Ortstermin
„Endstation Tours, bitte alle aussteigen, von hier erreichen Sie die Altstadt und die Kathedrale bequem zu Fuß.“
Der Bahnhof Tours, wo vier steinerne Städte Wache halten
→ Ein Ortstermin in der Touraine an der Loire.
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Kurz gesagt
Der Bahnhof Tours ist ein Kopfbahnhof, den der Architekt Victor Laloux zwischen 1896 und 1898 errichten ließ. Vier steinerne Figuren an der Fassade stehen für die Städte Bordeaux, Toulouse, Limoges und Nantes.
Wer mit dem Zug nach Tours fährt, endet an einem Kopfbahnhof, der eher wie ein Stadttor aus Stein wirkt als wie ein nüchterner Zweckbau.
Die Stadt an der Loire ist die größte im Gebiet Centre-Val de Loire und war schon in römischer Zeit ein bedeutender Ort.
Dieser Ortstermin schaut auf das Empfangsgebäude, seine Geschichte und auf das, was man von den Gleisen aus in wenigen Minuten erreicht.

Ein Kopfbahnhof wie ein Stadttor
Der Bahnhof Tours ist ein Kopfbahnhof, die Gleise enden also stumpf vor dem Empfangsgebäude.
Reisende steigen am Ende der Bahnsteige aus und gehen durch eine große Halle ins Freie.
Die Hauptfassade ist breit und hoch und zeigt zur Stadt hin ein fast festliches Gesicht.
Hinter dieser Fassade spannt sich eine Halle aus Stein, Eisen, Gusseisen und Glas über die Gleise.
Dadurch wirkt der Bahnhof weniger wie eine Durchgangsstation und mehr wie ein feierlicher Abschluss der Reise.

Was Victor Laloux entwarf
Das heutige Empfangsgebäude entstand zwischen 1896 und 1898 nach Plänen von Victor Laloux.
Laloux wurde 1850 in Tours geboren und blieb der Stadt als Baumeister eng verbunden.
Kurz nach dem Bahnhof entwarf er in Paris den Gare d’Orsay, der heute das Musée d’Orsay beherbergt.
In Tours selbst gehen auch das Rathaus von 1904 und die Basilika Saint-Martin auf seine Hand zurück.
So trägt der Bahnhof die Handschrift eines Architekten, dessen Pariser Werk später zu einem berühmten Museum wurde.

Gut zu wissen
Das Empfangsgebäude steht seit dem 28. Dezember 1984 als Monument historique unter Denkmalschutz.
Für das Jahr 2024 nennt die Bahn für den Bahnhof rund sieben Millionen Reisende.
Vor dem Gebäude fährt seit dem 31. August 2013 die Linie A der Straßenbahn von Tours.
Vier Städte aus Stein
An der Fassade stehen vier große Steinfiguren, die für Städte des alten Streckennetzes stehen.
Sie verkörpern Bordeaux, Toulouse, Limoges und Nantes, also wichtige Ziele im Westen und Süden.
Die Figuren für Bordeaux und Toulouse schuf der Bildhauer Jean-Antoine Injalbert.
Die Figuren für Limoges und Nantes stammen von Jean-Baptiste Hugues.
Im Inneren schmücken außerdem bemalte Keramiktafeln die Wände, die Eugène Martial Simas zwischen 1896 und 1898 gestaltete.

Vom Embarcadère zum heutigen Bau
Der erste Bahnhof an dieser Stelle wurde 1846 eröffnet und hieß schlicht Embarcadère.
Betrieben wurde er von der Gesellschaft der Bahn Paris–Orléans, die den Verkehr an die Loire brachte.
Im Jahr 1875 kam westlich davon ein eigener Bahnhof für die Vendée-Bahn hinzu.
Über diese Strecke erreichte man lange den Badeort Les Sables-d’Olonne, bis die Linie 1970 ihren Endpunkt in Tours verlor.
Der große Neubau von Laloux löste schließlich die älteren Anlagen ab und prägt bis heute das Bild.

