Mythen
„Drei Tage lang rollt ein Zug durch rote Wüste, und zwischen den Halten liegen manchmal Hunderte Kilometer Nichts.“
Stimmt es, dass ein Zug in Australien drei Tage lang quer durch die Wüste fährt?
→ Warum der Ghan zu den großen Zugreisen der Welt zählt.
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Kurz erklärt
Stimmt.
Der Mythos
Eine Zugfahrt, die mehrere Tage dauert und fast nur durch leere Wüste führt, klingt für viele nach reiner Übertreibung.
In Europa ist man selbst auf langen Strecken meist in wenigen Stunden am Ziel.
In Australien aber gibt es tatsächlich einen Zug, der tagelang quer durch den Kontinent rollt.
Er trägt den kurzen, ungewöhnlichen Namen Ghan.
Die kurze Antwort lautet daher: Ja, dieser Zug fährt wirklich tagelang durch die australische Wüste.
Was der Ghan ist
Der Ghan ist ein berühmter Fernzug mitten durch Australien.
Er verbindet die Südküste des Landes mit der Nordküste.
Dabei durchquert er den Kontinent einmal komplett von unten nach oben.
Betrieben wird er heute vor allem als besondere Reise für Urlauber.
Für viele Menschen ist eine Fahrt mit dem Ghan ein Lebenstraum.
Er gilt als eine der großen Zugreisen der ganzen Welt.
Die Strecke von Küste zu Küste
Der Zug startet in der Hafenstadt Adelaide im Süden Australiens.
Von dort fährt er in den Norden bis in die Stadt Darwin am Meer.
Auf halbem Weg hält er in der kleinen Wüstenstadt Alice Springs im roten Herzen des Landes.
Die gesamte Strecke misst rund dreitausend Kilometer.
Das entspricht ungefähr der Entfernung quer durch ganz Europa.
Dabei durchquert der Zug einige der entlegensten Gegenden der Erde.
Drei Tage für eine Fahrt
Für diese gewaltige Strecke braucht der Ghan rund drei Tage.
Die Fahrt dauert also nicht Stunden, sondern mehrere Tage und Nächte.
Die Reisenden schlafen, essen und leben in dieser Zeit im Zug.
Zwischen manchen Halten liegen Hunderte Kilometer fast menschenleere Landschaft.
Stundenlang zieht dann nur rote Erde, Buschland und weiter Himmel vorbei.
Gerade diese Weite macht den besonderen Reiz der Reise aus.
Woher der seltsame Name kommt
Der Name Ghan wirkt auf den ersten Blick rätselhaft.
Er geht auf Kameltreiber zurück, die einst aus Regionen Südasiens nach Australien kamen.
Diese Männer erschlossen mit ihren Kamelen das trockene Innere des Landes.
Man nannte sie damals verkürzt und nicht ganz genau die Afghanen.
Zu ihrer Erinnerung bekam der Zug später den Kurznamen Ghan.
Als Zeichen dafür ziert bis heute ein Kamel das Wappen des Zuges.

Ein außergewöhnlich langer Zug
Der Ghan ist nicht nur lange unterwegs, sondern oft auch selbst sehr lang.
In der Hauptsaison hängt man viele Wagen aneinander.
Dadurch kann der Zug eine Länge von fast einem Kilometer erreichen.
Damit zählt er zu den längsten Personenzügen, die regelmäßig verkehren.
Am Bahnsteig reicht der Blick dann kaum von einem Ende zum anderen.
Dieses schiere Ausmaß gehört fest zum Mythos des Zuges.
Durch das rote Zentrum
Das Herzstück der Fahrt ist die Durchquerung des sogenannten Red Centre.
So nennt man das von rotem Sand geprägte Zentrum Australiens.
Hier wird es tagsüber oft extrem heiß und nachts überraschend kühl.
Weit und breit gibt es nur wenige Siedlungen und kaum Menschen.
Der Zug ist in dieser Einsamkeit eine verlässliche Lebensader.
Von der Klimaanlage im Wagen aus lässt sich die harte Landschaft bequem bestaunen.
Reisen wie in einem rollenden Hotel
Heute ist der Ghan vor allem ein Erlebnis für Reisende aus aller Welt.
An Bord gibt es Schlafabteile, Speisewagen und gemütliche Salons.
An manchen Halten steigen die Gäste für kurze Ausflüge in die Wüste aus.
So wird die reine Fahrt zum eigentlichen Urlaub.
Der Zug verbindet damit nüchternen Nahverkehr längst nicht mehr, sondern Genuss und Abenteuer.
Ein Platz im Ghan ist dementsprechend begehrt.
Warum eine Bahn durch die Leere
Man fragt sich leicht, warum durch so wenig besiedeltes Land überhaupt eine Bahn führt.
Der Grund liegt in der Geschichte und in der Versorgung des weiten Landesinneren.
Früher war die Bahn oft die einzige verlässliche Verbindung in die Abgeschiedenheit.
Sie brachte Menschen, Post und Güter in Orte ohne gute Straßen.
Erst viel später wurde die Strecke bis ganz in den Norden vollendet.
Heute lebt sie vor allem vom Ruf als legendäre Reise weiter.
Was davon im Alltag zählt
Der Ghan zeigt, dass eine Zugfahrt auch ein mehrtägiges Abenteuer sein kann.
Er durchquert einen ganzen Kontinent und dabei eine der leersten Regionen der Erde.
Der Mythos von der tagelangen Fahrt durch die Wüste stimmt also vollständig.
Für Reisende ist nicht das schnelle Ankommen das Ziel, sondern der lange Weg selbst.
Eine Reise wie ein Ritual
Für viele Reisende ist die Fahrt mit dem Ghan kein bloßer Transport, sondern ein lang gehegter Lebenstraum, den man sich ganz bewusst gönnt.
Tagelang zieht die endlose Weite des australischen Outbacks am Fenster vorbei, in Rottönen, die kaum ein Foto wirklich einfängt.
An ausgewählten Halten steigen die Gäste aus und erleben die Wüste, abgelegene Orte und den überwältigenden nächtlichen Sternenhimmel.
Das gemächliche Tempo ist dabei kein Mangel, sondern ein ausdrücklich gewollter Teil des ganzen Erlebnisses.
So wird die lange Strecke selbst zum eigentlichen Ziel der Reise.
Ein Name mit Geschichte
Der Name Ghan erinnert an die Kameltreiber aus Afghanistan und anderen Regionen, die einst das australische Landesinnere erschlossen.
Lange bevor Schienen durch die Wüste führten, trugen ihre Kamele Waren und Nachrichten durch das lebensfeindliche Land.
Der Zug trägt dieses Erbe bis heute stolz in seinem Namen und sogar in seinem Wappen mit einem Kamel.
Damit verbindet die moderne Bahn eine uralte Geschichte des Durchquerens mit der Gegenwart.
Wer den Namen kennt, reist gewissermaßen durch ein Stück lebendige Geschichte.
Merke: Beim Ghan misst man die Reise nicht in Stunden, sondern in Sonnenauf- und -untergängen.
