Ortstermin
„Nächster Halt Tábor, bitte umsteigen zur Lokalbahn nach Bechyně.“
Der Bahnhof Tábor, Umsteigepunkt zwischen Prager Hauptstrecke und der ältesten Elektrobahn Böhmens
→ Ein Ortstermin in Südböhmen.
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Kurz gesagt
Tábor ist eine Hussitenstadt in Südböhmen, deren Bahnhof an der Hauptstrecke von Prag nach České Budějovice liegt. Von hier zweigt die Bechyňka ab, die 1903 als erste elektrisch betriebene Vollbahn Österreich-Ungarns eröffnet wurde.
Tábor gehört zu den Orten, deren Bahnhof zwei ganz unterschiedliche Welten verbindet.
Auf der einen Seite liegt die große Hauptstrecke, die Wien einst mit Prag verband und bis heute den Fernverkehr trägt.
Auf der anderen Seite beginnt hier eine kleine Lokalbahn, die vor über hundert Jahren Technikgeschichte geschrieben hat.

Eine Stadt auf dem Berg der Hussiten
Tábor liegt im Süden Tschechiens in der Region Südböhmen und zählt heute rund 35.000 Einwohner.
Gegründet wurde die Stadt im Jahr 1420 als Hochburg der hussitischen Bewegung, die sich nach dem tschechischen Reformator Jan Hus benannte.
Ihren Namen trägt sie nach dem biblischen Berg Tabor, denn die radikalen Hussiten verstanden ihre Siedlung als heiligen Ort.
Angeführt wurde die Gründung von Jan Žižka, einem der bekanntesten Feldherren der böhmischen Geschichte.

Von der Wehrsiedlung zur Handelsstadt
Die Gründer wählten einen Bergsporn über dem Fluss Lužnice, auf dem bereits die alte Burg Kotnov stand.
Rund um diesen Kern entstand eine dicht gebaute Stadt mit engen Gassen, die sich gut verteidigen ließ.
Im Lauf der Jahrhunderte entwickelte sich Tábor zu einer wohlhabenden Handels- und Handwerkerstadt an der Straße von Linz über Budweis nach Prag.
Das historische Zentrum ist so gut erhalten, dass es 1961 zum städtischen Denkmalreservat erklärt wurde.

Gut zu wissen
Tábor liegt an der Bahnstrecke České Velenice–Prag, die 1871 eröffnet wurde und heute zum vierten tschechischen Eisenbahnkorridor gehört.
Die Lokalbahn nach Bechyně wurde im Juni 1903 eröffnet und gilt als erste elektrisch betriebene Vollbahn Österreich-Ungarns.
Sie wird bis heute mit 1,5 Kilovolt Gleichspannung betrieben und ist damit die letzte Strecke dieser Art in Tschechien.
Rund um den Žižka-Platz
Das Herzstück der Altstadt ist das Žižkovo náměstí, der große Platz mit dem Denkmal für Jan Žižka.
Unter den Häusern verläuft ein Labyrinth unterirdischer Gänge, das einst als Lager und als Zuflucht in Kriegszeiten diente.
Von der mittelalterlichen Befestigung sind die Burg Kotnov und das Bechyně-Tor erhalten, die ältesten Wehrbauten der Stadt.
Im früheren Rathaus am Platz zeigt das Hussitenmuseum die Geschichte der Bewegung und ihrer Zeit.

Als die Eisenbahn nach Tábor kam
Tábor liegt an der Bahnstrecke von České Velenice nach Prag, die den Ort mit der Landeshauptstadt verbindet.
Diese Strecke wurde 1871 eröffnet und führt über Veselí nad Lužnicí, Tábor und Benešov bis nach Prag.
Ursprünglich war sie Teil der Kaiser-Franz-Josephs-Bahn, die von Wien über Gmünd eine direkte Verbindung nach Prag herstellte.
So wurde der Bahnhof früh zu einem wichtigen Halt auf dem Weg zwischen Wien, Budweis und der böhmischen Hauptstadt.

Ein Knoten auf dem Weg nach Prag
Heute ist der Abschnitt zwischen Veselí nad Lužnicí und Prag Teil des vierten tschechischen Eisenbahnkorridors.
Dieser Korridor wird seit Jahren für höhere Geschwindigkeiten und für durchgehend zweigleisigen Betrieb ausgebaut.
Der Bahnhof Tábor ist dabei der zentrale Halt in diesem Teil Südböhmens.
Von hier erreicht man Prag und České Budějovice im schnelleren Verkehr ebenso wie die umliegenden Orte im Nahverkehr.

Die Bechyňka, Böhmens erste elektrische Bahn
In Tábor beginnt die Lokalbahn nach Bechyně, die im Land liebevoll Bechyňka genannt wird.
Sie wurde im Juni 1903 eröffnet und war zu ihrer Zeit die erste elektrisch betriebene Vollbahn Österreich-Ungarns.
Eng verbunden ist ihr Bau mit dem Ingenieur František Křižík, der die elektrische Ausrüstung der Strecke und der Fahrzeuge entwarf.
Křižík hatte seine Erfahrung zuvor beim Bau der elektrischen Straßenbahnen in Prag und Pilsen gesammelt.

Technik und Fahrzeuge der Lokalbahn
Zur Eröffnung fuhren auf der Bechyňka zwei Triebwagen, die die Firma Ringhoffer in Prag mit Křižíks Elektrik baute.
Im Mai 1929 wurde die Strecke erweitert und erhielt eine veränderte Linienführung.
Bis heute ist die Bechyňka die letzte Eisenbahnstrecke Tschechiens, die mit 1,5 Kilovolt Gleichspannung betrieben wird.
Seit 1995 ist sie offiziell als regionale Bahn eingestuft und verbindet Tábor mit dem Töpferstädtchen Bechyně.

Was die Stadt sonst zu bieten hat
Außerhalb der Mauern lohnt der Wallfahrtsort Klokoty mit seiner barocken Kirche einen kurzen Ausflug.
Das Museum der Fotografie Šechtl und Voseček bewahrt die Arbeit einer alteingesessenen Fotografenfamilie aus Tábor.
In der Umgebung der Stadt wurden mehrfach Welt- und Europameisterschaften im Querfeldeinradsport ausgetragen.
Wer Ruhe sucht, findet sie an den Ufern der Lužnice unterhalb der hoch gelegenen Altstadt.

Ankommen in Tábor
Der Bahnhof liegt etwas unterhalb der historischen Oberstadt, die sich zu Fuß in wenigen Minuten erreichen lässt.
Vom Bahnsteig führt der Weg leicht bergauf zum Žižka-Platz und in das verwinkelte Netz der alten Gassen.
Wer Zeit mitbringt, kann vom selben Bahnhof in die Bechyňka umsteigen und die historische Bahn selbst erleben.
So verbindet Tábor die große Hauptstrecke nach Prag mit einem Stück früher europäischer Eisenbahngeschichte.

Häufige Fragen
Wo liegt Tábor?
An welcher Bahnstrecke liegt der Bahnhof Tábor?
Was ist die Bechyňka?
Warum ist die Strecke technisch besonders?
Was kann man in Tábor besichtigen?
Weiterfahrt
→ Der Bahnhof Prag hlavní nádraží, Fantas Jugendstilbau – die größte Stadt Südböhmens, rund eine Stunde Bahnfahrt südlich
