Sollten barrierefreie Bahnhofstoiletten mit dem Euroschlüssel zugänglich sein?

Standpunkt

„Sehr geehrte Reisende, die behindertengerechte Toilette ist frei, sauber und verschlossen – den passenden Schlüssel trägt nicht jeder bei sich.“

Sollten barrierefreie Bahnhofstoiletten mit dem Euroschlüssel zugänglich sein?

→ Eine Tür, die nur mit dem richtigen Schlüssel aufgeht, kann schützen oder aussperren.

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Worum es geht

Ja, aber. Der Euroschlüssel sichert, dass behindertengerechte Toiletten sauber, frei und für die Berechtigten verlässlich nutzbar sind, und sollte deshalb an Bahnhöfen Standard sein. Er darf aber nicht der einzige Weg bleiben: Wer keinen Schlüssel hat, braucht eine erreichbare Alternative über Personal oder eine freie Kabine.

Eine barrierefreie Toilette nützt nur, wenn sie offen, sauber und benutzbar ist.

Oft ist sie das Gegenteil: zugestellt, verschmutzt oder von Unbefugten belegt.

Der Euroschlüssel verspricht hier Abhilfe, indem er die Tür nur für die öffnet, die ihn brauchen.

Die Frage ist, ob ein einheitlicher Schlüssel eine gute Lösung ist oder eine neue Hürde schafft.

Bahnsteige U1 Station Südtiroler Platz DSC06374
Foto: Der gelehrte hermes, Public domain, via Wikimedia Commons

Was der Euroschlüssel ist

Der Euroschlüssel ist ein einheitlicher Schlüssel, der behindertengerechte Toiletten und Anlagen aufschließt.

Eingeführt wurde er 1986 vom Club Behinderter und ihrer Freunde in Darmstadt.

Mit ihm lassen sich Toiletten an Autobahnen, Bahnhöfen, in Fußgängerzonen, Museen und Behörden selbstständig und kostenlos nutzen.

Verbreitet ist das System vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

In Großbritannien gibt es mit dem RADAR-Schlüssel ein ähnliches Prinzip.

WL 8152, Südtiroler Platz Hauptbahnhof, 2019 (02)
Foto: Bahnfrend, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wie viele Türen er öffnet

Das Verzeichnis des Vereins nannte 2022 rund 12.000 Toilettenstandorte.

Ein vollständiges Verzeichnis existiert allerdings nicht.

Der Schlüssel ist ein Wendeschlüssel, der sich beidseitig einführen lässt.

Verkauft wird er unter anderem vom CBF Darmstadt und vom BSK.

Eine zeitliche Beschränkung gibt es nicht; einmal gekauft, bleibt er gültig.

Wer ihn bekommt

Um Missbrauch zu verhindern, muss die Beeinträchtigung beim Kauf nachgewiesen werden.

Grundlage ist in der Regel der Schwerbehindertenausweis.

Berechtigt sind unter anderem blinde Menschen, Rollstuhlfahrer und Menschen mit schwerer Gehbehinderung.

Auch bestimmte chronische Erkrankungen und ein Grad der Behinderung ab 70 mit dem Merkzeichen G zählen dazu.

Der Nachweis sorgt dafür, dass der Schlüssel in den richtigen Händen bleibt.

Warum verschlossene Türen helfen

Eine frei zugängliche Behindertentoilette wird oft zweckentfremdet.

Sie dient als Umkleide, Lager oder Rückzugsort und ist dann gerade dann belegt, wenn jemand sie dringend braucht.

Der Euroschlüssel hält diese Tür für die Berechtigten frei.

Das erhöht die Chance, dass die Toilette sauber und sofort nutzbar ist.

Für viele Reisende mit Behinderung entscheidet genau das über die Möglichkeit, überhaupt zu fahren.

Die Kehrseite des Schlüssels

Ein Schlüssel, den man nicht dabei hat, nützt nichts.

