War der Bau des Ligerztunnels am Bielersee gerechtfertigt?

Standpunkt

„Sehr geehrte Reisende, zwischen Biel und Neuenburg wird es am Seeufer eng, Gleis um Gleis.“

War der Bau des Ligerztunnels am Bielersee gerechtfertigt?

→ Ein Standpunkt zu einem Tunnel, der ein letztes Nadelöhr am Bielersee beseitigen und zugleich das enge Seeufer schonen soll.

Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Standpunkt

Worum es geht

Ja. Der kurze einspurige Abschnitt am Nordufer des Bielersees war das letzte Nadelöhr der Jurasüdfusslinie und verhinderte einen dichteren Fahrplan; der doppelspurige Tunnel beseitigt diesen Engpass dauerhaft. Rund 432 Millionen Franken sind viel Geld für wenige Kilometer, doch ein zweites Gleis entlang des engen, dicht bebauten Seeufers wäre kaum ohne schwere Eingriffe zu haben gewesen.

Am Nordufer des Bielersees fahren die Züge der Jurasüdfusslinie dicht am Wasser entlang.

Zwischen Twann und dem Weiler Schafis blieb bis zuletzt ein kurzer Abschnitt nur eingleisig.

Dieses Nadelöhr verhinderte, dass der Fahrplan auf der Linie Biel–Neuenburg verdichtet werden konnte.

Seit einigen Jahren entsteht deshalb der doppelspurige Ligerztunnel.

Er soll den letzten Einspurabschnitt beseitigen und das enge Seeufer entlasten.

Ob dieser Tunnel seinen Preis wert war, lässt sich erst im Rückblick beurteilen.

Bahnstrecke am Ufer des Bielersees
Foto: Unknown authorUnknown author, Public domain, via Wikimedia Commons

Das letzte Nadelöhr am Bielersee

Der Ligerztunnel ist ein Eisenbahntunnel am Jurasüdfuss in der Schweiz, der sich im Bau befindet.

Durch den doppelspurigen Tunnel soll der letzte Einspurabschnitt der Jurasüdfusslinie aufgehoben werden.

Dieses Nadelöhr liegt zwischen den Stationen Schafis und Twann auf dem Abschnitt Biel–Neuenburg.

Solange ein Abschnitt nur ein Gleis hat, müssen entgegenkommende Züge dort aufeinander warten.

Das begrenzt, wie viele Züge pro Stunde fahren können.

Bahnhof an der Jurasüdfusslinie
Foto: Tankstellenidau, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Was der Tunnel kostet und wann er fertig wird

Die geplanten Kosten belaufen sich nach Projektangaben auf rund 432 Millionen Franken.

Der Tunnel ist Teil des schweizerischen Bahnausbauprogramms.

Ursprünglich sollte er bis Dezember 2026 fertiggestellt sein.

Beschwerden unterlegener Firmen im Ausschreibungsverfahren verzögerten den Zuschlag.

Das Bundesverwaltungsgericht wies diese Beschwerden im Juni 2023 ab.

Rücksicht auf das Seeufer

Das Nordufer des Bielersees ist eng, dicht bebaut und von Rebhängen geprägt.

Ein zweites Gleis an der Oberfläche hätte tief in diese Landschaft eingegriffen.

Der Tunnel verläuft seeseitig und weitgehend parallel zum bestehenden Straßentunnel der Ortsumfahrung Ligerz.

Das Bundesamt für Verkehr verlangte bei der Baubewilligung zusätzliche Auflagen für den Umweltschutz.

So soll der Bau die empfindliche Uferzone möglichst schonen.

Gewinner und Verlierer vor Ort

Der Bahnhof Twann soll im Zuge des Projekts modernisiert werden.

Die bisherige Haltestelle Ligerz wird dagegen aufgehoben.

An ihre Stelle tritt künftig eine Buslinie.

Das Dorf Ligerz verliert damit seinen direkten Bahnhalt.

Für die Betroffenen ist das ein spürbarer Nachteil des Projekts.

Warum ein durchgehendes Doppelgleis zählt

Auf einer durchgehend zweigleisigen Strecke können Züge in beide Richtungen ungehindert fahren.

Verspätungen pflanzen sich dann weniger leicht fort.

Ein dichterer Takt wird überhaupt erst möglich.

Gerade im Taktfahrplan der Schweiz zählt jede beseitigte Engstelle.

Ein einziger Einspurabschnitt kann eine ganze Linie ausbremsen.

Viel Geld für wenige Kilometer

Rund 432 Millionen Franken für einen kurzen Tunnel sind eine hohe Summe.

Gegenüber stehen der dauerhafte Nutzen und der Verzicht auf einen Eingriff am Ufer.

Kritiker fragen, ob die gewonnene Kapazität den Aufwand rechtfertigt.

Befürworter verweisen auf den langfristigen Wert einer durchgehenden Doppelspur.

Solche Tunnel sind teuer, halten aber viele Jahrzehnte.

Ein Baustein im Schweizer Takt

Die Schweiz baut ihr Netz Schritt für Schritt für einen immer dichteren Fahrplan aus.

Einzelne Engpässe wie bei Ligerz hängen mit dem Angebot auf der ganzen Linie zusammen.

Erst wenn alle Nadelöhre fallen, lässt sich der Takt wirklich verdichten.

Der Ligerztunnel ist dabei ein kleiner, aber hartnäckiger Baustein.

Sein Nutzen zeigt sich im Zusammenspiel mit dem übrigen Fahrplan.

Von der Dampflok bis heute

Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.

Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.

Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.

Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.

Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.

Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.

Warum Verlässlichkeit so wichtig ist

Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.

Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.

Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.

Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.

Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.

Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.

Warum die Bahn für das ganze Land zählt

Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.

Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.

Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.

Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.

Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.

So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.

Pro und Contra

Dafür

+  Der Tunnel beseitigt den letzten Einspurabschnitt und macht die Linie durchgehend zweigleisig.

+  Erst dadurch lässt sich der Fahrplan zwischen Biel und Neuenburg verdichten.

+  Ein Gleis unter der Erde schont das enge, dicht bebaute Seeufer mit seinen Rebhängen.

+  Das Bundesamt für Verkehr hat zusätzliche Auflagen für den Umweltschutz durchgesetzt.

+  Ein Tunnel hält Jahrzehnte und sichert den Nutzen langfristig.

+  Der Bahnhof Twann wird im Zuge des Projekts modernisiert.

Dagegen

−  Rund 432 Millionen Franken sind viel Geld für wenige Kilometer Strecke.

−  Das Dorf Ligerz verliert seinen Bahnhalt und wird auf einen Bus verwiesen.

−  Große Tunnelbauten bergen stets geologische und finanzielle Risiken.

−  Beschwerden und Verzögerungen zeigen, wie aufwendig solche Projekte sind.

−  Der eigentliche Kapazitätsgewinn betrifft nur einen kurzen Abschnitt.

−  Das Geld könnte auch anderen Engpässen im Netz zugutekommen.

Unterm Strich

Der Ligerztunnel beseitigt ein echtes und lange bekanntes Nadelöhr.

Er macht einen dichteren Takt auf der Jurasüdfusslinie überhaupt erst möglich.

Zugleich kostet er viel und nimmt dem Dorf Ligerz seinen Halt.

Wer den Schweizer Taktfahrplan ernst nimmt, wird den Tunnel verteidigen.

Wer vor allem auf die Kosten je Kilometer schaut, wird zweifeln.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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