Stimmt es, dass Indiens Bahn Elefanten mit Bienengeräuschen von den Gleisen fernhält?

Mythen

„Am Rand des Gleises summt es wie an einem Bienenstock, obwohl weit und breit keine Biene zu sehen ist.“

Stimmt es, dass Indiens Bahn Elefanten mit Bienengeräuschen von den Gleisen fernhält?

→ Wie ein einfacher Trick Elefanten vor Zügen schützen soll.

Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Mythen

wild Asian elephant forest
wild Asian elephant forest. Foto: Niraj mani chourasia, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Kurz erklärt

Stimmt.

ProblemElefanten geraten auf Bahngleise und verunglücken
UrsacheBahnstrecken zerschneiden alte Wanderkorridore
TrickGeräte ahmen lautes Bienensummen nach
WarumElefanten meiden Bienen und weichen aus
DazuTempolimits, Sensoren und Querungshilfen

Der Mythos

Es klingt wie ein kurioser Scherz: Eine Eisenbahn soll Elefanten mit dem Summen von Bienen vertreiben.

Viele halten das für eine nette Erfindung oder eine übertriebene Geschichte.

Tatsächlich aber hat die indische Bahn genau diese Idee ganz ernsthaft umgesetzt.

Hinter dem ungewöhnlichen Trick steckt ein sehr ernstes Problem.

Die kurze Antwort lautet daher: Ja, in Indien werden Elefanten mit nachgeahmtem Bienensummen von Gleisen ferngehalten.

Ein gefährliches Zusammentreffen

In mehreren Regionen Indiens führen Bahnstrecken mitten durch Wälder und Wandergebiete von Elefanten.

Immer wieder geraten dabei ganze Herden auf die Gleise.

Trifft ein Zug auf einen Elefanten, endet das für das Tier fast immer tödlich.

Solche Unfälle haben über die Jahre viele Elefanten das Leben gekostet.

Für ein Land, in dem Elefanten verehrt und streng geschützt werden, ist das ein schweres Problem.

Die Bahn stand deshalb unter großem Druck, eine Lösung zu finden.

Warum Elefanten auf die Gleise kommen

Elefanten ziehen auf festen, uralten Routen durch ihre Lebensräume.

Diese Wanderkorridore wurden an vielen Stellen von Bahnstrecken zerschnitten.

Die Tiere überqueren die Gleise also nicht aus Versehen, sondern auf ihrem gewohnten Weg.

Besonders nachts und in der Dämmerung sind sie dabei schwer zu erkennen.

Ein schwerer Zug kann auf den oft kurvigen Strecken nicht rechtzeitig anhalten.

So treffen das langsame Wandern der Tiere und das schnelle Fahren der Züge unglücklich aufeinander.

Die Idee mit dem Bienensummen

Die Bahn im Nordosten Indiens kam auf eine erstaunlich einfache Idee.

An gefährdeten Stellen wurden Geräte aufgestellt, die das laute Summen eines Bienenschwarms nachahmen.

Das Projekt bekam sogar einen passenden Namen, der frei übersetzt etwa Aktion Biene bedeutet.

Die Geräte lassen sich aus einiger Entfernung hören und sollen die Elefanten schon vor dem Gleis stoppen.

So kommt das Bienensummen ganz ohne echte Bienen aus.

Für die Bahn war es eine günstige und tierfreundliche Lösung.

Indian Railways train countryside
Indian Railways train countryside. Foto: Saishna96, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Warum das überhaupt wirkt

Elefanten haben vor Bienen tatsächlich großen Respekt.

Ein Stich in die empfindlichen Stellen rund um Rüssel und Augen ist für sie sehr unangenehm.

Schon das Summen eines Schwarms bringt die Tiere dazu, auszuweichen und sich zurückzuziehen.

Dieses natürliche Verhalten macht sich die Bahn mit ihren Geräten zunutze.

Die Elefanten verbinden das Geräusch mit Gefahr und meiden die Stelle.

So hält ein harmloser Klang die schweren Tiere auf Abstand zum Gleis.

Mehr als nur ein Summen

Das Bienengeräusch ist dabei nur ein Baustein unter mehreren.

Auf besonders gefährdeten Abschnitten gilt für die Züge ein strenges Tempolimit.

So haben die Lokführer mehr Zeit, auf Tiere im Gleis zu reagieren.

An manchen Stellen gibt es außerdem Kameras, Sensoren und Warnsysteme.

Auch eigene Unter- und Überführungen sollen den Tieren ein sicheres Queren ermöglichen.

Erst alle Maßnahmen zusammen verringern die Zahl der Unfälle spürbar.

Ein Land, dem Elefanten heilig sind

In Indien hat der Elefant eine besondere kulturelle und religiöse Bedeutung.

Er steht für Weisheit, Glück und Stärke und taucht in vielen Geschichten auf.

Der Tod eines Tieres auf den Gleisen berührt deshalb viele Menschen tief.

Der Schutz der Herden ist dadurch nicht nur eine Frage des Naturschutzes.

Er ist zugleich ein Anliegen, das weit in die Kultur des Landes hineinreicht.

Technik im Dienst der Tiere

Das Projekt zeigt, dass Lösungen nicht immer kompliziert und teuer sein müssen.

Ein einfacher Lautsprecher mit dem richtigen Geräusch kann viel bewirken.

Statt die Natur zu verdrängen, versucht die Bahn hier, sich an sie anzupassen.

Das Beispiel hat international für Aufmerksamkeit und Anerkennung gesorgt.

Es gilt als kreativer Weg, Verkehr und Tierwelt besser miteinander zu versöhnen.

Was davon im Alltag zählt

Für die Elefanten entlang der Strecken kann der simple Trick über Leben und Tod entscheiden.

Für Reisende bleibt das Summen am Gleisrand meist unbemerkt.

Der Mythos vom Bienengeräusch gegen Elefanten stimmt also tatsächlich.

Er ist ein schönes Beispiel dafür, wie Bahn und Naturschutz zusammenfinden können.

Merke: Manchmal schützt nicht ein hoher Zaun die Tiere, sondern einfach das Summen, das sie fürchten.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

Zeige alle Beiträge von BahnSlam →