Stimmt es, dass die erste amerikanische Dampflok gegen ein Pferd verlor?

Stimmt es, dass …?

„Bitte beachten Sie: Das schnellste Pferd gewinnt heute das Rennen und verliert trotzdem die Geschichte.“

Stimmt es, dass die erste amerikanische Dampflok gegen ein Pferd verlor?

→ Ein Pferd schlägt eine Dampflok, und trotzdem gewinnt am Ende die Maschine.

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Kurz gesagt

Die Lok „Tom Thumb“ trat 1830 nahe Baltimore tatsächlich gegen einen von einem Pferd gezogenen Wagen an und verlor, weil ein Treibriemen absprang. Belegt ist das Rennen allerdings nur durch spätere Berichte, die sich in Datum und Einzelheiten widersprechen.

Es ist eine der berühmtesten Geschichten aus der Frühzeit der Eisenbahn.

Eine kleine Dampflok tritt gegen ein Pferd an und verliert ausgerechnet das Rennen, das über die Zukunft entscheiden soll.

Doch war es wirklich so, und wie gut ist die Szene überhaupt belegt?

Nachbau der frühen amerikanischen Dampflok „Tom Thumb
Foto: ProvRIGuy, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

1830

das Rennen

Wettlauf nahe Baltimore

rund 13 km

etwa acht Meilen

Strecke zwischen Relay und Baltimore

1831

Wende zur Dampfkraft

die B&O gab die Pferde auf

Quelle: englischsprachige Wikipedia zu „Tom Thumb (locomotive)“ und „Baltimore and Ohio Railroad“; die Einzelheiten des Rennens beruhen auf späteren Schilderungen.

Worum es bei dem Mythos geht

Die Geschichte spielt in den USA, in den ersten Jahren der dortigen Eisenbahn.

Die Baltimore and Ohio Railroad, kurz B&O, war die erste größere Eisenbahn des Landes für den öffentlichen Verkehr.

Noch war nicht entschieden, ob auf ihren Gleisen Pferde oder Dampfmaschinen ziehen sollten.

Genau in diesem Moment soll ein Rennen den Ausschlag gegeben haben.

Historische Dampflokomotive der Baltimore and Ohio Railroad
Foto: Manfred Kopka, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Eine Lok, gebaut zum Überzeugen

Die kleine Dampflok trug den Namen „Tom Thumb“, also „Däumling“, und war bewusst winzig gehalten.

Gebaut hatte sie der Erfinder und Unternehmer Peter Cooper um 1830.

Sie war keine Lok für den Fahrplan, sondern ein Versuchsmodell, das die Geldgeber der B&O von der Dampfkraft überzeugen sollte.

Als erste in den USA gebaute Dampflok auf einer öffentlichen Eisenbahn ging sie damit in die Geschichte ein.

Gut zu wissen

Der Name „Tom Thumb“ spielt auf eine winzige Märchenfigur an, auf Deutsch den „Däumling“, und unterstreicht, wie klein die Versuchslok war.

Ein originalgetreuer Nachbau der Lok ist heute im Eisenbahnmuseum der B&O in Baltimore zu sehen.

Das Rennen gegen das Pferd

Die Betreiber einer Pferdekutschen-Linie wollten zeigen, dass ihre Tiere der Maschine überlegen seien.

Sie forderten die „Tom Thumb“ zu einem Wettlauf heraus, Pferd gegen Dampf auf zwei nebeneinander liegenden Gleisen.

Die Strecke führte über rund acht Meilen, also etwa dreizehn Kilometer, zwischen dem Ort Relay und Baltimore.

Zunächst zog die Lok davon und ließ das Pferd deutlich hinter sich.

Warum die Lok verlor

Dann sprang ein Treibriemen ab, der das Gebläse des Kessels antrieb.

Ohne dieses Gebläse bekam das Feuer zu wenig Luft, der Dampfdruck fiel, und die Lok verlor an Kraft.

Das Pferd zog vorbei und erreichte als Erstes das Ziel.

