Der Bahnhof Tours, wo vier steinerne Städte Wache halten

Ortstermin

„Endstation Tours, bitte alle aussteigen, von hier erreichen Sie die Altstadt und die Kathedrale bequem zu Fuß.“

Der Bahnhof Tours, wo vier steinerne Städte Wache halten

→ Ein Ortstermin in der Touraine an der Loire.

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Kurz gesagt

Der Bahnhof Tours ist ein Kopfbahnhof, den der Architekt Victor Laloux zwischen 1896 und 1898 errichten ließ. Vier steinerne Figuren an der Fassade stehen für die Städte Bordeaux, Toulouse, Limoges und Nantes.

Wer mit dem Zug nach Tours fährt, endet an einem Kopfbahnhof, der eher wie ein Stadttor aus Stein wirkt als wie ein nüchterner Zweckbau.

Die Stadt an der Loire ist die größte im Gebiet Centre-Val de Loire und war schon in römischer Zeit ein bedeutender Ort.

Dieser Ortstermin schaut auf das Empfangsgebäude, seine Geschichte und auf das, was man von den Gleisen aus in wenigen Minuten erreicht.

Tramway de Tours 02
Foto: Jules78120, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Ein Kopfbahnhof wie ein Stadttor

Der Bahnhof Tours ist ein Kopfbahnhof, die Gleise enden also stumpf vor dem Empfangsgebäude.

Reisende steigen am Ende der Bahnsteige aus und gehen durch eine große Halle ins Freie.

Die Hauptfassade ist breit und hoch und zeigt zur Stadt hin ein fast festliches Gesicht.

Hinter dieser Fassade spannt sich eine Halle aus Stein, Eisen, Gusseisen und Glas über die Gleise.

Dadurch wirkt der Bahnhof weniger wie eine Durchgangsstation und mehr wie ein feierlicher Abschluss der Reise.

Tramway de Tours 03
Foto: Jules78120, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Was Victor Laloux entwarf

Das heutige Empfangsgebäude entstand zwischen 1896 und 1898 nach Plänen von Victor Laloux.

Laloux wurde 1850 in Tours geboren und blieb der Stadt als Baumeister eng verbunden.

Kurz nach dem Bahnhof entwarf er in Paris den Gare d’Orsay, der heute das Musée d’Orsay beherbergt.

In Tours selbst gehen auch das Rathaus von 1904 und die Basilika Saint-Martin auf seine Hand zurück.

So trägt der Bahnhof die Handschrift eines Architekten, dessen Pariser Werk später zu einem berühmten Museum wurde.

Tramway de Tours 05 – gare SNCF
Foto: Jules78120, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Gut zu wissen

Das Empfangsgebäude steht seit dem 28. Dezember 1984 als Monument historique unter Denkmalschutz.

Für das Jahr 2024 nennt die Bahn für den Bahnhof rund sieben Millionen Reisende.

Vor dem Gebäude fährt seit dem 31. August 2013 die Linie A der Straßenbahn von Tours.

Vier Städte aus Stein

An der Fassade stehen vier große Steinfiguren, die für Städte des alten Streckennetzes stehen.

Sie verkörpern Bordeaux, Toulouse, Limoges und Nantes, also wichtige Ziele im Westen und Süden.

Die Figuren für Bordeaux und Toulouse schuf der Bildhauer Jean-Antoine Injalbert.

Die Figuren für Limoges und Nantes stammen von Jean-Baptiste Hugues.

Im Inneren schmücken außerdem bemalte Keramiktafeln die Wände, die Eugène Martial Simas zwischen 1896 und 1898 gestaltete.

Tramway de Tours 08
Foto: Jules78120, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Vom Embarcadère zum heutigen Bau

Der erste Bahnhof an dieser Stelle wurde 1846 eröffnet und hieß schlicht Embarcadère.

Betrieben wurde er von der Gesellschaft der Bahn Paris–Orléans, die den Verkehr an die Loire brachte.

Im Jahr 1875 kam westlich davon ein eigener Bahnhof für die Vendée-Bahn hinzu.

Über diese Strecke erreichte man lange den Badeort Les Sables-d’Olonne, bis die Linie 1970 ihren Endpunkt in Tours verlor.

Der große Neubau von Laloux löste schließlich die älteren Anlagen ab und prägt bis heute das Bild.

Tramway de Tours 07
Foto: Jules78120, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Wohin die Gleise führen

In Tours treffen mehrere Strecken zusammen, die die Stadt zu einem Knoten machen.

Hier beginnt die Bahn in Richtung Bordeaux, dazu kommen die Linien nach Saint-Nazaire und nach Le Mans.

