Der Bahnhof Tábor, Umsteigepunkt zwischen Prager Hauptstrecke und der ältesten Elektrobahn Böhmens

Ortstermin

„Nächster Halt Tábor, bitte umsteigen zur Lokalbahn nach Bechyně.“

Der Bahnhof Tábor, Umsteigepunkt zwischen Prager Hauptstrecke und der ältesten Elektrobahn Böhmens

→ Ein Ortstermin in Südböhmen.

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Kurz gesagt

Tábor ist eine Hussitenstadt in Südböhmen, deren Bahnhof an der Hauptstrecke von Prag nach České Budějovice liegt. Von hier zweigt die Bechyňka ab, die 1903 als erste elektrisch betriebene Vollbahn Österreich-Ungarns eröffnet wurde.

Tábor gehört zu den Orten, deren Bahnhof zwei ganz unterschiedliche Welten verbindet.

Auf der einen Seite liegt die große Hauptstrecke, die Wien einst mit Prag verband und bis heute den Fernverkehr trägt.

Auf der anderen Seite beginnt hier eine kleine Lokalbahn, die vor über hundert Jahren Technikgeschichte geschrieben hat.

Tábor pohled od řeky Lužnice
Foto: Rudolf Kukačka, Public domain, via Wikimedia Commons

Eine Stadt auf dem Berg der Hussiten

Tábor liegt im Süden Tschechiens in der Region Südböhmen und zählt heute rund 35.000 Einwohner.

Gegründet wurde die Stadt im Jahr 1420 als Hochburg der hussitischen Bewegung, die sich nach dem tschechischen Reformator Jan Hus benannte.

Ihren Namen trägt sie nach dem biblischen Berg Tabor, denn die radikalen Hussiten verstanden ihre Siedlung als heiligen Ort.

Angeführt wurde die Gründung von Jan Žižka, einem der bekanntesten Feldherren der böhmischen Geschichte.

Nádraží Tábor Bechyně
Foto: Rudolf Kukačka, Public domain, via Wikimedia Commons

Von der Wehrsiedlung zur Handelsstadt

Die Gründer wählten einen Bergsporn über dem Fluss Lužnice, auf dem bereits die alte Burg Kotnov stand.

Rund um diesen Kern entstand eine dicht gebaute Stadt mit engen Gassen, die sich gut verteidigen ließ.

Im Lauf der Jahrhunderte entwickelte sich Tábor zu einer wohlhabenden Handels- und Handwerkerstadt an der Straße von Linz über Budweis nach Prag.

Das historische Zentrum ist so gut erhalten, dass es 1961 zum städtischen Denkmalreservat erklärt wurde.

Tábor celek
Foto: Pavel Rychtecký, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Gut zu wissen

Tábor liegt an der Bahnstrecke České Velenice–Prag, die 1871 eröffnet wurde und heute zum vierten tschechischen Eisenbahnkorridor gehört.

Die Lokalbahn nach Bechyně wurde im Juni 1903 eröffnet und gilt als erste elektrisch betriebene Vollbahn Österreich-Ungarns.

Sie wird bis heute mit 1,5 Kilovolt Gleichspannung betrieben und ist damit die letzte Strecke dieser Art in Tschechien.

Rund um den Žižka-Platz

Das Herzstück der Altstadt ist das Žižkovo náměstí, der große Platz mit dem Denkmal für Jan Žižka.

Unter den Häusern verläuft ein Labyrinth unterirdischer Gänge, das einst als Lager und als Zuflucht in Kriegszeiten diente.

Von der mittelalterlichen Befestigung sind die Burg Kotnov und das Bechyně-Tor erhalten, die ältesten Wehrbauten der Stadt.

Im früheren Rathaus am Platz zeigt das Hussitenmuseum die Geschichte der Bewegung und ihrer Zeit.

Tábor, autobusové nádraží, hala
Foto: ŠJů, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Als die Eisenbahn nach Tábor kam

Tábor liegt an der Bahnstrecke von České Velenice nach Prag, die den Ort mit der Landeshauptstadt verbindet.

Diese Strecke wurde 1871 eröffnet und führt über Veselí nad Lužnicí, Tábor und Benešov bis nach Prag.

Ursprünglich war sie Teil der Kaiser-Franz-Josephs-Bahn, die von Wien über Gmünd eine direkte Verbindung nach Prag herstellte.

So wurde der Bahnhof früh zu einem wichtigen Halt auf dem Weg zwischen Wien, Budweis und der böhmischen Hauptstadt.