Gewonnen hat an diesem Tag also das Tier, nicht die Maschine.

Warum am Ende doch der Dampf siegte

Trotz der Panne hatte die „Tom Thumb“ gezeigt, wie schnell und kräftig eine Dampflok sein konnte.

Die Fachleute der B&O waren überzeugt, dass die Zukunft der Maschine gehörte.

Schon 1831 gab die Gesellschaft die Pferde als Zugkraft auf und setzte auf Dampflokomotiven.

Das verlorene Rennen wurde so zum Auftakt für den Sieg der Dampfkraft in Amerika.

Wie sicher ist die Geschichte belegt?

Hier ist Vorsicht geboten, denn zeitgenössische Berichte über das Rennen fehlen.

Die bekannten Schilderungen stammen erst aus den Jahrzehnten danach, teils ein halbes Jahrhundert später.

Sie nennen für das Rennen unterschiedliche Tage, mal im August, mal im September 1830.

Der Kern, eine Lok verliert durch eine Panne gegen ein Pferd, gilt als überliefert, die Einzelheiten sind es nur mit Einschränkung.

War es wirklich die erste Dampflok in den USA?

Fahrzeuge mit Dampf hatte es auf amerikanischen Schienen schon vorher gegeben.

Die aus England eingeführte „Stourbridge Lion“ fuhr bereits 1829, war für die Gleise aber zu schwer und blieb eine Episode.

Die „Tom Thumb“ gilt deshalb als die erste in den USA selbst gebaute Dampflok, die auf einer öffentlichen Bahn lief.

Das macht sie zu einem Meilenstein, auch wenn sie das berühmte Rennen verlor.

Warum die Szene bis heute erzählt wird

Das Bild ist einfach und stark: ein Pferd und eine Maschine, Seite an Seite, im Wettlauf um die Zukunft.

Dass ausgerechnet ein abgesprungener Riemen den Ausschlag gab, macht die Geschichte menschlich und einprägsam.

So wurde aus einer kleinen Versuchslok eine Legende der amerikanischen Eisenbahngeschichte.

Gerade weil die Maschine verlor, blieb der Tag im Gedächtnis.

Das Fazit

Die Antwort lautet: stimmt, aber mit einem Sternchen.

Die „Tom Thumb“ trat 1830 gegen ein Pferd an und verlor, weil ein Treibriemen absprang.

Belegt ist der Wettlauf jedoch nur durch spätere Berichte, die sich in Datum und Details unterscheiden.

Die Dampfkraft setzte sich trotzdem durch, und genau das macht das verlorene Rennen so berühmt.

Von der Dampflok bis heute

Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.

Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.

Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.

Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.

Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.

Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.

Warum die Bahn für das ganze Land zählt

Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.

Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.

Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.

Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.

Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.

So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.

Häufige Fragen

Hat die Dampflok „Tom Thumb“ das Rennen gegen das Pferd verloren?
Ja, so wird es überliefert. Die Lok lag vorn, bis ein Treibriemen absprang und das Gebläse ausfiel. Ohne genug Luft sank der Dampfdruck, und das Pferd gewann.
Wann fand das Rennen statt?
Vermutlich im Jahr 1830 nahe Baltimore. Die späteren Berichte nennen unterschiedliche Tage im August oder September, ein genaues Datum ist nicht gesichert.
Wer baute die „Tom Thumb“?
Der Erfinder und Unternehmer Peter Cooper. Er wollte die Baltimore and Ohio Railroad davon überzeugen, auf Dampf statt auf Pferde zu setzen.
War die „Tom Thumb“ die erste Dampflok der USA?
Sie gilt als die erste in den USA gebaute Dampflok auf einer öffentlichen Eisenbahn. Die aus England eingeführte „Stourbridge Lion“ war 1829 schon früher unterwegs, aber zu schwer für die Gleise.
Fuhren danach wirklich Dampfloks statt Pferde?
Ja. Schon 1831 gab die B&O die Pferde als Zugkraft auf. Das verlorene Rennen gilt trotzdem als Startschuss für die Dampfkraft in Amerika.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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