Die Strecke nach Le Mans ist nicht elektrifiziert, dort verkehren Dieselzüge.

Der Bahnhof hat sechs Bahnsteige an zwölf Gleisen und wird von der SNCF betrieben.

Bedient wird er vor allem von Intercités-Fernzügen und von Regionalzügen der Marke TER.

Gare de Tours annex
Foto: Smiley.toerist, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Warum die schnellen Züge nebenan halten

Die meisten TGV-Hochgeschwindigkeitszüge halten nicht im Kopfbahnhof, sondern in Saint-Pierre-des-Corps am Stadtrand.

Dieser Durchgangsbahnhof liegt an der Strecke und erspart den schnellen Zügen das Wenden im Sackbahnhof.

Von Saint-Pierre-des-Corps aus ist Tours zugleich die erste Station in Richtung Paris.

Zwei Bahnsteiggleise im Kopfbahnhof sind allerdings über 443 Meter lang und können zwei gekoppelte TGV aufnehmen.

Mit dem TGV erreicht man Paris von Tours aus in weniger als einer Stunde.

Gare de Tours detail
Foto: Smiley.toerist, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Altstadt rund um den Place Plumereau

Vom Bahnhof sind es nur wenige Minuten bis in die mittelalterliche Altstadt, das Vieux Tours.

In ihrem Herzen liegt der Place Plumereau, ein Platz mit Fachwerkhäusern und vielen Cafés.

Nicht weit entfernt steht die Kathedrale Saint-Gatien mit ihrer reich verzierten gotischen Westfassade.

Das Museum der Schönen Künste zeigt seine Sammlung im früheren erzbischöflichen Palast neben der Kathedrale.

So liegt zwischen Prellbock und Altstadt kaum mehr als ein kurzer Spaziergang.

Rames TER en gare de Tours en soirée (juin 2023)
Foto: Florian Pépellin, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Zwischen Loire und Weinbergen

Tours liegt am Unterlauf der Loire, dem längsten Fluss Frankreichs.

Das Tal der Loire zählt auf dem Abschnitt zwischen Sully-sur-Loire und Chalonnes zum UNESCO-Welterbe.

Rund um die Stadt reihen sich die Weinberge der Touraine, deren Weine weit über die Region hinaus bekannt sind.

Auf den Tisch kommen hier gern Rillettes und Rillons sowie der Ziegenkäse Sainte-Maure-de-Touraine.

Am Fluss erinnern das Schloss von Tours und die Basilika Saint-Martin an die lange Geschichte der Stadt.

Rames TGV Atlantique en gare de Tours en soirée (juin 2023)
Foto: Florian Pépellin, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ankommen in Tours

Ankommen in Tours heißt, aus einer feierlichen Halle unmittelbar in eine belebte Stadt zu treten.

Wer aussteigt, hat die Altstadt, die Kathedrale und das Flussufer in bequemer Gehweite.

Vor dem Bahnhof hält die Straßenbahn, deren erste Linie im Jahr 2013 eröffnet wurde.

Von hier aus lassen sich auch die berühmten Schlösser des Loiretals mit Regionalzügen erkunden.

So ist der Kopfbahnhof von Tours zugleich Endpunkt einer Reise und Auftakt für den nächsten Ausflug.

TGV Atlantique Carmillon en gare de Tours en soirée (juin 2023)
Foto: Florian Pépellin, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Häufige Fragen

Ist der Bahnhof Tours ein Kopfbahnhof?
Ja, die Gleise enden stumpf vor dem Empfangsgebäude, deshalb müssen wendende Züge hier zurücksetzen.
Wer hat den Bahnhof Tours gebaut?
Das heutige Gebäude entstand von 1896 bis 1898 nach Plänen des in Tours geborenen Architekten Victor Laloux.
Warum halten die TGV meist nicht in Tours?
Die meisten TGV fahren den Durchgangsbahnhof Saint-Pierre-des-Corps an, weil sie dort nicht wenden müssen.
Wie lange dauert die Fahrt nach Paris?
Mit dem TGV erreicht man Paris von Tours aus in weniger als einer Stunde.
Was erreicht man vom Bahnhof aus zu Fuß?
Die Altstadt mit dem Place Plumereau, die Kathedrale Saint-Gatien und das Loireufer liegen nur wenige Gehminuten entfernt.

Weiterfahrt

→ Ortstermin: Nantes – die Hafenstadt an der Loiremündung am Ende der Weststrecke

→ Ortstermin: Bordeaux Saint-Jean – das große Ziel der Südweststrecke, die in Tours ihren Anfang nimmt

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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