Zahlen, bitte!
„Sehr geehrte Reisende, tief unter den Alpen entsteht ein Tunnel von rund 57,5 Kilometern, der Lyon und Turin bald in weniger als zwei Stunden verbinden soll.“
Wie lang wird der Lyon-Turin-Basistunnel?
→ Ein Tunnel in Zahlen.
Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Zahlen, bitte!
Kurz gesagt
Der Lyon-Turin-Basistunnel, offiziell Mont-Cenis-Basistunnel, wird mit rund 57,5 Kilometern je Röhre gebaut. Damit zählt er nach seiner Fertigstellung zu den längsten Eisenbahntunneln der Erde und wäre sogar etwas länger als der heutige Rekordhalter am Gotthard. Bis 2033 sollen hier Reisezüge mit 220 bis 240 Kilometern pro Stunde fahren.
Zwischen Frankreich und Italien wächst tief im Berg ein neuer Rekord heran.
Noch ist der Tunnel eine Baustelle, doch seine wichtigste Zahl steht längst fest.
Sie beschreibt eine Länge, die bisher nur ein einziges Bauwerk auf der Welt erreicht.

Die wichtigsten Zahlen
≈ 57,5 km
geplante Länge
je der beiden eingleisigen Röhren
bis 2033
geplante Fertigstellung
für Personen- und Güterverkehr
220–240 km/h
Tempo der Reisezüge
Fahrzeit Lyon–Turin von 3:47 auf 1:47 Stunden
Quelle: Wikipedia-Artikel „Mont-Cenis-Basistunnel“ und „Eisenbahnprojekt Turin–Lyon“. Stand 2026.
Die große Zahl
Der Lyon-Turin-Basistunnel soll rund 57,5 Kilometer lang werden.
Damit wäre er einer der längsten Eisenbahntunnel der ganzen Welt.
Offiziell trägt das Bauwerk den Namen Mont-Cenis-Basistunnel.
Es ist das Herzstück einer neuen Schnellfahrstrecke zwischen Lyon und Turin.
Noch wird an vielen Stellen gebohrt und gegraben, denn der Tunnel ist im Bau.
Doch die Länge von 57,5 Kilometern ist schon heute in den Plänen festgeschrieben.

Warum er Basistunnel heißt
Das Wort Basistunnel beschreibt die Lage tief unten am Fuß des Gebirges.
Ein solcher Tunnel vermeidet die steilen Rampen der alten Bergstrecken.
Die Züge müssen so nicht mehr mühsam über die hohen Alpenpässe klettern.
Stattdessen fahren sie fast eben mitten durch den Berg hindurch.
Genau dieses flache Fahren macht einen Basistunnel so wertvoll.
Er spart Zeit, Kraft und Energie auf dem Weg von Nord nach Süd.
Gut zu wissen
Der Lyon-Turin-Basistunnel heißt offiziell Mont-Cenis-Basistunnel und ist das Herzstück einer rund 140 Kilometer langen neuen Schnellfahrstrecke zwischen Lyon und Turin; mit geplanten 57,5 Kilometern je Röhre soll er nach seiner Fertigstellung zu den längsten Eisenbahntunneln der Erde gehören.
Bis 2033 sollen hier Reisezüge mit 220 bis 240 Kilometern pro Stunde fahren und die Fahrzeit zwischen beiden Städten von rund 3:47 auf etwa 1:47 Stunden senken; die alte Bahnstrecke über den Pass ist bereits über 145 Jahre alt und überlastet.
Zwei Röhren, ein Gleis
Wie viele moderne Alpentunnel besteht auch dieser aus zwei getrennten Röhren.
Jede der beiden Röhren nimmt nur ein einziges Gleis auf.
Und jede dieser Röhren ist für sich rund 57,5 Kilometer lang.
Zwischen den Röhren sollen Querstollen die Reisenden im Notfall schützen.
Fährt ein Zug in die eine Richtung, nutzt er stets seine eigene Röhre.
So kommen sich die Züge der beiden Richtungen nie in die Quere.
Teil einer langen Strecke
Der Tunnel ist nur das Kernstück einer viel längeren neuen Strecke.
Die geplante Neubaustrecke zwischen Lyon und Turin ist rund 140 Kilometer lang.
Sie besteht aus einem französischen, einem italienischen und einem grenzüberschreitenden Abschnitt.
Der französische Teil reicht von Lyon bis Saint-Jean-de-Maurienne.
Der italienische Teil verläuft von Turin bis in den Ort Bruzolo.
Dazwischen liegt der grenzüberschreitende Abschnitt mit dem großen Basistunnel.
Länger als der Gotthard
Bisher ist der Gotthard-Basistunnel in der Schweiz der längste Eisenbahntunnel der Welt.
Er misst rund 57,1 Kilometer je Röhre.
Der neue Tunnel zwischen Lyon und Turin soll mit 57,5 Kilometern etwas länger werden.
Der Abstand ist klein, doch er genügt für einen neuen Rekord.
Nach der Fertigstellung läge der längste Eisenbahntunnel also in den Westalpen.
Zwei große Tunnel unter den Alpen würden sich die Spitze dann knapp teilen.
