Sollte die Generalsanierung ganzer Korridore das Vorbild für das gesamte Netz werden?

Standpunkt

„Diese Strecke bleibt für Monate gesperrt: Danach soll hier alles neu sein, von der Schiene bis zum Bahnsteig.“

Sollte die Generalsanierung ganzer Korridore das Vorbild für das gesamte Netz werden?

→ Ein Standpunkt zur Generalsanierung ganzer Schienenkorridore als Leitprinzip.

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Worum es geht

Ja, mit Vorbehalt. Ganze Korridore in einem Zug zu erneuern ist effizienter als jahrelanges Flickwerk, verlangt aber verlässliche Umleitungen und einen guten Ersatzverkehr.

Jahrzehntelang hat die Bahn ihre Strecken unter laufendem Betrieb saniert, Nacht für Nacht und Wochenende für Wochenende.

Dieses Prinzip gilt heute als teuer, langsam und störanfällig.

Die Generalsanierung dreht den Spieß um und sperrt eine Strecke lieber einmal ganz, um alles auf einen Schlag zu erneuern.

Westl Einführung Riedbahn MA Handelshafen 02
Foto: Hubert Berberich, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Was die Generalsanierung ist

Die Generalsanierung Hochleistungsnetz, inzwischen auch Korridorsanierung genannt, ist ein Vorhaben der Bundesregierung und der DB InfraGO.

Sie will die wichtigsten und verkehrsreichsten Verbindungen des Landes umfassend erneuern.

Zwischen 2024 und 2035 sollen über 4000 Streckenkilometer während mehrmonatiger Vollsperrungen grundlegend instand gesetzt werden.

Ziel ist ein Hochleistungsnetz, das verlässlicher läuft als das heutige, vielfach überalterte Netz.

Westl Einführung Riedbahn MA Handelshafen 01
Foto: Hubert Berberich, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Abkehr vom Flickwerk

Der Kern der Idee ist die Abkehr vom bisherigen Prinzip vieler kleiner Baustellen über viele Jahre.

Dieses ständige Bauen unter rollendem Verkehr gilt als ineffizient, weil jede Nachtsperrung nur wenig Zeit zum Arbeiten lässt.

Bei einer Vollsperrung können dagegen viele Arbeiten gleichzeitig und ohne Rücksicht auf den fahrenden Zug erledigt werden.

So soll in Monaten gelingen, was sonst über Jahre verteilt die Reisenden immer wieder gestört hätte.

Die Riedbahn als Pilot

Als erster Korridor wurde die Riedbahn zwischen Mannheim und Frankfurt am Main ausgewählt.

Im September 2022 kündigte die Bahn an, diese Strecke als erste generalzusanieren.

Ab Juli 2024 wurde die Riedbahn vollgesperrt, um innerhalb weniger Monate alle Anlagen und Bahnhöfe zu erneuern.

Das Projekt wurde ausdrücklich als Pilot und als Blaupause für weitere Korridore bezeichnet.

Erst die Umleitung, dann die Sperrung

Damit eine solche Vollsperrung gelingt, müssen die Fahrten über andere Strecken ausweichen können.

Die Umleitungsstrecken für den Personen- und Güterverkehr wurden deshalb schon vorab technisch vorbereitet und ausgerüstet.

Ohne diese Vorbereitung würde eine Komplettsperrung den Verkehr in der Region einfach abwürgen.

Die Qualität des Ersatz- und Umleitungsverkehrs entscheidet damit über Erfolg oder Frust der Fahrgäste.

Was auf einmal erneuert wird

Bei einer Generalsanierung werden nicht nur die Gleise getauscht, sondern das gesamte Bündel an Anlagen.

Dazu gehören Schienen und Schwellen, Weichen, die Signaltechnik, Oberleitungen und die Bahnhöfe entlang der Strecke.

Weil alles zusammen angefasst wird, passt danach wieder zusammen, was über Jahrzehnte einzeln gealtert war.

