Sollte zwischen Gelnhausen und Fulda eine neue Schnellfahrstrecke gebaut werden?

Standpunkt

„Sehr geehrte Reisende, im Kinzigtal teilen sich Fernzug, Nahverkehr und Güterzug dieselben engen Gleise.“

Sollte zwischen Gelnhausen und Fulda eine neue Schnellfahrstrecke gebaut werden?

→ Ein Standpunkt zum umstrittensten Abschnitt einer der wichtigsten Nord-Süd-Achsen Deutschlands.

Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Standpunkt

Worum es geht

Ja, aber mit Rücksicht auf die Region. Zwischen Hanau und Fulda fahren Fernzüge, Nahverkehr und viele Güterzüge auf einer überlasteten Altstrecke durchs enge Kinzigtal, und ohne mehr Gleise bleibt der Deutschlandtakt in diesem Korridor eine Idee. Eine Neubaustrecke schafft hier die nötige Kapazität; damit sie Akzeptanz findet, muss die Trasse die betroffenen Täler jedoch so wenig wie möglich belasten.

Zwischen Hanau und Fulda zwängt sich die Bahn durch das enge Kinzigtal.

Auf wenigen Gleisen mischen sich schnelle Fernzüge, Nahverkehr und schwere Güterzüge.

Diese Strecke gilt als einer der großen Engpässe im deutschen Netz.

Für den geplanten Deutschlandtakt reicht ihre Kapazität nicht aus.

Deshalb ist zwischen Gelnhausen und Fulda eine Neubaustrecke vorgesehen.

Genau dieser Abschnitt ist der umstrittenste des ganzen Vorhabens.

Bahnhof im Kinzigtal zwischen Hanau und Fulda
Foto: Cherubino, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Der Engpass im Kinzigtal

Die Strecke zwischen Hanau und Fulda ist Teil einer der wichtigsten Nord-Süd-Achsen Deutschlands.

Sie verbindet das Rhein-Main-Gebiet mit Thüringen, Bayern und weiter nach Norddeutschland.

Durch das enge Kinzigtal teilen sich sehr unterschiedliche Züge dieselben Gleise.

Schnelle und langsame Verkehre behindern sich dabei gegenseitig.

Die Folge sind eine hohe Auslastung und wenig Spielraum bei Störungen.

Fernverkehrsstrecke mit ICE
Foto: Surveyor54, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Was geplant ist

Das Gesamtvorhaben heißt Aus- und Neubaustrecke Hanau–Würzburg/Fulda–Erfurt.

Es bündelt mehrere Aus- und Neubauprojekte zur Beschleunigung und Engpassbeseitigung.

Im Bundesverkehrswegeplan 2030 ist der Korridor im vordringlichen Bedarf eingestuft.

Die Deutsche Bahn teilt das Vorhaben in mehrere unabhängige Projekte auf.

Dazu zählen die Abschnitte Hanau–Gelnhausen, Gelnhausen–Fulda und Fulda–Gerstungen.

Der umstrittene Abschnitt

Der bekannteste und zugleich umstrittenste Teil ist die Neubaustrecke zwischen Gelnhausen und Fulda.

Bei der Trassenfindung wurde zwischen kinzigtalnahen und den Spessart querenden Varianten unterschieden.

Zu den spessartquerenden Lagen gehörte die inzwischen aufgegebene Mottgers-Spange.

Jede mögliche Trasse betrifft andere Orte und Landschaften.

Entsprechend groß ist das Interesse der betroffenen Gemeinden.

Warum mehr Gleise nötig sind

Der angestrebte Deutschlandtakt verlangt dichtere und verlässlichere Fahrpläne.

Dafür müssen sich schnelle und langsame Züge entflechten lassen.

Eine Neubaustrecke kann den Fernverkehr aufnehmen und die Altstrecke entlasten.

Auf getrennten Wegen behindern sich die Verkehre weniger.