Tábor autobusové nádraží, městský autobus, zezadu
Foto: ŠJů, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Ein Knoten auf dem Weg nach Prag

Heute ist der Abschnitt zwischen Veselí nad Lužnicí und Prag Teil des vierten tschechischen Eisenbahnkorridors.

Dieser Korridor wird seit Jahren für höhere Geschwindigkeiten und für durchgehend zweigleisigen Betrieb ausgebaut.

Der Bahnhof Tábor ist dabei der zentrale Halt in diesem Teil Südböhmens.

Von hier erreicht man Prag und České Budějovice im schnelleren Verkehr ebenso wie die umliegenden Orte im Nahverkehr.

Tábor, autobusové nádraží, městský autobus zepředu
Foto: ŠJů, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Bechyňka, Böhmens erste elektrische Bahn

In Tábor beginnt die Lokalbahn nach Bechyně, die im Land liebevoll Bechyňka genannt wird.

Sie wurde im Juni 1903 eröffnet und war zu ihrer Zeit die erste elektrisch betriebene Vollbahn Österreich-Ungarns.

Eng verbunden ist ihr Bau mit dem Ingenieur František Křižík, der die elektrische Ausrüstung der Strecke und der Fahrzeuge entwarf.

Křižík hatte seine Erfahrung zuvor beim Bau der elektrischen Straßenbahnen in Prag und Pilsen gesammelt.

Nádraží Tábor, staniční budova z kolejiště
Foto: ŠJů, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Technik und Fahrzeuge der Lokalbahn

Zur Eröffnung fuhren auf der Bechyňka zwei Triebwagen, die die Firma Ringhoffer in Prag mit Křižíks Elektrik baute.

Im Mai 1929 wurde die Strecke erweitert und erhielt eine veränderte Linienführung.

Bis heute ist die Bechyňka die letzte Eisenbahnstrecke Tschechiens, die mit 1,5 Kilovolt Gleichspannung betrieben wird.

Seit 1995 ist sie offiziell als regionale Bahn eingestuft und verbindet Tábor mit dem Töpferstädtchen Bechyně.

Tábor, autobusové nádraží, zastávka MHD
Foto: ŠJů, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Was die Stadt sonst zu bieten hat

Außerhalb der Mauern lohnt der Wallfahrtsort Klokoty mit seiner barocken Kirche einen kurzen Ausflug.

Das Museum der Fotografie Šechtl und Voseček bewahrt die Arbeit einer alteingesessenen Fotografenfamilie aus Tábor.

In der Umgebung der Stadt wurden mehrfach Welt- und Europameisterschaften im Querfeldeinradsport ausgetragen.

Wer Ruhe sucht, findet sie an den Ufern der Lužnice unterhalb der hoch gelegenen Altstadt.

Tábor, Husovo náměstí, nádraží od zastávky MHD
Foto: ŠJů, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Ankommen in Tábor

Der Bahnhof liegt etwas unterhalb der historischen Oberstadt, die sich zu Fuß in wenigen Minuten erreichen lässt.

Vom Bahnsteig führt der Weg leicht bergauf zum Žižka-Platz und in das verwinkelte Netz der alten Gassen.

Wer Zeit mitbringt, kann vom selben Bahnhof in die Bechyňka umsteigen und die historische Bahn selbst erleben.

So verbindet Tábor die große Hauptstrecke nach Prag mit einem Stück früher europäischer Eisenbahngeschichte.

Tábor, nádraží, vlak z Bechyně
Foto: Phil Richards, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Häufige Fragen

Wo liegt Tábor?
Tábor liegt im Süden Tschechiens in der Region Südböhmen und hat rund 35.000 Einwohner.
An welcher Bahnstrecke liegt der Bahnhof Tábor?
Er liegt an der Strecke von České Velenice nach Prag, die über Veselí nad Lužnicí und Benešov in die Hauptstadt führt.
Was ist die Bechyňka?
So heißt die Lokalbahn von Tábor nach Bechyně, die 1903 als erste elektrische Vollbahn Österreich-Ungarns eröffnet wurde.
Warum ist die Strecke technisch besonders?
Sie wird bis heute mit 1,5 Kilovolt Gleichspannung betrieben und ist die letzte Bahn Tschechiens mit diesem Stromsystem.
Was kann man in Tábor besichtigen?
Sehenswert sind der Žižka-Platz, die Burg Kotnov mit dem Bechyně-Tor, die unterirdischen Gänge und das Hussitenmuseum.

Weiterfahrt

→ Der Bahnhof Prag hlavní nádraží, Fantas Jugendstilbau – die größte Stadt Südböhmens, rund eine Stunde Bahnfahrt südlich

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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