Tempo im Berg
Durch den fertigen Tunnel sollen die Reisezüge rund 220 bis 240 Kilometer pro Stunde fahren.
Das ist für einen so langen Tunnel ein hohes Tempo.
Die Güterzüge werden deutlich langsamer unterwegs sein.
Für sie sind etwa 100 bis 120 Kilometer pro Stunde vorgesehen.
Schnelle Reisezüge und schwere Güterzüge teilen sich am Ende die Röhren.
Gerade der Güterverkehr ist einer der wichtigsten Gründe für den Bau.
Von 3:47 auf 1:47 Stunden
Heute dauert die Fahrt von Lyon nach Turin ohne Halt rund drei Stunden und 47 Minuten.
Mit dem neuen Tunnel soll sie auf etwa eine Stunde und 47 Minuten sinken.
Das sind ganze zwei Stunden weniger für dieselbe Reise.
Wer morgens in Lyon startet, wäre schon am Vormittag in Turin.
Zwei große Städte in zwei Ländern rücken damit eng zusammen.
Die eingesparte Zeit ist der sichtbarste Gewinn für die Reisenden.
Die alte Strecke ist müde
Die heutige Bahnstrecke zwischen Lyon und Turin ist bereits über 145 Jahre alt.
Sie führt über einen hohen Pass und durch den alten Mont-Cenis-Tunnel von 1871.
Diese Strecke ist steil, kurvig und längst an ihrer Grenze angekommen.
Schwere Güterzüge brauchen hier oft zusätzliche Schublokomotiven.
Der neue Basistunnel soll diese Last von der alten Bergstrecke nehmen.
So entsteht Platz für mehr und für schnellere Züge.
Güter von der Straße auf die Schiene
Durch die Alpen rollen täglich riesige Mengen an Lastwagen.
Viele dieser Fahrten sollen künftig auf der Schiene stattfinden.
Der flache Tunnel macht lange und schwere Güterzüge erst wirtschaftlich.
Weniger Lastwagen bedeuten weniger Abgase und weniger Verkehr auf den Passstraßen.
Das Projekt ist deshalb auch ein Baustein der europäischen Verkehrspolitik.
Es gehört zu einem großen Korridor quer durch den Kontinent.
Ein sehr langer Weg
Die Idee für diesen Tunnel ist viel älter als die heutige Baustelle.
Schon im Jahr 1994 begannen die ersten Vorstudien für das Projekt.
Seitdem wurde geplant, gerechnet, gestritten und immer wieder neu entschieden.
Zwischendurch wurden bereits Erkundungsstollen in den Berg getrieben.
Erst nach vielen Jahren fiel der endgültige Startschuss für den Haupttunnel.
Ein solches Jahrhundertbauwerk entsteht eben nicht über Nacht.
Streit im Susatal
Nicht alle Menschen in der Region freuen sich über den Bau.
Vor allem im italienischen Susatal gibt es seit Langem Widerstand.
Dort fürchten viele Anwohner Lärm, Eingriffe in die Natur und hohe Kosten.
In den Jahren 2005 und 2011 kam es zu heftigen Auseinandersetzungen.
Damals standen sich Demonstranten und Polizei an den Baustellen gegenüber.
Der Streit um den Tunnel gehört so zur Geschichte des Projekts dazu.
Was er kosten soll
Ein so großes Bauwerk verschlingt gewaltige Summen.
Allein der grenzüberschreitende Abschnitt mit dem Basistunnel ist mit rund 8,5 Milliarden Euro veranschlagt.
Für die gesamte neue Strecke werden grob 26 Milliarden Euro geschätzt.
Einen großen Teil davon trägt die Europäische Union.
Nach älteren Angaben sollen bis zu 40 Prozent der Kosten aus EU-Mitteln kommen.
Den Rest teilen sich vor allem Frankreich und Italien.
Wann er fertig wird
Bis zum Jahr 2033 sollen die Strecke und der Tunnel bereitstehen.
Dann sollen hier sowohl Reisezüge als auch Güterzüge verkehren.
Bei einem Bau dieser Größe können sich Termine allerdings verschieben.
Schon in der Vergangenheit wurde der Zeitplan mehrfach angepasst.
Sicher ist vor allem die Richtung, denn der Tunnel wird kommen.
Die Bohrmaschinen arbeiten sich Meter für Meter auf dieses Ziel zu.
Was die Zahl bedeutet
Rund 57,5 Kilometer sind mehr als nur eine neue Bestmarke.
Sie stehen für den alten Wunsch, die Alpen nicht zu bezwingen, sondern zu unterfahren.
Zwei Länder graben hier gemeinsam an einem einzigen großen Ziel.
Am Ende soll aus einer steilen Bergstrecke eine flache, schnelle Achse werden.
Die Zahl erzählt damit von Technik, Geduld und einem sehr langen Atem.
Rollt erst der erste Zug hindurch, wird aus dem Rekord gelebter Alltag.
Die Bahn als Teil des Alltags
Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.
Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.
Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.
Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.
So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.
Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.
Warum die Bahn für das ganze Land zählt
Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.
Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.
Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.
Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.
Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.
So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.