Das reduziert im Idealfall die Zahl der kleinen Störungen, die eine Strecke sonst dauernd ausbremsen.

Der Preis der Komplettsperrung

Eine monatelange Vollsperrung trifft alle, die auf die Strecke angewiesen sind, hart und gleichzeitig.

Pendler, Fernreisende und vor allem der Güterverkehr müssen für diese Zeit zuverlässige Alternativen bekommen.

Reichen die Umleitungen nicht aus, verlagert sich Verkehr auf die Straße, was dem eigentlichen Ziel widerspricht.

Der kurzfristige Schmerz der Sperrung ist also nur zu rechtfertigen, wenn der langfristige Gewinn wirklich eintritt.

Die Gefahr der Gleichzeitigkeit

Mit über 4000 Kilometern in gut einem Jahrzehnt laufen viele Großbaustellen zeitlich dicht beieinander.

Werden zu viele Korridore parallel gesperrt, drohen sich die Umleitungen gegenseitig zu verstopfen.

Es braucht deshalb eine kluge Reihenfolge, damit nie zwei wichtige Ausweichwege gleichzeitig wegfallen.

Die Planung des Gesamtfahrplans über alle Baustellen hinweg ist mindestens so schwierig wie das Bauen selbst.

Blaupause mit Bedingungen

Ob die Generalsanierung zum Vorbild für das ganze Netz taugt, hängt am Gelingen der ersten Korridore.

Läuft der Verkehr auf den Umleitungen stabil und ist die Strecke danach spürbar verlässlicher, spricht vieles für das Prinzip.

Gelingt das nicht, wird aus der mutigen Idee schnell ein Dauerärgernis für ganze Regionen.

Die Methode verdient Zustimmung, aber gebunden an verlässliche Umleitungen, guten Ersatzverkehr und eine durchdachte Reihenfolge.

Der Zug als umweltfreundliche Wahl

Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.

Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.

Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.

Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.

Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.

So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.

Ein Blick in die Zukunft

Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.

Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.

Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.

Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.

Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.

So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.

Warum Verlässlichkeit so wichtig ist

Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.

Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.

Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.

Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.

Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.

Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.

Pro und Contra

Dafür

+  Alles auf einmal zu erneuern ist effizienter als jahrelanges Bauen unter rollendem Verkehr.

+  Nach der Sanierung passen die Anlagen wieder zusammen und stören seltener.

+  Die Reisenden werden einmal hart, dafür aber nicht über Jahre immer wieder getroffen.

+  Die Riedbahn liefert eine echte Blaupause, an der sich weitere Korridore messen lassen.

+  Vorbereitete Umleitungsstrecken halten den Verkehr während der Sperrung am Laufen.

+  Ein verlässliches Hochleistungsnetz nützt Pendlern, Fernreisenden und dem Güterverkehr zugleich.

Dagegen

−  Eine monatelange Vollsperrung trifft eine ganze Region auf einen Schlag.

−  Reichen die Umleitungen nicht, wandert Verkehr auf die Straße.

−  Zu viele parallele Baustellen können sich die Ausweichwege gegenseitig verstopfen.

−  Der Güterverkehr ist auf durchgehende Korridore besonders empfindlich angewiesen.

−  Der Erfolg steht und fällt mit einem guten, pünktlichen Ersatzverkehr.

−  Verzögert sich ein Korridor, gerät der enge Gesamtfahrplan der Baustellen ins Wanken.

Unterm Strich

Die Generalsanierung ganzer Korridore ist der mutige und im Kern richtige Bruch mit dem ewigen Flickwerk.

Sie kann das Netz schneller verlässlich machen als tausend kleine Nachtbaustellen.

Ihr Erfolg hängt aber an verlässlichen Umleitungen, gutem Ersatzverkehr und einer klugen Reihenfolge der Sperrungen.

Als Vorbild fürs ganze Netz verdient sie darum ein Ja mit klaren Bedingungen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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