Gewerkschaften bei der Bahn

Ich verstehe nur Bahnhof · Das Wörterbuch · Begriff 245

„Beide Gewerkschaften verhandeln derzeit getrennt mit dem Konzern.“

Gewerkschaften bei der Bahn

→ Übersetzt: Zwei Organisationen, zwei Tarifverträge, doppelt so viele mögliche Streiks.

Lesezeit: 9 Minuten · Das System Bahn

Die 30-Sekunden-Antwort

Bei der Deutschen Bahn sind zwei große Gewerkschaften aktiv, die getrennt verhandeln. Die EVG vertritt breite Teile der Belegschaft, die GDL konzentriert sich vor allem auf Lokführer. Beide schließen eigene Tarifverträge ab, was zu mehreren Tarifrunden pro Jahr führen kann. Diese Konkurrenz erhöht den Druck auf den Konzern und die Zahl möglicher Arbeitskämpfe.

In den meisten Betrieben verhandelt eine Gewerkschaft.

Bei der Bahn sind es gleich zwei.

Beide vertreten teils dieselben Berufsgruppen.

Beide wollen für ihre Mitglieder das Beste herausholen.

Und beide können unabhängig voneinander streiken.

Diese Konstellation ist in Deutschland ungewöhnlich.

Sie erklärt vieles am Konfliktverhalten der letzten Jahre.

Ein leerer Verhandlungssaal mit langem Tisch und Stühlen in nüchternem Licht
An solchen Tischen entscheidet sich, ob dein Zug nächste Woche fährt. Symbolbild, mit KI erstellt.

Wer die beiden Gewerkschaften sind

Die EVG ist die größere der beiden Organisationen.

Sie vertritt Beschäftigte aus fast allen Bereichen.

Dazu zählen Werkstätten, Verwaltung und Zugbegleitung.

Die GDL ist deutlich kleiner, aber sehr fokussiert.

Sie organisiert vor allem Lokführer und Zugpersonal.

Genau diese Gruppe ist für den Betrieb unverzichtbar.

Dadurch hat sie trotz geringerer Größe erhebliche Wirkung.

Warum getrennt verhandelt wird

Beide Gewerkschaften haben unterschiedliche Schwerpunkte.

Die EVG denkt breiter über alle Berufsgruppen hinweg.

Die GDL vertritt gezielt die Interessen einer Kerngruppe.

Ein gemeinsamer Tarifvertrag wäre für beide ein Kompromiss.

Beide bestehen deshalb auf eigenen Verhandlungen.

Der Konzern muss damit zweimal jährlich verhandeln.

Auch zwei Streikwellen sind dadurch möglich.

Die beiden Gewerkschaften im Überblick

EVG die größere

Vertritt breite Teile der Belegschaft von der Werkstatt bis zur Verwaltung.

GDL die fokussierte

Konzentriert sich auf Lokführer und Zugpersonal, dadurch sehr durchsetzungsstark.

GETRENNTE TARIFE die Folge

Zwei Tarifverträge bedeuten auch zwei mögliche Konfliktzeiträume pro Jahr.

TARIFEINHEIT der Streitpunkt

Ein Gesetz sollte das regeln, hat den Konflikt in der Praxis aber nicht gelöst.

Zwei Gewerkschaften bedeuten für Reisende potenziell zwei Streikphasen pro Jahr.

Was das Tarifeinheitsgesetz wollte

Der Gesetzgeber wollte diese Doppelstruktur begrenzen.

Nach dem Gesetz soll pro Betrieb ein Tarifvertrag gelten.

Maßgeblich wäre die Gewerkschaft mit mehr Mitgliedern.

In der Praxis funktionierte das nur begrenzt.

Die Zählung der Mitglieder ist juristisch umstritten.

Auch Betriebszuschnitte lassen sich unterschiedlich definieren.

Der Konflikt besteht deshalb im Kern weiter.

Worum es inhaltlich meist geht

Neben dem Lohn steht oft die Arbeitszeit im Mittelpunkt.

Schichtdienst und Wochenendarbeit belasten stark.

Eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit war zuletzt ein Kernthema.

Auch die Planbarkeit von Diensten spielt eine große Rolle.

Der Personalmangel verschärft all diese Fragen zusätzlich.

Weniger Personal bedeutet mehr Belastung für die Verbliebenen.

Video: „Wie sieht der aktuelle Fahrplan im Tarif-Konflikt aus?“ vom Kanal GDL – Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer.

„Beide Gewerkschaften verhandeln derzeit getrennt mit dem Konzern.“

→ Übersetzt: Zwei Verhandlungen bedeuten auch zwei Möglichkeiten für Streik.

Was das für Reisende bedeutet

Statistisch steigt die Wahrscheinlichkeit von Arbeitskämpfen.

Zwei Tarifrunden bedeuten zwei mögliche Konfliktphasen.

Diese liegen oft in unterschiedlichen Jahreszeiten.

Ein Blick auf laufende Tarifverhandlungen lohnt sich deshalb.

Bei wichtigen Terminen hilft ein zeitlicher Puffer.

Auch alternative Reisemöglichkeiten sollte man kennen.

Warum Kritik an beiden Seiten geübt wird

Reisende empfinden häufige Streiks verständlicherweise als Belastung.

Gleichzeitig sind Arbeitsbedingungen ein berechtigtes Anliegen.

Ohne gutes Personal fährt am Ende gar kein Zug.