Wohin die Gleise führen
In Tours treffen mehrere Strecken zusammen, die die Stadt zu einem Knoten machen.
Hier beginnt die Bahn in Richtung Bordeaux, dazu kommen die Linien nach Saint-Nazaire und nach Le Mans.
Die Strecke nach Le Mans ist nicht elektrifiziert, dort verkehren Dieselzüge.
Der Bahnhof hat sechs Bahnsteige an zwölf Gleisen und wird von der SNCF betrieben.
Bedient wird er vor allem von Intercités-Fernzügen und von Regionalzügen der Marke TER.

Warum die schnellen Züge nebenan halten
Die meisten TGV-Hochgeschwindigkeitszüge halten nicht im Kopfbahnhof, sondern in Saint-Pierre-des-Corps am Stadtrand.
Dieser Durchgangsbahnhof liegt an der Strecke und erspart den schnellen Zügen das Wenden im Sackbahnhof.
Von Saint-Pierre-des-Corps aus ist Tours zugleich die erste Station in Richtung Paris.
Zwei Bahnsteiggleise im Kopfbahnhof sind allerdings über 443 Meter lang und können zwei gekoppelte TGV aufnehmen.
Mit dem TGV erreicht man Paris von Tours aus in weniger als einer Stunde.

Die Altstadt rund um den Place Plumereau
Vom Bahnhof sind es nur wenige Minuten bis in die mittelalterliche Altstadt, das Vieux Tours.
In ihrem Herzen liegt der Place Plumereau, ein Platz mit Fachwerkhäusern und vielen Cafés.
Nicht weit entfernt steht die Kathedrale Saint-Gatien mit ihrer reich verzierten gotischen Westfassade.
Das Museum der Schönen Künste zeigt seine Sammlung im früheren erzbischöflichen Palast neben der Kathedrale.
So liegt zwischen Prellbock und Altstadt kaum mehr als ein kurzer Spaziergang.

Zwischen Loire und Weinbergen
Tours liegt am Unterlauf der Loire, dem längsten Fluss Frankreichs.
Das Tal der Loire zählt auf dem Abschnitt zwischen Sully-sur-Loire und Chalonnes zum UNESCO-Welterbe.
Rund um die Stadt reihen sich die Weinberge der Touraine, deren Weine weit über die Region hinaus bekannt sind.
Auf den Tisch kommen hier gern Rillettes und Rillons sowie der Ziegenkäse Sainte-Maure-de-Touraine.
Am Fluss erinnern das Schloss von Tours und die Basilika Saint-Martin an die lange Geschichte der Stadt.

Ankommen in Tours
Ankommen in Tours heißt, aus einer feierlichen Halle unmittelbar in eine belebte Stadt zu treten.
Wer aussteigt, hat die Altstadt, die Kathedrale und das Flussufer in bequemer Gehweite.
Vor dem Bahnhof hält die Straßenbahn, deren erste Linie im Jahr 2013 eröffnet wurde.
Von hier aus lassen sich auch die berühmten Schlösser des Loiretals mit Regionalzügen erkunden.
So ist der Kopfbahnhof von Tours zugleich Endpunkt einer Reise und Auftakt für den nächsten Ausflug.

Häufige Fragen
Ist der Bahnhof Tours ein Kopfbahnhof?
Wer hat den Bahnhof Tours gebaut?
Warum halten die TGV meist nicht in Tours?
Wie lange dauert die Fahrt nach Paris?
Was erreicht man vom Bahnhof aus zu Fuß?
Weiterfahrt
→ Ortstermin: Nantes – die Hafenstadt an der Loiremündung am Ende der Weststrecke
→ Ortstermin: Bordeaux Saint-Jean – das große Ziel der Südweststrecke, die in Tours ihren Anfang nimmt
