Blockabschnitt: Warum immer nur ein Zug pro Abschnitt fährt

Ich verstehe nur Bahnhof · Das Wörterbuch · Begriff 045

„Wir stehen hier wegen eines vorausfahrenden Zuges.“

Blockabschnitt

→ Übersetzt: Ein Abschnitt, ein Zug. Deshalb stehst du hinter jemandem.

Lesezeit: 5 Minuten · Zug & Technik

Die 30-Sekunden-Antwort

Jede Strecke ist in Abschnitte geteilt, sogenannte Blockabschnitte. In jedem darf sich immer nur ein Zug befinden. Erst wenn der vordere Zug den Abschnitt verlassen hat, zeigt das Signal dahinter Grün. Das verhindert Auffahrunfälle zuverlässig. Es begrenzt aber auch, wie viele Züge pro Stunde fahren können. Kurze Abschnitte bedeuten mehr Züge.

Dein Zug steht auf freier Strecke.

Kein Bahnhof, kein Hindernis, kein Grund zu sehen.

Dann die Durchsage: ein vorausfahrender Zug.

Der ist längst außer Sichtweite. Trotzdem blockiert er dich.

Der Grund dafür ist eine Regel aus dem 19. Jahrhundert.

Sie ist der Grund, warum in Deutschland fast nie Züge auffahren.

Mehrere Lichtsignale stehen in regelmäßigen Abständen entlang einer Bahnstrecke
Jedes dieser Signale markiert den Anfang eines neuen Abschnitts. Symbolbild, mit KI erstellt.

Das Grundprinzip

Ein Zug kann nicht auf Sicht bremsen. Sein Bremsweg ist viel zu lang.

Bei 160 Stundenkilometern braucht er über einen Kilometer.

Was der Lokführer sieht, ist also längst zu spät.

Deshalb wird die Strecke in Abschnitte geteilt.

In jedem Abschnitt darf immer nur ein Zug sein.

Das Signal am Anfang zeigt erst dann Grün, wenn der Abschnitt frei ist.

Wie das Signal es weiß

Die Technik prüft, ob der Abschnitt besetzt ist.

Früher über einen Stromkreis in den Schienen, den ein Zug kurzschließt.

Heute oft über Achszähler, die einfach nachrechnen.

Sie zählen die Achsen beim Einfahren und beim Ausfahren.

Stimmen beide Zahlen überein, ist der Abschnitt leer.

Stimmen sie nicht, bleibt das Signal rot. Ohne Diskussion.

Wie Signale und Betrieb zusammenhängen, erklärt dieses Video.

Video: „Der Bahnbetrieb – Erläuterung Signal usw.“ vom Kanal Spur-0-Blog.

Warum das deine Fahrzeit bestimmt

Jetzt kommt der Teil, der im Alltag zählt.

Die Länge der Abschnitte entscheidet, wie dicht Züge fahren können.

Kurze Abschnitte, mehr Züge

LANGE ABSCHNITTE

Großer Abstand zwischen den Zügen. Wenige Züge pro Stunde möglich.

KURZE ABSCHNITTE

Die Züge dürfen dichter folgen. Deutlich mehr Verkehr auf derselben Strecke.

MIT ETCS

Der Abstand wird laufend berechnet statt fest verbaut. Die Strecke fässt noch mehr Züge.

Deshalb ist ein Netzausbau nicht immer ein neues Gleis. Manchmal reicht neue Technik.

Ein einziger langsamer Zug hält alles auf, was hinter ihm fährt.

Er belegt Abschnitt für Abschnitt länger als geplant.

Genau das ist der Dominoeffekt bei Verspätungen.

„Wir haben leider keine Freigabe für die Weiterfahrt.“

→ Übersetzt: Vor uns ist ein Abschnitt besetzt. Wir sehen den Zug auch nicht.

Warum es trotzdem sicher ist

Diese Regel ist unbequem, aber sie funktioniert seit über hundert Jahren.

Ein Signal lässt sich nicht auf Grün stellen, solange der Abschnitt besetzt ist.

Der Mensch kann diesen Fehler nicht machen. Die Technik erlaubt ihn nicht.

Und fährt jemand trotzdem über Rot, greift die Zugsicherung ein und bremst.

Deshalb ist Bahnfahren so sicher, und deshalb steht dein Zug manchmal ohne sichtbaren Grund.

Wer das weiß, ärgert sich beim nächsten Halt auf freier Strecke ein Stück weniger.

Wie ein Stellwerk diese Abschnitte verwaltet, steht dort.

Wie lang so ein Abschnitt ist

Das hängt vom Bremsweg der Züge ab, die dort fahren.

Auf Schnellfahrstrecken sind die Abschnitte mehrere Kilometer lang.

In S-Bahn-Netzen sind sie oft nur wenige hundert Meter kurz.

Deshalb kann eine S-Bahn im Zwei-Minuten-Takt fahren, ein ICE nicht.

Kurze Abschnitte brauchen aber mehr Technik und mehr Signale.

Jeder zusätzliche Abschnitt kostet Geld in Bau und Wartung.

Deshalb wird nur dort verdichtet, wo wirklich viele Züge fahren.

Das Vorsignal als Lösung

Ein Zug kann nicht am roten Signal anhalten, wenn er es erst dort sieht.

Deshalb steht davor ein Vorsignal.

Es zeigt an, was das nächste Hauptsignal zeigen wird.

Der Abstand zwischen beiden entspricht dem Bremsweg.

In Deutschland sind das meist 1000 Meter.