Wer spontan reist oder seinen Schlüssel vergisst, steht vor verschlossener Tür.

Auch Menschen mit vorübergehender Einschränkung oder ohne passenden Ausweis fallen durchs Raster.

Eine Toilette, die nur mit Schlüssel aufgeht, kann so vom Schutz zur Sperre werden.

Deshalb braucht es immer einen zweiten Weg hinein.

Der zweite Weg hinein

An besetzten Bahnhöfen kann Personal die Tür öffnen oder einen Schlüssel bereithalten.

An unbesetzten Stationen helfen ein Notruf oder eine erreichbare Servicestelle.

Wichtig ist, dass niemand allein deshalb scheitert, weil er den Schlüssel nicht besitzt.

Der Euroschlüssel sollte die Regel sein, nicht die einzige Möglichkeit.

So bleibt die Toilette geschützt und zugleich im Notfall erreichbar.

Was der Bahnhof dafür tun müsste

Die Umrüstung verlangt einheitliche Schließzylinder, die schon bei Planung und Bau vorgesehen werden können.

Bestehende Toiletten ließen sich nach und nach umrüsten.

Hinweisschilder müssten klar zeigen, wo der Schlüssel passt und wo man ihn bekommt.

Der Aufwand ist überschaubar, der Nutzen für die Betroffenen groß.

Einheitliche Technik macht die Reise über viele Bahnhöfe hinweg verlässlich.

Teil einer barrierefreien Kette

Eine Toilette ist nur ein Glied in der Kette aus Aufzug, Bahnsteig, Einstieg und Information.

Reißt ein Glied, nützt der Rest wenig.

Der Euroschlüssel schließt eine konkrete Lücke in dieser Kette.

Er ersetzt aber weder Personal noch gute Wartung.

Barrierefreiheit entsteht erst, wenn alle Teile zusammenpassen.

Der Zug als umweltfreundliche Wahl

Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.

Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.

Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.

Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.

Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.

So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.

Die Bahn und der Klimaschutz

Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.

Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.

Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.

Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.

Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.

Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.

Ein Blick in die Zukunft

Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.

Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.

Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.

Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.

Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.

So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.

Pro und Contra

Dafür

+  Der Euroschlüssel hält behindertengerechte Toiletten frei von Zweckentfremdung und damit nutzbar, wenn sie gebraucht werden.

+  Als bundesweit einheitliches System funktioniert er an rund 12.000 Orten gleich und macht Reisen planbar.

+  Der Nachweis beim Kauf sorgt dafür, dass der Schlüssel bei den Berechtigten bleibt.

+  Er ermöglicht selbstständigen, kostenlosen Zugang ohne Bitten und Warten auf Personal.

+  Die Umrüstung ist technisch einfach und bei Neubauten ohnehin leicht vorzusehen.

+  Ein verlässliches stilles Örtchen entscheidet für viele Menschen überhaupt über die Fahrt.

Dagegen

−  Ein Schlüssel nützt nichts, wenn man ihn nicht dabei hat oder gar nicht besitzt.

−  Menschen mit vorübergehender Einschränkung oder ohne passenden Ausweis bleiben außen vor.

−  Die Tür kann so vom Schutz zur Sperre werden, wenn es keinen zweiten Weg gibt.

−  Verschlossene Toiletten verlagern das Problem nur, wenn Reinigung und Wartung weiter fehlen.

−  An unbesetzten Bahnhöfen ist im Notfall niemand da, der öffnen könnte.

−  Manche sehen in der Schlüsselpflicht eine zusätzliche Bürokratie statt echter Barrierefreiheit.

Unterm Strich

Der Euroschlüssel löst ein reales Problem: Er hält die behindertengerechte Toilette sauber und frei.

An Bahnhöfen sollte er deshalb zum Standard gehören.

Doch ein Schloss, das aussperrt, wer keinen Schlüssel hat, widerspricht dem Gedanken der Barrierefreiheit.

Richtig ist der Euroschlüssel nur mit einem zweiten, erreichbaren Weg hinein.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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