Standpunkt
„Meine Damen und Herren, Ihr Flug nach Köln entfällt – der Zug nebenan ist ohnehin schneller.“
Sollte Deutschland Kurzstreckenflüge verbieten, wenn die Bahn eine schnelle Alternative bietet?
→ Ein Standpunkt zu Kurzstreckenflügen und der Schiene.
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Worum es geht
Ja, aber mit Maß. Wo ein schneller ICE die Innenstädte in rund zwei Stunden verbindet, ist der Kurzstreckenflug verzichtbar – vorausgesetzt, die Bahn hält Plätze und Pünktlichkeit bereit und Inseln sowie echte Zubringerflüge bleiben ausgenommen.
Ein innerdeutscher Flug von Frankfurt nach Köln dauert in der Luft kaum vierzig Minuten, doch zwischen Check-in, Sicherheitskontrolle und Gepäckband vergeht leicht ein halber Tag.
Der ICE schafft dieselbe Strecke in gut einer Stunde, mitten aus der Stadt in die Stadt, ohne Umweg über den Flughafenrand.
Deshalb steht seit Jahren die Frage im Raum, ob kurze Inlandsflüge überhaupt noch nötig sind, wenn ein schneller Zug danebensteht.
Frankreich hat 2023 ernst gemacht und einzelne Inlandsflüge gestrichen, auf denen der Zug das Ziel in etwa zweieinhalb Stunden erreicht.
Für Deutschland ist das eine verlockende und zugleich heikle Idee, denn die Schiene müsste halten, was das Verbot verspricht.

Worum es genau geht
Ein Verbot von Kurzstreckenflügen würde Fluglinien untersagen, bestimmte Inlandsstrecken anzubieten, sobald es dafür eine ausreichend schnelle Bahnverbindung gibt.
Die Grenze zieht man dabei meist über die Reisezeit im Zug und nicht über die Luftlinie, weil es auf die Tür-zu-Tür-Zeit ankommt.
In Frankreich liegt diese Schwelle bei rund zweieinhalb Stunden Bahnfahrt zwischen den Innenstädten.
Übertragen auf Deutschland träfe das vor allem Verbindungen wie Köln–Frankfurt, Hamburg–Hannover oder Stuttgart–Frankfurt, die der ICE in ein bis zwei Stunden bedient.
Nicht betroffen wären Flüge, bei denen die Bahn deutlich länger braucht oder gar keine durchgehende Strecke anbietet.

Wie schnell die Bahn wirklich ist
Auf den schnellen Achsen ist der Zug dem Flugzeug von Zentrum zu Zentrum oft ebenbürtig oder sogar überlegen.
Die Fahrt Köln–Frankfurt über die Schnellfahrstrecke dauert im ICE gut eine Stunde, während der Flug mit An- und Abreise selten unter drei Stunden bleibt.
Der Frankfurter Flughafen besitzt einen eigenen Fernbahnhof, von dem ICE-Züge in viele Richtungen abfahren.
Lufthansa, Deutsche Bahn und der Flughafenbetreiber Fraport bieten unter dem Namen Express Rail seit Jahren Zugfahrten als Ersatz für Zubringerflüge an.
Anfang 2023 waren nach Angaben der Beteiligten nahezu alle innerdeutschen Lufthansa-Ziele in dieses System eingebunden.
Das Klimaargument
Ein Flugzeug verbrennt gerade beim Start besonders viel Kerosin, sodass kurze Flüge je Kilometer schlechter abschneiden als lange.
Ein ICE fährt elektrisch und verursacht je Reisendem nur einen Bruchteil der Treibhausgase eines Fluges.
Innerdeutsche Flüge machen allerdings nur einen kleinen Teil des gesamten Flugverkehrs und einen noch kleineren Teil aller Verkehrsemissionen aus.
Ein Verbot wäre deshalb vor allem ein Signal und ein Baustein, kein großer Hebel für das Klima insgesamt.
Befürworter halten dagegen, dass gerade sichtbare Signale das Verhalten ändern und andere Strecken nachziehen könnten.
Warum trotzdem geflogen wird
Viele Kurzstreckenflüge sind keine eigenständigen Reisen, sondern Zubringer zu interkontinentalen Flügen an einem Drehkreuz wie Frankfurt oder München.
Wer aus einer kleineren Stadt kommt und weiter nach Übersee will, steigt oft lieber einmal ins Flugzeug als in Zug und dann in den Flieger.
Für Fluglinien sind diese Zubringer ein wichtiger Teil ihres Netzes, weil sie die großen Maschinen füllen.
Fällt der Zubringerflug weg, muss der Umstieg vom Zug ins Flugzeug reibungslos klappen, samt durchgehender Buchung und Gepäck.
Genau hier setzt das Kooperationsmodell an, das den Flug durch eine garantierte Zugverbindung ersetzt.
