Der Bahnhof Geisenheim, ein Backsteinbau zwischen Rhein und Reben

Ortstermin

„Nächster Halt Geisenheim; Ausstieg in Fahrtrichtung links zum Rhein, rechts zum Rheingauer Dom.“

Der Bahnhof Geisenheim, ein Backsteinbau zwischen Rhein und Reben

→ Ein Ortstermin in Geisenheim im Rheingau.

Lesezeit: 9 Minuten · Schalter: Ortstermin

Kurz gesagt

Der Bahnhof Geisenheim wurde am 11. August 1856 an der rechten Rheinstrecke eröffnet und 1886 an seinen heutigen Platz verschoben. Er liegt mitten in der Weinstadt, in der der Rheingauer Dom, der Pfefferzoll und die Hochschule Geisenheim zu Hause sind.

Wer in Geisenheim aussteigt, steht zwischen zwei Welten, dem Rhein auf der einen und den Weinbergen des Rheingaus auf der anderen Seite.

Der Bahnhof ist ein Backsteinbau mit neugotischen Formen, der seit über 130 Jahren an derselben Stelle steht.

Rundherum liegt eine kleine Stadt, die für ihren Wein, ihren Dom und ihre Hochschule bekannt ist.

CC Geisenheim Feuershow
Foto: Johannes Marx, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Ankunft zwischen Rhein und Reben

Der Zug hält an der rechten Rheinstrecke, dort, wo das Rheintal breit wird und die Hänge sich mit Reben füllen.

Vom Bahnsteig sind es nur wenige Schritte bis zum roten Backsteingebäude mit seinen spitzbogigen Fenstern.

Zur einen Seite führt der Weg hinunter zum Rhein, zur anderen hinauf in die Altstadt.

Geisenheim ist keine große Stadt, aber eine, die sich zu Fuß gut erschließen lässt.

Der Bahnhof ist dabei ein guter Startpunkt, weil er fast in der Mitte liegt.

Die Gärten von Monrepos bei Geisenheim Gartenparterre k
Foto: Ludwig von Ompteda:, Public domain, via Wikimedia Commons

Ein Bahnhof von 1856

Der Bahnhof Geisenheim wurde am 11. August 1856 eröffnet, zusammen mit dem Abschnitt Wiesbaden–Rüdesheim der Nassauischen Rheinbahn.

Die Strecke folgt dem rechten Rheinufer und verband den Rheingau erstmals fest mit Wiesbaden und dem übrigen Netz.

Für die Weinorte am Fluss war das ein großer Schritt, denn der Wein ließ sich nun mit der Bahn verschicken.

Der erste Bahnhof lag noch etwas weiter westlich, in der Nähe der Beinstraße.

Schon nach drei Jahrzehnten wurde er jedoch verschoben.

Bahnhof Geisenheim 001
Foto: Marion Halft, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Gut zu wissen

Der Bahnhof Geisenheim liegt an der rechten Rheinstrecke Wiesbaden–Koblenz; Regionalzüge bringen einen in gut einer halben Stunde nach Wiesbaden.

Die Weinstadt ist Sitz der Hochschule Geisenheim und trägt seit 2015 den Zusatz Hochschulstadt.

Sehenswert sind der Rheingauer Dom, der Pfefferzoll und die alten Adelshöfe, alle nur wenige Minuten vom Bahnhof entfernt.

Warum der Bahnhof umzog

1886 verlegte man den Bahnhof um einige hundert Meter nach Osten an seinen heutigen Platz.

Dabei entstand das Empfangsgebäude, das wahrscheinlich nach Plänen von Paul Rowald errichtet und um 1900 erweitert wurde.

Es ist ein Typenbau aus hellem Backstein mit neugotischen Formen, wie er ähnlich auch in Hattenheim und Assmannshausen steht.

Über einem Fenster sitzt im Schlussstein ein preußischer Wappenadler, ein Hinweis auf die Bauzeit unter preußischer Verwaltung.

Neben dem Gebäude blieb ein alter Güterschuppen mit Stufengiebeln erhalten, der später mehrfach verändert wurde.

Bahnhof Geisenheim 002 Güterhalle
Foto: Marion Halft, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die rechte Rheinstrecke

Der Bahnhof liegt an der rechten Rheinstrecke, die Wiesbaden mit Koblenz verbindet.

Heute halten hier vor allem Regionalzüge, mit denen Wiesbaden in gut einer halben Stunde erreichbar ist.

In der Gegenrichtung führt die Strecke rheinabwärts nach Rüdesheim, Lorch und weiter durch das enge Tal des Mittelrheins.

Parallel zur Bahn läuft die Bundesstraße 42, sodass sich Schiene und Straße das schmale Ufer teilen.

Wer den Rheingau erkunden will, nutzt den Bahnhof gern als Ausgangspunkt für kurze Fahrten von Ort zu Ort.

Geisenheim schoenborn 2016
Foto: Klaus Graf, CC0, via Wikimedia Commons

Ein Stellwerk für den ganzen Rheingau

Am 3. Oktober 2014 ging in Geisenheim ein altes Relaisstellwerk der Bauform Dr S2 außer Betrieb.

