Stimmt es, dass Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke über 100 Meter hoch ist?
Zwischen zwei bergischen Städten spannt sich ein Stahlbogen über ein tiefes Flusstal – und trägt seit weit über hundert Jahren die Züge.
Wer mit der Bahn zwischen Solingen und Remscheid fährt, überquert ein Bauwerk der Superlative.
Die Müngstener Brücke führt die Gleise hoch über das Tal der Wupper.
Rund 107 Meter liegen zwischen den Schienen und dem Fluss darunter.
Damit ist sie bis heute die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands.
Und sie ist bereits über 125 Jahre alt.

Ja. Die Müngstener Brücke zwischen Solingen und Remscheid führt die Gleise rund 107 Meter über das Tal der Wupper. Sie ist seit 1897 die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands.
- Bauwerk: Müngstener Brücke
- Lage: Solingen – Remscheid, über die Wupper
- Höhe: rund 107 Meter
- Eröffnet: 1897
- Bauart: stählerne Bogenbrücke
Ein Bogen aus Stahl
Das Herzstück der Brücke ist ein mächtiger Stahlbogen.
Er überspannt das Tal in einem einzigen, eleganten Schwung.
Auf diesem Bogen und auf schlanken Pfeilern ruht die Fahrbahn mit den Gleisen.
Die filigrane Stahlkonstruktion wirkt aus der Ferne fast wie Spitzenwerk.
Aus der Nähe erkennt man erst, wie gewaltig die einzelnen Träger wirklich sind.
Warum so hoch gebaut wurde
Das Wuppertal ist an dieser Stelle tief in die bergische Landschaft eingeschnitten.
Eine Bahnstrecke musste dieses Tal überwinden, ohne in großen Schleifen hinab und wieder hinauf zu fahren.
Die Lösung war, hoch oben geradewegs hinüberzuführen.
So verband die Brücke zwei Städte, die über das Tal hinweg nah beieinander liegen.
Ohne sie wäre der Weg mit der Bahn deutlich länger gewesen.
Ein Meisterstück des 19. Jahrhunderts
Eröffnet wurde die Brücke 1897.
Sie entstand in einer Zeit, in der Stahl und Ingenieurskunst Triumphe feierten.
Tausende Tonnen Material wurden vernietet, Stück für Stück.
Dass das Bauwerk bis heute Züge trägt, zeigt die Qualität dieser Arbeit.
Es gilt als eines der bedeutendsten Industriedenkmäler der Region.
Benannt nach einem Kaiser, heute nach dem Ort
Ursprünglich trug die Brücke den Namen Kaiser-Wilhelm-Brücke.
Im Lauf der Zeit setzte sich der Name nach dem Ortsteil Müngsten durch.
Heute kennt sie fast jeder in der Region einfach als Müngstener Brücke.
Der alte Name steht vor allem noch in Geschichtsbüchern.

Der Brückenpark darunter
Unten im Tal, direkt unter dem Stahlbogen, liegt heute ein Brückenpark.
Von dort kann man die Brücke aus der Froschperspektive bestaunen.
Eine Schwebefähre bringt Besucher über die Wupper.
Wanderwege und Ausflugsziele machen das Tal zum Ausflugsort.
Die Brücke ist damit nicht nur Verkehrsweg, sondern auch Sehenswürdigkeit.
Technik, die mitaltert
Eine so alte Stahlbrücke braucht ständige Pflege.
Regelmäßig wird sie geprüft, gewartet und vor Rost geschützt.
Große Sanierungen haben ihre Tragfähigkeit über die Jahre gesichert.
So kann sie weiter dem modernen Bahnverkehr standhalten.
Kandidat für das Welterbe
Die Müngstener Brücke steht auf der Vorschlagsliste für das UNESCO-Welterbe.
Gemeinsam mit anderen großen Bogenbrücken Europas soll sie gewürdigt werden.
Ob es klappt, ist offen, aber allein die Nominierung zeigt ihren Rang.
Sie gehört zu den Ikonen des europäischen Brückenbaus.
Hoch über dem Alltag
Für die Fahrgäste ist die Überquerung oft ein kurzer, besonderer Moment.
Einen Augenblick lang schweift der Blick weit über das grüne Tal.
Dann ist die Brücke schon wieder vorbei.
Zahlen, die staunen lassen
Die Brücke ist einschließlich der Zufahrten mehrere hundert Meter lang.
In ihr stecken tausende Tonnen Stahl.
Beim Bau wurden die einzelnen Teile mit unzähligen Nieten verbunden.
Jede dieser Nieten wurde glühend eingesetzt und von Hand geschlagen.
Für die damalige Zeit war das eine enorme Ingenieurleistung.
Bauen über dem Abgrund
Die Monteure arbeiteten in schwindelerregender Höhe über dem Tal.
Gerüste und Hilfskonstruktionen wuchsen von beiden Seiten aufeinander zu.
Der Stahlbogen wurde von den Hängen aus Stück für Stück in die Luft gebaut.
Als sich die beiden Hälften in der Mitte trafen, war der schwierigste Moment geschafft.
Dass dabei nach heutigem Maßstab so wenig schiefging, verblüfft noch immer.
Ein Wahrzeichen zweier Städte
Für Solingen und Remscheid ist die Brücke ein gemeinsames Wahrzeichen.
Sie ziert Postkarten, Wanderkarten und Bildbände.
Viele Menschen der Region sind stolz auf ihr Stahlbauwerk.
Es verbindet die beiden Städte buchstäblich über das Tal hinweg.
Ohne die Brücke wäre die bergische Landschaft eine andere.
Die Schwebefähre im Tal
Unten quert eine besondere Schwebefähre die Wupper.
Besucher stellen sich auf eine Plattform, die über das Wasser gleitet.
Es ist eine der wenigen Anlagen dieser Art in Deutschland.
Von hier hat man einen eindrucksvollen Blick nach oben zur Brücke.
Zusammen machen Fähre und Bogen das Tal zum Erlebnis.
Immer wieder gepflegt
Eine so alte Stahlbrücke muss regelmäßig überwacht werden.
Fachleute prüfen die Konstruktion auf Risse und Rost.
Große Sanierungen haben ihre Tragfähigkeit über die Jahrzehnte gesichert.
Alte Bauteile werden geprüft und wo nötig verstärkt.
Denkmalschutz und moderner Bahnverkehr gehen hier Hand in Hand.
Ein Anblick, der bleibt
Wer einmal unter dem Bogen stand, vergisst den Anblick nicht.
Von oben wiederum öffnet sich für Sekunden ein weiter Blick über das grüne Tal.
Fotografen lieben die Brücke zu jeder Jahreszeit.
Im Nebel wirkt sie geheimnisvoll, bei Sonne fast zierlich.
So ist sie längst mehr als nur ein Übergang.
Ein Rekord aus Stahl
Am Ende bleibt eine klare Antwort auf die Eingangsfrage.
Ja, Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke ragt über hundert Meter über das Tal.
Rund 107 Meter trennen die Schienen vom Wasser der Wupper.
Seit 1897 hält dieser Stahlbogen den Rekord.
Kein anderes Bahn-Bauwerk im Land reicht höher.
Dabei wirkt die Brücke aus der Ferne fast leicht.
Erst unter ihr spürt man die wahre Dimension.
Technik, Geschichte und Landschaft treffen hier auf engem Raum zusammen.
Merke: Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke überspannt bei Müngsten die Wupper in rund 107 Metern Höhe – ein Stahlbogen aus dem Jahr 1897, der bis heute Züge trägt.