Wer also ein gelbes Signal sieht, weiß: In einem Kilometer ist Schluss.

Mehr dazu steht bei den Signalen.

Ein Sonderfall ist das Fahren auf Sicht.

Bei einer Störung darf ein Zug ausnahmsweise langsam in einen Abschnitt fahren.

Dann gilt Schrittgeschwindigkeit und der Lokführer muss jederzeit halten können.

Das ist der Grund, warum es nach einer Störung so quälend langsam weitergeht.

Warum kurze Abschnitte teuer sind

Je kürzer ein Abschnitt, desto dichter fahren Züge.

Das klingt nach einer einfachen Lösung.

Nur braucht jeder Abschnitt eigene Technik.

Signale, Gleisfreimeldung, Kabel und Wartung.

Wer die Abschnitte halbiert, verdoppelt diese Kosten.

Deshalb ist das nur auf stark belasteten Strecken sinnvoll.

Auf Nebenstrecken sind die Abschnitte oft kilometerlang.

Dort fährt ohnehin selten ein Zug.

Die digitale Technik löst dieses Problem anders.

Sie kommt ganz ohne feste Abschnitte aus.

Damit entfällt die Rechnung mit den Kabeln.

Wie lang ein Blockabschnitt wirklich ist

Die Länge ist kein Zufall. Sie richtet sich nach dem Bremsweg.

Auf normalen Hauptstrecken liegt sie meist zwischen einem und zwei Kilometern.

Auf Schnellfahrstrecken ist sie länger, weil ein ICE mehr Weg zum Bremsen braucht.

In dicht befahrenen Bereichen wie S-Bahn-Stammstrecken sind die Abschnitte deutlich kürzer.

Je kürzer der Abschnitt, desto mehr Züge passen auf die Strecke. Und desto teurer wird die Technik.

Warum das System trotzdem so sicher ist

Der Blockabschnitt ist der Grund, warum Auffahrunfälle auf der Schiene extrem selten sind.

Kein Zug darf in einen belegten Abschnitt einfahren. Das prüft die Technik, nicht der Mensch.

Fällt die Technik aus, bleiben alle Signale rot. Das ist der sichere Zustand.

Dazu kommt die Zugsicherung. Überfährt ein Zug trotzdem ein rotes Signal, bremst er automatisch.

Dieses Prinzip ist über hundert Jahre alt. Es hat sich in seiner Grundidee nie geändert.

Alle Fragen zum Thema

Was ist ein Blockabschnitt?

Ein Streckenteil, in dem sich immer nur ein Zug befinden darf. Er beginnt und endet an einem Signal. Erst wenn der Zug ihn verlassen hat, darf der nächste hinein.

Woher weiß das Signal, dass der Abschnitt frei ist?

Über Gleisstromkreise oder Achszähler. Der Gleisstromkreis merkt, dass ein Zug die Schienen verbindet. Der Achszähler zählt Achsen am Anfang und am Ende und vergleicht sie.

Warum bestimmt das meine Fahrzeit?

Weil dein Zug erst weiterfahren darf, wenn der vordere Abschnitt frei ist. Auf einer vollen Strecke wartest du deshalb ständig auf den Zug vor dir. Das ist der eigentliche Kapazitätsengpass.

Warum kann der Zug nicht auf Sicht fahren?

Weil sein Bremsweg viel länger ist als die Sichtweite. Ein ICE braucht aus dreihundert Stundenkilometern mehrere Kilometer zum Anhalten. Auf Sicht fährt ein Zug nur im Schritttempo.

Wie hilft das Vorsignal?

Es zeigt tausend Meter vorher, was das nächste Hauptsignal zeigt. So kann der Lokführer rechtzeitig bremsen. Ohne Vorsignal wäre die Blocklogik nicht fahrbar.

Warum sind kurze Abschnitte teuer?

Weil jeder Abschnitt eigene Signale, Kabel und Technik braucht. Halbierst du die Länge, verdoppelst du ungefähr die Anlagen. Deshalb wird das nur dort gemacht, wo es sich rechnet.

Was ändert ETCS daran?

Bei der höchsten Stufe entfallen feste Blöcke. Der Abstand richtet sich dann in Echtzeit am Bremsweg aus. Damit passen deutlich mehr Züge auf dieselbe Strecke.

Kann ein Zug rückwärts in einen Abschnitt fahren?

Nur mit ausdrücklicher Erlaubnis des Fahrdienstleiters. Die Technik erwartet Bewegung in eine Richtung. Rückwärtsfahrten sind deshalb immer eine Sonderprozedur.

Merke ich als Fahrgast etwas vom Blocksystem?

Ja, jedes Mal wenn dein Zug auf freier Strecke steht. Er wartet dann darauf, dass der Abschnitt vor ihm frei wird. Genau das steckt hinter dem Satz von der Verzögerung im Betriebsablauf.

Der Chefübersetzer sagt

„Ein Abschnitt, ein Zug. Die Bahn hat die Abstandsregel erfunden, lange bevor sie modern wurde.“

Das heißt für dich am Gleis

1. Halt auf freier Strecke ist meist harmlos. Vor dir ist nur ein Abschnitt belegt.

2. Ein langsamer Zug vor dir kostet dich Zeit, auch wenn du ihn nie siehst.

3. Neue Technik bringt mehr Züge aufs Gleis als mancher Neubau.

Weiterfahrt

Stellwerk – Begriff 005 im Wörterbuch

Signal – Begriff 018

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Demnächst auf der Tafel: ETCS · Stromabnehmer · Bremsprobe

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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