Seither ist der Bahnhof an ein elektronisches Stellwerk angeschlossen, das den Betrieb von einem Rechner aus steuert.

Von diesem Stellwerk werden alle Bahnhöfe im Rheingau ferngesteuert, nur Rüdesheim sollte später folgen.

So wurde aus dem kleinen Bahnhof ein wichtiger Punkt für die Technik der ganzen Strecke.

Das erste Relaisstellwerk hatte hier immerhin schon 1954 seinen Dienst aufgenommen.

Geisenheim Alter Friedhof mit Ehrenfriedhof Mausoleum Familie Lade 003
Foto: Aidexxx, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Rheingauer Dom

Vom Bahnhof aus fällt der Blick schnell auf die Pfarrkirche Heilig Kreuz, die alle nur den Rheingauer Dom nennen.

Ihre neugotische Doppelturmfassade stammt aus dem 19. Jahrhundert, während Langhaus und Chor bis in den Anfang des 16. Jahrhunderts zurückreichen.

Im Inneren finden sich bedeutende Grabmäler und eine reiche Ausstattung.

Berühmt ist die Stumm-Orgel aus dem 19. Jahrhundert, die dem Raum bei Konzerten eine volle Stimme gibt.

Die beiden Türme sind von weitem zu sehen und geben der Weinstadt ihre Silhouette.

Geisenheim Alter Friedhof mit Ehrenfriedhof Mausoleum Familie Lade 004
Foto: Aidexxx, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Pfefferzoll und Altstadt

Ein kleines Haus mit schönem Erker trägt den Namen Pfefferzoll.

Hier sollen vorbeifahrende Schiffer einst Zoll gezahlt haben, und zwar in Pfeffer, der damals so wertvoll war wie Geld.

Heute steht das Häuschen über 200 Meter vom Rhein entfernt am Rand der Altstadt.

In den Gassen finden sich alte Adelshöfe wie der Kronberger Hof und der Eberbacher Hof, der einst zum Kloster Eberbach gehörte.

So erzählt schon ein kurzer Spaziergang vom Reichtum, den der Wein in die Stadt gebracht hat.

Marienkirche Geisenheim (03)
Foto: Marion Halft, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Stadt des Weins und der Forschung

Geisenheim ist nicht nur eine Weinstadt, sondern auch eine Stadt der Weinforschung.

Im 19. Jahrhundert gründete Eduard von Lade hier eine Forschungsanstalt, aus der die heutige Hochschule Geisenheim hervorging.

Seit 2015 darf sich die Stadt deshalb offiziell Hochschulstadt nennen.

Die von Lade erbaute Villa Monrepos steht bis heute in einem großen Park.

Jedes Jahr im Juli feiert Geisenheim außerdem sein Lindenfest, das der Stadt den Beinamen Lindenstadt eingetragen hat.

Erbslöh Geisenheim Kaolin (02)
Foto: Marion Halft, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ankommen in Geisenheim

Ankommen in Geisenheim heißt, zwischen Fluss und Weinberg auszusteigen und sich einfach treiben zu lassen.

Vom Bahnhof sind es nur wenige Minuten bis zum Rheinufer, wo Schiffe und Radwege vorbeiführen.

In die andere Richtung locken der Dom, die alten Höfe und die Gassen der Altstadt.

Wer mag, fährt mit der Bahn weiter, denn die nächsten Weinorte liegen nur eine kurze Fahrt entfernt.

Am Ende bleibt Geisenheim als das in Erinnerung, was es ist, ein freundlicher Halt zwischen Rhein und Reben.

Kanadagänse bei Geisenheim II
Foto: GerritR, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Häufige Fragen

Wann wurde der Bahnhof Geisenheim eröffnet?
Am 11. August 1856, zusammen mit dem Abschnitt Wiesbaden–Rüdesheim der Nassauischen Rheinbahn. 1886 wurde er an seinen heutigen Platz verlegt.
An welcher Strecke liegt Geisenheim?
An der rechten Rheinstrecke, die Wiesbaden mit Koblenz verbindet. Heute halten hier vor allem Regionalzüge.
Was ist der Rheingauer Dom?
So nennt man die Pfarrkirche Heilig Kreuz. Ihre neugotische Doppelturmfassade stammt aus dem 19. Jahrhundert, Langhaus und Chor reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück.
Warum heißt Geisenheim Hochschulstadt?
Weil die Stadt Sitz der Hochschule Geisenheim ist, die aus einer Forschungsanstalt des 19. Jahrhunderts hervorging. Den offiziellen Zusatz trägt sie seit 2015.
Was hat es mit dem Pfefferzoll auf sich?
Ein kleines Haus mit Erker erinnert an eine Zollstelle, an der Schiffer einst mit dem wertvollen Pfeffer zahlten. Es steht heute am Rand der Altstadt.

Weiterfahrt

→ Ortstermin: Wiesbaden Hauptbahnhof – Die Nachbarstadt mit der Drosselgasse liegt nur eine kurze Fahrt rheinabwärts.

→ Ortstermin: Der Bahnhof Wiesbaden – Die hessische Landeshauptstadt ist über die rechte Rheinstrecke in gut einer halben Stunde erreichbar.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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