Die Debatte dreht sich deshalb um Verhältnismäßigkeit.

Wie viel Druck ist angemessen, wie viel zu viel?

Diese Frage bleibt gesellschaftlich umstritten.

Wie ein Tarifkonflikt typischerweise abläuft

Zunächst kündigt eine Gewerkschaft ihre Forderungen an.

Es folgen mehrere Verhandlungsrunden mit dem Arbeitgeber.

Scheitern diese, folgen zunächst kurze Warnstreiks.

Diese dauern oft nur wenige Stunden.

Erst danach kommt es zu längeren Erzwingungsstreiks.

Häufig endet der Konflikt in einer Schlichtung.

Diese führt meist zu einem Kompromiss für beide Seiten.

Warum es nicht nur um Geld geht

Lohnerhöhungen sind oft der sichtbarste Streitpunkt.

Für viele Beschäftigte zählt aber die Arbeitszeit mehr.

Nacht- und Wochenendarbeit belastet dauerhaft die Gesundheit.

Auch die kurzfristige Änderung von Dienstplänen ist ein Thema.

Gerade junge Beschäftigte legen Wert auf Planbarkeit.

Ohne attraktive Bedingungen findet die Bahn kein Personal.

Genau deshalb sind Tarifrunden auch ein Werben um Nachwuchs.

Wer gutes Personal will, muss gute Bedingungen bieten.

Diese Erkenntnis setzt sich langsam auf beiden Seiten durch.

Warum zwei Gewerkschaften verhandeln

Das ist eine deutsche Besonderheit und der Grund für viele Streiks.

Die EVG vertritt breite Berufsgruppen im ganzen Konzern.

Die GDL vertritt schwerpunktmäßig Lokführer und Zugpersonal.

Beide wollen eigene Tarifverträge für ihre Mitglieder.

Das Tarifeinheitsgesetz von 2015 sollte das begrenzen. In der Praxis verhandeln bis heute beide getrennt.

Worum in den letzten Jahren gestritten wurde

Es ging um mehr als nur Geld.

Der größte Konflikt drehte sich um die Arbeitszeit im Schichtdienst.

Die GDL setzte eine schrittweise Absenkung der Wochenarbeitszeit durch, mit Wahlmöglichkeit.

Daneben ging es um Zulagen für Nacht- und Wochenendarbeit.

Und um die Frage, welche Berufsgruppen von welcher Gewerkschaft vertreten werden. Genau daran entzündeten sich die härtesten Auseinandersetzungen.

Alle Fragen zum Thema

Welche Gewerkschaften gibt es bei der Bahn?

Die EVG und die GDL. Die EVG vertritt breite Berufsgruppen, die GDL vor allem Lokführer und Zugpersonal. Beide verhandeln getrennt.

Warum zwei getrennte Tarifverträge?

Weil beide für ihre Mitglieder eigene Regeln wollen. Das Tarifeinheitsgesetz sollte das begrenzen. In der Praxis verhandeln bis heute beide.

Worum wurde zuletzt gestritten?

Vor allem um die Wochenarbeitszeit im Schichtdienst und um Zulagen. Die GDL setzte eine schrittweise Absenkung durch. Daneben ging es um Zuständigkeiten.

Ist ein Streik erlaubt?

Ja, sobald die Verhandlungen für gescheitert erklärt wurden. Das Streikrecht ist grundgesetzlich geschützt. Während der Friedenspflicht darf nicht gestreikt werden.

Was ist die Friedenspflicht?

Während der Laufzeit eines Tarifvertrags darf nicht gestreikt werden. Sie endet mit dem Auslaufen des Vertrags. Danach sind Warnstreiks möglich.

Was ist eine Schlichtung?

Ein Vermittlungsverfahren mit unabhängigen Schlichtern. Während der Schlichtung wird nicht gestreikt. Am Ende steht ein Vorschlag, den beide Seiten annehmen können.

Wie viele Beschäftigte hat die Bahn?

In Deutschland rund zweihundertzehntausend. Sie ist damit einer der größten Arbeitgeber des Landes. Weltweit hat der Konzern noch deutlich mehr.

Warum wird der Bahnstreik so stark wahrgenommen?

Weil er Millionen Menschen unmittelbar trifft. Anders als in vielen Branchen ist die Wirkung sofort sichtbar. Genau darin liegt die Druckwirkung.

Bekomme ich bei Streik Entschädigung?

Ja. Ein Streik beim eigenen Personal ist keine höhere Gewalt. Die Fahrgastrechte gelten vollständig.

Der Chefübersetzer sagt

„Zwei Gewerkschaften bei einem Arbeitgeber sind in Deutschland die Ausnahme. Für die Beschäftigten bedeutet das mehr Auswahl und mehr Druckmittel. Für Reisende bedeutet es leider auch die doppelte Zahl möglicher Streiktage.“

Das heißt für dich am Gleis

1. Verfolge laufende Tarifverhandlungen, sie kündigen mögliche Streiks früh an.

2. Plane bei wichtigen Terminen in Tarifphasen bewusst größere Puffer ein.

3. Unterscheide die beiden Gewerkschaften, sie streiken zu unterschiedlichen Zeiten.

4. Kenne alternative Reisewege für den Fall eines längeren Arbeitskampfes.

Weiterfahrt

Streik bei der Bahn – Begriff 227 im Wörterbuch

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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