Die Bahnsteigkarte wieder einführen? Pro und Contra

Bahn-Slam · Standpunkt

„Sehr geehrte Besucher, ohne Bahnsteigkarte dürften Sie hier früher gar nicht stehen.“

Die Bahnsteigkarte wieder einführen?

→ Früher kostete der Weg zum Gleis 20 Pfennig – auch ohne Fahrschein. Wäre das heute noch sinnvoll?

Lesezeit: 6 Minuten · Bahnhof & Geschichte

Worum es geht

Bis 1974 gab es in Deutschland die Bahnsteigkarte: Wer nicht mitfahren, aber jemanden zum Zug bringen oder abholen wollte, löste für zehn oder zwanzig Pfennig eine kleine Karte und durfte damit an der Bahnsteigsperre vorbei. Mit den Sperren wurde sie abgeschafft. Die Frage: Sollte man die Bahnsteigkarte wiedereinführen?

Es ist eine kleine Szene, die es kaum noch gibt: jemanden am Zug in Empfang nehmen oder bis zur Tür verabschieden.

Früher regelte das die Bahnsteigkarte. Sie kostete ein paar Pfennig und öffnete die Bahnsteigsperre – auch ohne Fahrschein.

1974 wurde sie abgeschafft. Sollte sie zurückkehren?

Reisende auf einem Bahnsteig
Foto: Falk2, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Was die Bahnsteigkarte war

Deutsche Bahnhöfe hatten früher Bahnsteigsperren: Nur mit gültigem Fahrschein oder eben einer Bahnsteigkarte kam man auf den Bahnsteig.

Die Karte kostete zunächst zehn, später zwanzig Pfennig. Sie war für Begleiter gedacht, die nur mit zum Zug wollten.

Warum sie verschwand

Zum 1. Mai 1974 wurden Bahnsteigkarten und Sperren flächendeckend abgeschafft.

Der Grund: Die Einnahmen deckten die Kosten für Verkauf und Kontrolle längst nicht mehr, und die steigenden Fahrgastzahlen machten das alte System unpraktisch.

Die Argumente

Dafür

+  Abschied am Gleis: Angehörige könnten wieder bis zur Zugtür mitgehen – ein schönes Stück Reisekultur.

+  Klarer Zugang: Wer kein Ticket hat, aber auf den Bahnsteig will, hätte eine legale, günstige Möglichkeit.

+  Kleine Einnahme: Eine moderne, digitale Bahnsteigkarte könnte Bahnhöfe minimal mitfinanzieren.

+  Ordnung: Ein bewusster Zugang könnte helfen, überfüllte Bahnsteige besser zu steuern.

Dagegen

  Sperren nötig: Eine Bahnsteigkarte ergibt nur mit Zugangssperren Sinn – die müsste man erst wieder bauen.

  Aufwand und Kosten: Kontrolle und Technik kosten mehr, als die Karte je einbringen würde.

  Barrieren: Offene, frei zugängliche Bahnhöfe sind moderner, bequemer und barriereärmer.

  Überholt: Genau deshalb wurde das System vor 50 Jahren abgeschafft – zurück will kaum jemand.

Wie es heute läuft

Deutsche Bahnhöfe sind heute in der Regel frei zugänglich – ohne Sperre und ohne Bahnsteigkarte. Wer jemanden abholt oder verabschiedet, darf einfach mit auf den Bahnsteig. Kontrolliert wird stattdessen im Zug. Nur an wenigen Stellen (etwa bestimmten Flughafen- oder Auslandsbahnhöfen) gibt es noch Zugangskontrollen.

Und nun?

So charmant die Erinnerung an die Bahnsteigkarte ist – ihre Rückkehr wäre ein Rückschritt.

Sie funktioniert nur mit Sperren, und die wieder aufzubauen wäre teuer, unbequem und gegen den Trend offener Bahnhöfe.

Das schöne Bild vom Abschied am Gleis gibt es zum Glück ohnehin gratis: An den meisten Bahnhöfen darf heute jeder auf den Bahnsteig. Was früher zwanzig Pfennig kostete, ist heute einfach selbstverständlich.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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