So lassen sich Fahrzeiten verkürzen und Verspätungen eindämmen.

Die Sorgen der Anwohner

Eine Neubaustrecke bedeutet neue Trassen durch bislang unberührte Täler.

Anwohner fürchten Lärm, Flächenverbrauch und Eingriffe in die Natur.

Tunnel und Lärmschutz mindern die Belastung, treiben aber die Kosten.

Die Wahl der Trasse entscheidet darüber, wer betroffen ist.

Ohne breite Beteiligung droht langer Streit.

Kosten und Bauzeit

Neubaustrecken mit vielen Tunneln und Brücken sind sehr teuer.

Von der Planung bis zur Eröffnung vergehen in der Regel viele Jahre.

Große Projekte überschreiten erfahrungsgemäß oft ihre ersten Schätzungen.

Dem steht ein Nutzen gegenüber, der Jahrzehnte anhält.

Die Finanzierung muss über diese lange Zeit gesichert sein.

Ein Baustein im nationalen Netz

Der Korridor Hanau–Fulda ist für den Fern- und Güterverkehr von bundesweiter Bedeutung.

Ein Engpass hier wirkt sich auf viele Verbindungen im ganzen Land aus.

Die Neubaustrecke ist Teil eines größeren Ausbaus Richtung Erfurt und Würzburg.

Ihr Nutzen entfaltet sich im Zusammenspiel mit den Nachbarabschnitten.

Als Einzelstück betrachtet wäre sie nur halb verstanden.

Warum sich der Blick aufs Detail lohnt

Der Bahnbetrieb steckt voller kleiner Dinge, die kaum jemand bewusst wahrnimmt.

Und doch hängt der reibungslose Ablauf oft genau an diesen Kleinigkeiten.

Ein einziges Bauteil kann darüber entscheiden, ob ein Zug rollt oder steht.

Wer genauer hinschaut, entdeckt hinter dem Alltag eine erstaunlich feine Technik.

Dieses Zusammenspiel unzähliger Teile ist die eigentliche Leistung der Bahn.

Es lohnt sich, dem scheinbar Selbstverständlichen einmal Beachtung zu schenken.

Die Bahn als Teil des Alltags

Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.

Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.

Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.

Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.

So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.

Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.

Ein Blick in die Zukunft

Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.

Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.

Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.

Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.

Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.

So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.

Pro und Contra

Dafür

+  Die Altstrecke durchs Kinzigtal ist überlastet und bremst den ganzen Korridor.

+  Eine Neubaustrecke entflechtet schnelle und langsame Züge.

+  Erst damit wird der Deutschlandtakt in diesem Abschnitt möglich.

+  Der Korridor Hanau–Fulda ist für Fern- und Güterverkehr bundesweit wichtig.

+  Getrennte Wege verkürzen Fahrzeiten und verringern Verspätungen.

+  Das Projekt ist im Bundesverkehrswegeplan als vordringlich eingestuft.

Dagegen

−  Eine Neubaustrecke zerschneidet bislang unberührte Täler und Landschaften.

−  Anwohner fürchten Lärm, Flächenverbrauch und Eingriffe in die Natur.

−  Neubaustrecken mit vielen Kunstbauten sind außerordentlich teuer.

−  Von der Planung bis zur Eröffnung vergehen sehr viele Jahre.

−  Der Streit um die richtige Trasse kann das Projekt lange aufhalten.

−  Teils ließe sich auch durch Ausbau der Altstrecke Kapazität gewinnen.

Unterm Strich

Der Engpass zwischen Hanau und Fulda ist real und seit Langem bekannt.

Für den Deutschlandtakt führt an mehr Kapazität in diesem Korridor kaum ein Weg vorbei.

Zugleich trifft eine neue Trasse Menschen und Landschaften, die bisher verschont blieben.

Eine kluge Trassenwahl und ehrlicher Lärmschutz entscheiden über die Akzeptanz.

Die Frage ist weniger ob, sondern wie gebaut wird.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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