Was ein Verbot voraussetzt
Ein Flugverbot wirkt nur, wenn die Bahn die zusätzlichen Fahrgäste auch zuverlässig und pünktlich befördert.
Auf überlasteten Strecken mit vielen Verspätungen würde ein Verbot Reisende verärgern, statt sie zu gewinnen.
Die Schiene müsste genug Sitzplätze, dichte Takte und verlässliche Anschlüsse ans Drehkreuz bieten.
Auch früh am Morgen und spät am Abend müssten Züge fahren, damit Geschäftsreisende ihre Termine erreichen.
Ohne diesen Ausbau verlagert ein Verbot die Reisenden nicht auf die Schiene, sondern ins Auto oder auf Umwege über ausländische Flughäfen.
Der Blick nach Frankreich
Frankreich verbot 2023 einige Inlandsflüge, für die es eine Bahnverbindung von unter zweieinhalb Stunden gibt.
Betroffen waren vor allem Strecken von Paris in Städte wie Lyon, Bordeaux und Nantes.
Weil die Schwelle hoch angesetzt wurde, blieb die Zahl der tatsächlich gestrichenen Verbindungen klein.
Kritiker nannten die Maßnahme deshalb eher symbolisch, Befürworter einen ersten Schritt mit Vorbildwirkung.
Für Deutschland zeigt das Beispiel vor allem, dass die genaue Grenze über die Wirkung entscheidet.
Die Rolle des Preises
Oft fliegen Menschen nicht aus Zeitgründen, sondern weil der Flug billiger ist als die Bahnfahrt.
Auf Kerosin im internationalen Verkehr fällt bislang keine Energiesteuer an, während der Bahnstrom besteuert wird.
Ein Verbot würde diesen Preisunterschied gar nicht berühren, sondern nur die Flüge streichen.
Manche schlagen deshalb vor, lieber über Steuern und Abgaben zu steuern als über ein starres Verbot.
Andere entgegnen, dass ein klares Verbot schneller und verständlicher wirkt als ein Geflecht aus Abgaben.
Mögliche Ausnahmen
Sinnvoll wäre, nur solche Flüge zu verbieten, für die der Zug eine echte und schnelle Alternative ist.
Flüge zu Inseln wie Sylt oder in schlecht angebundene Regionen müssten ausgenommen bleiben.
Auch internationale Zubringer könnte man schonen, solange ein garantierter Zuganschluss den Flug ersetzt.
So träfe das Verbot gezielt die Strecken, auf denen das Flugzeug gegenüber dem ICE keinen echten Vorteil mehr hat.
Eine pauschale Regel ohne Ausnahmen wäre dagegen schwer durchzuhalten und rechtlich angreifbar.
Zwischen Technik und Menschen
Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.
Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.
Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.
Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.
Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.
Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.
Kleine Dinge, große Wirkung
Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.
Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.
Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.
In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.
Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.
So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.
Warum Verlässlichkeit so wichtig ist
Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.
Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.
Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.
Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.
Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.
Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.
Pro und Contra
Dafür
+ Auf den schnellen Achsen ist der ICE von Innenstadt zu Innenstadt oft genauso schnell wie das Flugzeug, nur ohne Sicherheitsschlange.
+ Kurze Flüge sind besonders klimaschädlich, weil der Start den meisten Treibstoff frisst.
+ Ein klares Verbot ist einfacher zu verstehen als ein Dickicht aus Steuern und Abgaben.
+ Mit garantierten Zuganschlüssen ans Drehkreuz lässt sich der Zubringerflug sauber ersetzen.
+ Frei werdende Start- und Landezeiten könnten für wichtigere Langstreckenflüge genutzt werden.
+ Das Signal könnte Reisende und Unternehmen dauerhaft an die Schiene gewöhnen.
Dagegen
− Innerdeutsche Flüge verursachen nur einen kleinen Teil der Verkehrsemissionen, der große Hebel liegt woanders.
− Viele Kurzflüge sind Zubringer zu Fernflügen und lassen sich nicht einfach streichen.
− Ein Verbot wirkt nur, wenn die Bahn pünktlich und mit genug Plätzen bereitsteht, was heute nicht überall gilt.
− Reisende könnten auf das Auto oder auf Umsteigeflüge im Ausland ausweichen, was nichts gewinnt.
− Der Preisunterschied zwischen Flug und Zug bliebe bestehen, ein Verbot löst das Grundproblem nicht.
− Starre Verbote sind rechtlich heikel und treffen womöglich auch Strecken ohne gute Bahnalternative.
Unterm Strich
Wo der ICE die Innenstädte in rund zwei Stunden verbindet, braucht kaum jemand mehr das Flugzeug.
Ein Verbot sollte deshalb genau diese Strecken treffen und Inseln sowie echte Zubringer ausnehmen.
Es wirkt aber nur, wenn die Schiene vorher zuverlässig und mit genug Plätzen bereitsteht.
Als Signal ist es richtig, als alleinige Klimamaßnahme wäre es zu wenig.
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