Stimmt es, dass die Rübelandbahn im Harz mit ungewöhnlichem Bahnstrom elektrifiziert wurde?

Stimmt es, dass …?

„Auf Gleis im Harz steht ein Zug bereit, der mit einem Strom fährt, den sonst kaum eine deutsche Bahn kennt.“

Stimmt es, dass die Rübelandbahn im Harz mit ungewöhnlichem Bahnstrom elektrifiziert wurde?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Stimmt es, dass …?

Kurz gesagt

Die Rübelandbahn wurde in den 1960er Jahren mit 25 Kilovolt bei 50 Hertz elektrifiziert und damit mit einem für deutsche Bahnen ungewöhnlichen Stromsystem. Der Grund lag in den besonderen Bedingungen der DDR und im abgeschnittenen Inselbetrieb der Strecke.

Die Rübelandbahn verbindet Blankenburg im nördlichen Harz mit den Kalkbrüchen rund um Rübeland.

Sie gehört zu den wenigen deutschen Strecken, die nicht mit dem üblichen Bahnstrom fahren.

Hinter dieser Besonderheit steckt eine Geschichte aus Technik, Rohstoffen und politischer Teilung.

Deutsche Reichsbahn E lok 251 005 5 with lime traffic empties. Die Rübel
Foto: Felix O, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

25 kV / 50 Hz

1960–1965

Ungewöhnliches Stromsystem

1886

Eröffnung

Durch die HBE gebaut

rund 30 km

ursprünglich

Streckenlänge im Harz

Die Werte stammen aus der Beschreibung der Strecke in der Wikipedia.

Worum es bei dem Mythos geht

Viele elektrische Bahnen in Deutschland fahren mit Wechselstrom von 15 Kilovolt bei einer Frequenz von 16,7 Hertz.

Die Rübelandbahn weicht davon deutlich ab und nutzte stattdessen 25 Kilovolt bei 50 Hertz.

Damit fuhr sie mit demselben Strom, wie er auch aus der normalen Steckdose kommt.

Genau diese Abweichung macht die Strecke für Bahnfreunde bis heute besonders interessant.

Die Rübelandbahn Güterzug bei Rübeland, DDR, May 1990 ()
Foto: Sludge G, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Was wirklich stimmt

Die Rübelandbahn wurde zwischen 1960 und 1965 elektrifiziert.

Als Stromsystem wählte man 25 Kilovolt bei 50 Hertz und wich damit bewusst vom deutschen Standard ab.

Der Antrieb diente vor allem dazu, den Kalk aus den Brüchen bei Rübeland in größeren Mengen abzutransportieren.

Die Angabe zum ungewöhnlichen Stromsystem lässt sich in der Beschreibung der Strecke klar belegen.

Gut zu wissen

Die Frequenz von 50 Hertz entspricht der üblichen Netzfrequenz in Europa, während das deutsche Bahnnetz meist mit 16,7 Hertz arbeitet.

Ein Inselbetrieb bezeichnet eine Strecke, die nicht mit dem übrigen elektrifizierten Netz verbunden ist und daher eigene technische Wege gehen kann.

Warum man sich für dieses System entschied

Eine Elektrifizierung mit den sonst üblichen 15 Kilovolt und 16,7 Hertz schied in der DDR aus.

Die dafür nötigen Frequenzumformer und ein eigenes Bahnkraftwerk standen damals nicht zur Verfügung.

Mit 50 Hertz konnte man dagegen den ohnehin vorhandenen Landesstrom nutzen.

So wurde aus der Not eine technisch eigenwillige Lösung.

Die Strecke als Inselbetrieb

Schon bei der Planung war klar, dass die Strecke für Jahrzehnte ohne Verbindung zum übrigen elektrischen Netz bleiben würde.

Man sprach daher von einem Inselbetrieb, der für sich allein funktionierte.

Weil keine durchgehenden Fahrten in das übrige Netz nötig waren, fiel die Entscheidung für das abweichende System leichter.

Die Rübelandbahn blieb dadurch ein technischer Sonderfall im deutschen Bahnalltag.

Spitzkehre und bauliche Besonderheiten

Neben dem ungewöhnlichen Strom besitzt die Strecke eine Spitzkehre in Michaelstein.

In einer solchen Spitzkehre wechselt der Zug die Fahrtrichtung, um Höhenunterschiede zu überwinden.

Für den Bau der Oberleitung wurde der zu enge Bielsteintunnel sogar verfüllt.

Die Strecke wurde dafür im Bereich eines früheren Bahnhofs auf einen hohen Damm verlegt.

Wozu die Bahn gebaut wurde

Die Rübelandbahn wurde bereits 1886 von der Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn fertiggestellt.

Ihr wichtigstes Ziel war der Transport von Kalk und anderen Rohstoffen aus dem Harz.

Der Güterverkehr prägte die Strecke über viele Jahrzehnte.

Die Elektrifizierung sollte diesen Verkehr leistungsfähiger machen.

Was sich bis heute verändert hat

Der planmäßige Personenverkehr wurde auf der Strecke bis zum Jahr 2005 nach und nach eingestellt.

Einzelne Abschnitte im oberen Harz wurden schon früher stillgelegt und teilweise abgebaut.

Für den Güterverkehr behielt die Strecke dagegen ihre Bedeutung.

Gelegentlich verkehren außerdem Sonderzüge für Reisende.

Warum der Mythos so hartnäckig ist

Ein abweichendes Stromsystem klingt zunächst nach einem Versehen oder einer Kuriosität.

Tatsächlich war es eine bewusste und gut begründete Entscheidung.

Weil solche Sonderfälle selten sind, bleiben sie im Gedächtnis.

Die Rübelandbahn gilt deshalb vielen als kleines technisches Denkmal.

Das Fazit

Der Mythos stimmt.

Die Rübelandbahn wurde mit 25 Kilovolt bei 50 Hertz und damit mit einem für Deutschland ungewöhnlichen Bahnstrom elektrifiziert.

Hintergrund waren die Bedingungen in der DDR und der abgeschnittene Inselbetrieb der Strecke.

Zusammen mit der Spitzkehre macht das die kleine Harzstrecke bis heute zu einem technischen Sonderfall.

Zwischen Technik und Menschen

Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.

Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.

Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.

Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.

Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.

Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.

Ein Blick in die Zukunft

Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.

Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.

Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.

Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.

Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.

So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.

Häufige Fragen

Mit welchem Strom fuhr die Rübelandbahn?
Sie wurde mit 25 Kilovolt bei 50 Hertz elektrifiziert, was für deutsche Bahnen ungewöhnlich ist.
Warum nicht mit dem üblichen Bahnstrom?
In der DDR fehlten die nötigen Frequenzumformer und ein Bahnkraftwerk für das sonst übliche System mit 16,7 Hertz.
Was ist eine Spitzkehre?
In einer Spitzkehre wechselt der Zug die Fahrtrichtung, um einen steilen Höhenunterschied zu bewältigen; die Rübelandbahn hat eine in Michaelstein.
Wofür wurde die Strecke genutzt?
Vor allem für den Transport von Kalk aus den Brüchen bei Rübeland, also für schweren Güterverkehr.
Fährt die Bahn heute noch?
Der planmäßige Personenverkehr endete bis 2005, Güterzüge und gelegentliche Sonderfahrten blieben jedoch bestehen.

Weiterfahrt

→ Alle Schalter – zurück zur Übersicht

→ Zurück zum Finder

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

Zeige alle Beiträge von BahnSlam →