Stimmt es, dass …?
„Bitte beachten Sie: Dieser Zug fährt ausnahmsweise auf der historischen Breitspur, achten Sie auf den größeren Abstand zwischen den Schienen.“
Stimmt es, dass in England früher Züge auf über zwei Meter breiter Spur fuhren?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Ja, das stimmt: In England ließ Isambard Kingdom Brunel ab 1838 Züge auf einer Spurweite von 2140 Millimetern fahren, also über zwei Meter breit. Diese Breitspur der Great Western Railway war die breiteste im regulären Betrieb, wurde aber bis in die 1890er Jahre wieder auf Normalspur umgestellt.
Wer heute durch England fährt, rollt auf derselben Spur wie fast überall in Europa, nämlich auf der Normalspur von 1435 Millimetern.
Doch im Südwesten der Insel gab es jahrzehntelang eine ganz andere Welt, in der die Schienen viel weiter auseinanderlagen.
Dahinter stand ein berühmter Ingenieur mit einer kühnen Idee, die am Ende trotzdem verlor.

Die Fakten in Zahlen
2140 mm
ab 1838
Brunels Breitspur, sieben Fuß und ein Viertelzoll
1435 mm
Normalspur
das heute übliche Maß
1890er
Umspurung
Ende der englischen Breitspur
Rund sieben Jahrzehnte rollten die breitesten Regelzüge der Welt durch Südwestengland.
Der Mythos auf dem Prüfstand
Die Behauptung, in England seien einmal Züge auf über zwei Meter breiter Spur gefahren, klingt zunächst nach Seemannsgarn.
Tatsächlich ist sie wahr und lässt sich bis auf den Millimeter belegen.
Verantwortlich war die Great Western Railway, kurz GWR, eine der großen frühen Bahngesellschaften Großbritanniens.
Ihr Chefingenieur wählte bewusst ein Maß, das deutlich über dem späteren europäischen Standard lag.

Brunels große Idee
Isambard Kingdom Brunel gilt bis heute als einer der einflussreichsten Ingenieure des 19. Jahrhunderts.
Für die Great Western Railway entwarf er ab 1838 ein eigenes, besonders breites Gleis.
Er versprach sich davon ruhigere, schnellere und sicherere Fahrten als auf den schmaleren Gleisen der Konkurrenz.
Die Idee war technisch durchdacht, passte aber nicht zum Rest des wachsenden Streckennetzes.
Gut zu wissen
Die Spurweite wird immer als lichter Abstand zwischen den Innenkanten der beiden Schienenköpfe gemessen, und die Normalspur von 1435 Millimetern geht auf frühe englische Kohlebahnen zurück.
Isambard Kingdom Brunel baute nicht nur Bahnstrecken, sondern auch berühmte Brücken, Tunnel und Dampfschiffe, von denen viele in Großbritannien bis heute unter Denkmalschutz stehen.
Sieben Fuß und ein Viertelzoll
Brunels Spurweite betrug genau sieben Fuß und einen viertel Zoll, umgerechnet 2140 Millimeter.
Zum Vergleich misst die heute übliche Normalspur nur 1435 Millimeter.
Zwischen beiden Maßen liegen also rund siebzig Zentimeter Unterschied.
Damit war die GWR-Breitspur die breiteste Spur, auf der je planmäßig schwere Züge verkehrten.
Warum so breit gebaut wurde
Brunel legte die Schienen auf durchgehende hölzerne Langschwellen und verband sie mit Querstangen.
Die breite Spur sollte den Wagen einen tiefen Schwerpunkt und viel Standfestigkeit geben.
Auf den schnurgeraden Hauptstrecken der GWR erreichten die Züge für die damalige Zeit hohe Geschwindigkeiten.
Viele Fahrgäste lobten den ruhigen Lauf, den die großzügigen Wagen ermöglichten.
Der Streit der Spurweiten
Das Problem zeigte sich überall dort, wo die Breitspur auf die schmaleren Gleise anderer Gesellschaften traf.
An solchen Übergangsbahnhöfen mussten Reisende umsteigen und Güter mühsam von Wagen zu Wagen umgeladen werden.
In Großbritannien ging dieser Konflikt als „Spurweitenkrieg“ in die Eisenbahngeschichte ein.
Je dichter das Netz wurde, desto teurer und lästiger wurde die Insellösung der GWR.
Das Ende der Breitspur
Schon 1846 entschied sich die Politik mit einem Gesetz grundsätzlich für die Normalspur bei Neubauten.
Die GWR durfte ihre Breitspur zunächst behalten, musste sie aber nach und nach umbauen.
Über Jahrzehnte wurden Strecken umgespurt oder mit einer dritten Schiene für beide Maße ergänzt.
Bis in die 1890er Jahre verschwand die reine Breitspur schließlich ganz aus dem Betrieb.
Was von Brunel blieb
Durchgesetzt hat sich am Ende die schmalere Normalspur, die heute weltweit am häufigsten ist.
Brunels Name ist dennoch untrennbar mit der Blütezeit der englischen Eisenbahn verbunden.
In Eisenbahnmuseen lassen sich Nachbauten und Reste der alten Breitspur bis heute bestaunen.
Sein Werk zeigt, dass auch technisch kluge Lösungen scheitern können, wenn sie nicht zum Gesamtsystem passen.
Breitspur gibt es bis heute
Spuren, die breiter sind als die Normalspur, sind keineswegs ausgestorben.
In Russland und vielen Nachbarländern rollen die Züge auf rund 1520 Millimetern.
In Spanien und Portugal sowie in Indien sind ebenfalls breitere Maße verbreitet.
Keine dieser heutigen Breitspuren erreicht jedoch die extreme Weite von Brunels 2140 Millimetern.
Das Fazit
Die Antwort lautet klar: Ja, in England fuhren Züge wirklich auf über zwei Meter breiter Spur.
Brunels Great Western Railway nutzte von 1838 an die Rekordspur von 2140 Millimetern.
Erst die Vorteile eines einheitlichen Netzes verdrängten die Breitspur bis in die 1890er Jahre.
Der Mythos stimmt also und erinnert an eine faszinierende Sackgasse der Technikgeschichte.
Ein Blick in die Zukunft
Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.
Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.
Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.
Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.
Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.
So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.
Die Bahn und der Klimaschutz
Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.
Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.
Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.
Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.
Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.
