Standpunkt
„Bitte beachten Sie: Der sichere Bereich befindet sich im Rettungsstollen neben dem Gleis.“
Sollten Eisenbahntunnel verpflichtend einen zweiten Rettungsstollen bekommen?
→ Ein Standpunkt zur Sicherheit in Eisenbahntunneln.
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Worum es geht
Ja, mit Augenmaß. Bei langen Tunneln rettet ein zweiter, sicherer Fluchtweg im Ernstfall Leben, doch bei kurzen Röhren muss der Aufwand zum Risiko passen.
Ein Feuer im Tunnel ist der Albtraum jeder Bahnreise, denn der Rauch hat kaum einen Weg nach draußen.
Wer dann fliehen muss, braucht einen befestigten Weg zu einem sicheren Bereich.
Deshalb stellt sich die Frage, ob jeder größere Eisenbahntunnel neben der Fahrröhre eine zweite, geschützte Fluchtmöglichkeit haben sollte.

Was ein Rettungsstollen leistet
Das Eisenbahn-Bundesamt versteht unter Fluchtwegen befestigte Gehflächen im Tunnel, die zu einem sicheren Bereich führen.
Als sichere Bereiche gelten dabei Tunnelportale, Rettungsstollen, Rettungsschächte und Verbindungsbauwerke.
Ein Rettungsstollen ist also ein eigener Gang neben oder unter der Fahrröhre, in den sich Reisende vor Rauch und Hitze retten können.
Von dort führen Rettungskräfte die Menschen ins Freie, während die Gefahr in der Fahrröhre bleibt.

Das Vorbild aus den Alpen
Der Gotthard-Basistunnel in der Schweiz ist mit 57 Kilometern der längste Eisenbahntunnel der Welt.
Er besteht aus zwei parallel verlaufenden Röhren, die einander im Notfall als Fluchtweg dienen.
Alle rund 325 Meter verbindet ein Querschlag die beiden Röhren, insgesamt sind es 176 solcher Verbindungsstollen.
Wer in einer Röhre in Not gerät, erreicht so nach kurzer Strecke die sichere Nachbarröhre.
Warum zwei Wege sicherer sind als einer
In einer einzelnen Röhre bleibt bei einem Brand oft nur die Flucht entlang des Gleises durch den Rauch.
Ein zweiter, abgetrennter Stollen bleibt dagegen rauchfrei und lässt sich eigens belüften.
Das verschafft den Reisenden Zeit, und Zeit ist bei einem Tunnelbrand das Wichtigste.
Auch die Feuerwehr kann über den geschützten Weg schneller und sicherer vordringen.
Was das kostet
Ein paralleler Stollen bedeutet, den Berg ein zweites Mal zu durchbohren.
Das treibt die Kosten großer Tunnelprojekte oft in die Höhe von mehreren Milliarden Euro.
Bei einem kurzen Tunnel von wenigen Hundert Metern steht dieser Aufwand in keinem Verhältnis zum Gewinn an Sicherheit.
Hier reichen häufig ein sicherer Randweg und Notausgänge an beiden Enden.
Was die Regeln heute verlangen
Für neue und lange Tunnel gelten in Europa strenge, abgestufte Sicherheitsvorschriften.
Je länger die Röhre, desto höher sind die Anforderungen an Fluchtwege und Rettungskonzepte.
Viele ältere Tunnel wurden nach anderen Maßstäben gebaut und lassen sich nur mit großem Aufwand nachrüsten.
Die Frage ist deshalb nicht nur, was man baut, sondern auch, was man im Bestand nachträgt.
Nachrüsten im Bestand
Deutschland hat Hunderte Eisenbahntunnel, viele davon aus dem 19. Jahrhundert.
Ein zweiter Stollen lässt sich dort selten nachträglich bohren, ohne den Betrieb lange zu sperren.
Oft sind andere Maßnahmen wirksamer, etwa Notbeleuchtung, Handläufe, Löschwasserleitungen und klare Fluchtwegkennzeichnung.
Ein starres Ja zu jedem zweiten Stollen würde knappe Mittel binden, die anderswo mehr Sicherheit brächten.
Ein Konzept statt einer Zahl
Sinnvoll ist eine Regel, die sich an Länge, Lage und Verkehr des Tunnels orientiert.
Lange Tunnel unter Bergen oder Städten verdienen den höchsten Schutz mit eigenem Fluchtweg.
Kurze Tunnel auf freier Strecke kommen mit einfacheren Lösungen aus.
Wichtig ist, dass in jedem Fall ein sicherer Bereich in erreichbarer Nähe liegt.
Sicherheit, die man vorher plant
Der beste Zeitpunkt für einen Rettungsstollen ist der Bau des Tunnels selbst.
Wer ihn von Anfang an mitplant, spart gegenüber einer späteren Nachrüstung ein Vielfaches.
Bei jedem neuen langen Tunnel sollte der zweite Fluchtweg daher zum festen Bestandteil gehören.
So wird aus einer teuren Ausnahme ein selbstverständlicher Standard.
Was die Fahrgäste davon haben
Am Ende zählt für den Fahrgast vor allem eines: sicher und pünktlich anzukommen.
Jede kleine Verbesserung im Betrieb macht seine Reise ein wenig angenehmer.
Ein sauberer Zug und eine klare Anzeige nehmen ihm Sorge und Hektik.
Ein freundlicher Halt bleibt oft länger in Erinnerung als die Fahrt selbst.
So entsteht aus vielen Einzelheiten am Ende ein rundes Reiseerlebnis.
Und wer sich gut aufgehoben fühlt, steigt beim nächsten Mal gern wieder ein.
Warum Verlässlichkeit so wichtig ist
Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.
Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.
Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.
Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.
Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.
Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
Pro und Contra
Dafür
+ Ein rauchfreier Fluchtweg rettet bei einem Tunnelbrand Menschenleben.
+ Rettungskräfte erreichen die Unglücksstelle schneller und sicherer.
+ Der Gotthard-Basistunnel zeigt mit seinen 176 Querschlägen, wie gut das Prinzip funktioniert.
+ In langen Tunneln gibt es zur zweiten Röhre kaum eine gleichwertige Alternative.
+ Wer den Stollen gleich mitbaut, spart gegenüber einer späteren Nachrüstung.
+ Ein sichtbar hoher Schutz stärkt das Vertrauen in die Bahn.
Dagegen
− Ein zweiter Stollen kann die Kosten eines Tunnels um Milliarden erhöhen.
− Bei kurzen Tunneln steht der Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen.
− Viele alte Tunnel lassen sich nur mit langen Sperrungen nachrüsten.
− Das gebundene Geld fehlt für andere, oft wirksamere Sicherheitsmaßnahmen.
− Notausgänge, Belüftung und gute Kennzeichnung können in vielen Fällen genügen.
− Eine starre Pflicht für jeden Tunnel ginge an der Wirklichkeit vorbei.
Unterm Strich
Sicherheit im Tunnel ist keine Frage des Wollens, sondern des richtigen Maßes.
Bei langen Tunneln gehört ein zweiter, geschützter Fluchtweg zum Pflichtprogramm.
Bei kurzen Röhren dürfen einfachere Lösungen den gleichen Schutz bieten.
Wer klug plant, baut die Rettung von Anfang an mit ein.
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