Stimmt es, dass in England früher Züge auf über zwei Meter breiter Spur fuhren?

Stimmt es, dass …?

„Bitte beachten Sie: Dieser Zug fährt ausnahmsweise auf der historischen Breitspur, achten Sie auf den größeren Abstand zwischen den Schienen.“

Stimmt es, dass in England früher Züge auf über zwei Meter breiter Spur fuhren?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Ja, das stimmt: In England ließ Isambard Kingdom Brunel ab 1838 Züge auf einer Spurweite von 2140 Millimetern fahren, also über zwei Meter breit. Diese Breitspur der Great Western Railway war die breiteste im regulären Betrieb, wurde aber bis in die 1890er Jahre wieder auf Normalspur umgestellt.

Wer heute durch England fährt, rollt auf derselben Spur wie fast überall in Europa, nämlich auf der Normalspur von 1435 Millimetern.

Doch im Südwesten der Insel gab es jahrzehntelang eine ganz andere Welt, in der die Schienen viel weiter auseinanderlagen.

Dahinter stand ein berühmter Ingenieur mit einer kühnen Idee, die am Ende trotzdem verlor.

National Railway Museum Daniel Gooch Fire Fly model
Foto: Geof Sheppard, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

2140 mm

ab 1838

Brunels Breitspur, sieben Fuß und ein Viertelzoll

1435 mm

Normalspur

das heute übliche Maß

1890er

Umspurung

Ende der englischen Breitspur

Rund sieben Jahrzehnte rollten die breitesten Regelzüge der Welt durch Südwestengland.

Der Mythos auf dem Prüfstand

Die Behauptung, in England seien einmal Züge auf über zwei Meter breiter Spur gefahren, klingt zunächst nach Seemannsgarn.

Tatsächlich ist sie wahr und lässt sich bis auf den Millimeter belegen.

Verantwortlich war die Great Western Railway, kurz GWR, eine der großen frühen Bahngesellschaften Großbritanniens.

Ihr Chefingenieur wählte bewusst ein Maß, das deutlich über dem späteren europäischen Standard lag.

Kidderminster Museum broad gauge nameplates
Foto: Geof Sheppard, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Brunels große Idee

Isambard Kingdom Brunel gilt bis heute als einer der einflussreichsten Ingenieure des 19. Jahrhunderts.

Für die Great Western Railway entwarf er ab 1838 ein eigenes, besonders breites Gleis.

Er versprach sich davon ruhigere, schnellere und sicherere Fahrten als auf den schmaleren Gleisen der Konkurrenz.

Die Idee war technisch durchdacht, passte aber nicht zum Rest des wachsenden Streckennetzes.

Gut zu wissen

Die Spurweite wird immer als lichter Abstand zwischen den Innenkanten der beiden Schienenköpfe gemessen, und die Normalspur von 1435 Millimetern geht auf frühe englische Kohlebahnen zurück.

Isambard Kingdom Brunel baute nicht nur Bahnstrecken, sondern auch berühmte Brücken, Tunnel und Dampfschiffe, von denen viele in Großbritannien bis heute unter Denkmalschutz stehen.

Sieben Fuß und ein Viertelzoll

Brunels Spurweite betrug genau sieben Fuß und einen viertel Zoll, umgerechnet 2140 Millimeter.

Zum Vergleich misst die heute übliche Normalspur nur 1435 Millimeter.

Zwischen beiden Maßen liegen also rund siebzig Zentimeter Unterschied.

Damit war die GWR-Breitspur die breiteste Spur, auf der je planmäßig schwere Züge verkehrten.

Warum so breit gebaut wurde

Brunel legte die Schienen auf durchgehende hölzerne Langschwellen und verband sie mit Querstangen.

Die breite Spur sollte den Wagen einen tiefen Schwerpunkt und viel Standfestigkeit geben.

Auf den schnurgeraden Hauptstrecken der GWR erreichten die Züge für die damalige Zeit hohe Geschwindigkeiten.

Viele Fahrgäste lobten den ruhigen Lauf, den die großzügigen Wagen ermöglichten.

Der Streit der Spurweiten

Das Problem zeigte sich überall dort, wo die Breitspur auf die schmaleren Gleise anderer Gesellschaften traf.

An solchen Übergangsbahnhöfen mussten Reisende umsteigen und Güter mühsam von Wagen zu Wagen umgeladen werden.

In Großbritannien ging dieser Konflikt als „Spurweitenkrieg“ in die Eisenbahngeschichte ein.

Je dichter das Netz wurde, desto teurer und lästiger wurde die Insellösung der GWR.

Das Ende der Breitspur

Schon 1846 entschied sich die Politik mit einem Gesetz grundsätzlich für die Normalspur bei Neubauten.

Die GWR durfte ihre Breitspur zunächst behalten, musste sie aber nach und nach umbauen.

Über Jahrzehnte wurden Strecken umgespurt oder mit einer dritten Schiene für beide Maße ergänzt.

Bis in die 1890er Jahre verschwand die reine Breitspur schließlich ganz aus dem Betrieb.

Was von Brunel blieb

Durchgesetzt hat sich am Ende die schmalere Normalspur, die heute weltweit am häufigsten ist.

Brunels Name ist dennoch untrennbar mit der Blütezeit der englischen Eisenbahn verbunden.

In Eisenbahnmuseen lassen sich Nachbauten und Reste der alten Breitspur bis heute bestaunen.

Sein Werk zeigt, dass auch technisch kluge Lösungen scheitern können, wenn sie nicht zum Gesamtsystem passen.

Breitspur gibt es bis heute

Spuren, die breiter sind als die Normalspur, sind keineswegs ausgestorben.

In Russland und vielen Nachbarländern rollen die Züge auf rund 1520 Millimetern.

In Spanien und Portugal sowie in Indien sind ebenfalls breitere Maße verbreitet.

Keine dieser heutigen Breitspuren erreicht jedoch die extreme Weite von Brunels 2140 Millimetern.

Das Fazit

Die Antwort lautet klar: Ja, in England fuhren Züge wirklich auf über zwei Meter breiter Spur.

Brunels Great Western Railway nutzte von 1838 an die Rekordspur von 2140 Millimetern.

Erst die Vorteile eines einheitlichen Netzes verdrängten die Breitspur bis in die 1890er Jahre.

Der Mythos stimmt also und erinnert an eine faszinierende Sackgasse der Technikgeschichte.

Ein Blick in die Zukunft

Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.

Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.

Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.

Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.

Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.

So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.

Die Bahn und der Klimaschutz

Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.

Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.

Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.

Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.

Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.

Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.

Häufige Fragen

War Brunels Breitspur die breiteste der Welt?
Im regulären Eisenbahnbetrieb ja, denn mit 2140 Millimetern übertraf sie jede andere planmäßig genutzte Spur.
Warum setzte sich die Breitspur nicht durch?
Weil das umliegende Netz Normalspur nutzte und das Umsteigen und Umladen an den Übergängen zu teuer und unpraktisch war.
Wann endete die englische Breitspur?
Nach einem Gesetz von 1846 wurde sie über Jahrzehnte umgebaut und verschwand bis in die 1890er Jahre vollständig.
Gibt es heute noch breite Spuren?
Ja, etwa in Russland mit rund 1520 Millimetern oder in Indien, doch keine ist so breit wie Brunels Maß.
Wer war Isambard Kingdom Brunel?
Ein britischer Ingenieur des 19. Jahrhunderts, der die Great Western Railway sowie zahlreiche Brücken, Tunnel und Schiffe entwarf.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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