Oberfläche.
+ Mehr Gleise am Knoten nützen zugleich vielen Linien.
+ Der Ausbau ist ein zentraler Baustein des Programms Léman 2030.
+ Ein bestehender Tunnel zeigt, dass unterirdische Lösungen hier machbar sind.
Dagegen
− Ein Tiefbahnhof mitten in der Stadt ist außerordentlich teuer.
− Der Bau unter einem laufenden Bahnhof ist technisch sehr anspruchsvoll.
− Jahrelange Baustellen belasten Innenstadt und Reisende.
− Große Tunnelprojekte bergen erhebliche finanzielle Risiken.
− Der Nutzen hängt davon ab, dass auch die übrigen Léman-2030-Projekte gelingen.
− Das Geld bindet Mittel, die anderswo im Netz ebenfalls gebraucht werden.
Unterm Strich
Der Bahnhof Cornavin ist an seine Grenzen gestoßen.
Für den wachsenden Léman Express führt an mehr Kapazität kaum ein Weg vorbei.
Eine unterirdische Erweiterung schont dabei den historischen Bahnhof.
Der Preis sind hohe Kosten und lange Baustellen in der Stadt.
Wer den Nahverkehr der Region ernst nimmt, wird den Ausbau kaum ablehnen können.
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