Ich verstehe nur Bahnhof · Das Wörterbuch · Begriff 188
„Berühren Sie unter keinen Umständen die seitliche Stromschiene im Gleisbereich.“
Stromschiene
→ Übersetzt: Eine dritte Schiene, die ohne sichtbare Warnung tödlich sein kann.
Lesezeit: 6 Minuten · Zug & Technik
Die 30-Sekunden-Antwort
Die Stromschiene ist eine dritte, seitlich oder mittig verlegte Schiene, über die manche U-Bahnen und Schnellbahnen ihren Strom beziehen. Sie ersetzt in diesen Systemen die klassische Oberleitung. Der Vorteil liegt in geringerem Platzbedarf, besonders in engen Tunneln. Gleichzeitig macht die ungeschützte Stromführung diesen Bereich extrem gefährlich für jeden unbefugten Kontakt.
Über den Gleisen vieler Fernzüge hängt eine Oberleitung.
Bei manchen U-Bahnen suchst du danach vergeblich.
Der Strom kommt dort auf ganz anderem Weg.
Über eine dritte Schiene, direkt neben oder zwischen den Gleisen.
Unscheinbar, aber mit voller Betriebsspannung durchgehend geladen.
Ein System, das enorme Vorteile bringt und gleichzeitig hohe Vorsicht verlangt.

Wie das System technisch funktioniert
Eine zusätzliche Schiene neben den regulären Fahrschienen führt elektrischen Strom.
Ein Stromabnehmer am Fahrzeug gleitet seitlich oder von unten daran entlang.
Die eigentlichen Fahrschienen dienen dabei weiterhin nur der Rückleitung des Stroms.
Dieses Prinzip kommt vor allem bei U-Bahnen und manchen S-Bahn-Systemen zum Einsatz.
Es ist deutlich platzsparender als eine klassische Oberleitung.
Warum sich dieses System für Tunnel eignet
Eine Oberleitung braucht zusätzlichen Raum über dem Zug im Tunnelquerschnitt.
Das erhöht die Baukosten enger, tief liegender Tunnel erheblich.
Eine Stromschiene neben den Gleisen benötigt diesen zusätzlichen Raum nicht.
Tunnel können dadurch insgesamt kompakter und günstiger gebaut werden.
Gerade in dicht bebauten Innenstädten ist das ein entscheidender Vorteil.
Warum dieser Bereich so gefährlich ist
Die Stromschiene führt durchgehend die volle Betriebsspannung.
Anders als eine hoch hängende Oberleitung liegt sie in Griffnähe des Gleises.
Ein Kontakt kann sofort lebensgefährliche Folgen haben.
Deshalb ist das Betreten des Gleisbereichs bei solchen Systemen besonders strikt verboten.
Warnhinweise und bauliche Abstände sollen versehentlichen Kontakt zusätzlich verhindern.
Wie Sicherheit trotzdem gewährleistet wird
Abdeckungen und seitliche Schutzbleche verringern das Risiko eines versehentlichen Kontakts.
An Bahnsteigkanten sorgen taktile und optische Markierungen für zusätzliche Warnung.
Im Notfall lässt sich die Stromschiene abschnittsweise abschalten.
Rettungskräfte sind für den Umgang mit diesem System speziell geschult.
Trotz aller Vorsicht bleibt Eigenverantwortung der wichtigste Schutzfaktor.
Wo dieses System heute eingesetzt wird
Viele große U-Bahn-Systeme weltweit setzen auf Stromschienen statt Oberleitung.
Auch einzelne S-Bahn-Netze, etwa in Hamburg, nutzen dieses Prinzip.
Fernbahnstrecken verzichten dagegen fast immer auf dieses System.
Dort überwiegen die Vorteile der klassischen Oberleitung bei hohen Geschwindigkeiten.
Beide Systeme haben damit ihre jeweils klar definierten Einsatzbereiche.
Video: „Hamburgs besondere Stromschiene: So nimmt die S-Bahn Strom auf“ vom Kanal Baureihe 474.
„Berühren Sie unter keinen Umständen die seitliche Stromschiene im Gleisbereich.“
→ Übersetzt: Eine Warnung, die im wahrsten Sinne lebenswichtig ist.
Wie sich Hamburgs S-Bahn-System besonders auszeichnet
Die Hamburger S-Bahn nutzt seit Jahrzehnten konsequent das Stromschienensystem.
Damit unterscheidet sie sich deutlich von vielen anderen deutschen S-Bahn-Netzen.
Historisch bedingt entwickelte sich dieses System schon früh im 20. Jahrhundert.
Bis heute bleibt es fester Bestandteil des gesamten Streckennetzes dort.
Für Fahrgäste bleibt davon im Alltag praktisch nichts sichtbar.
Warum eine Umstellung heute kaum noch infrage kommt
Ein kompletter Wechsel zu Oberleitung würde enorme Umbaukosten verursachen.
Sämtliche Tunnel und Bahnhöfe müssten dafür angepasst werden.
Angesichts des bewährten Betriebs überwiegt der Aufwand den möglichen Nutzen deutlich.
Deshalb bleibt die Stromschiene dort auf absehbare Zeit die gesetzte Lösung.
Ein letztes Wort: Manchmal steckt die größte Gefahr genau dort, wo man sie am wenigsten erwartet.
Respekt vor der Technik bleibt hier der beste Schutz.
Wie internationale Standards damit umgehen
Auch international gibt es keine einheitliche Vorschrift für Stromschienensysteme.
Jedes Nahverkehrsnetz entwickelt eigene, angepasste Sicherheitskonzepte.
Ein Austausch von Fahrzeugen zwischen solchen Systemen ist deshalb kaum möglich.
Das unterscheidet Stromschienennetze deutlich von der eher vereinheitlichten Oberleitungstechnik.
So bleibt Respekt vor der Technik der beste Schutz, den es hier gibt.
Ein letzter Gedanke: Gute Technik erkennt man oft erst daran, wie selbstverständlich sie wirkt.
Diese stille Regel gilt an jeder einzelnen Stromschiene weltweit gleichermaßen.
Eine einfache Regel, die im Ernstfall über alles entscheidet.
Vorsicht bleibt hier wichtiger als Neugier, immer und überall.
Eine einfache Regel, die niemals eine Ausnahme kennt.
Respekt und Abstand bleiben hier die beste, einfachste Schutzmaßnahme.
Eine einzige Regel, konsequent befolgt, rettet hier im Zweifel Leben.
Warum die Stromschiene nur im Nahverkehr funktioniert
Sie hat einen entscheidenden Nachteil gegenüber der Oberleitung.
Die Spannung ist niedrig, meist unter tausend Volt Gleichstrom.
Bei niedriger Spannung fließt für dieselbe Leistung viel mehr Strom.
Das begrenzt Geschwindigkeit und Zuglänge deutlich.
Für eine S-Bahn mit kurzen Abständen reicht es. Für einen ICE über hundert Kilometer wäre es unmöglich.
Warum sie trotzdem gebaut wird
Sie hat einen Vorteil, der in Städten alles entscheidet.
Sie braucht keinen Platz nach oben. In einem Tunnel spart das viel Bauhöhe.
Ein Tunnel ohne Oberleitung kann deutlich kleiner und billiger ausfallen.
Auch unter Brücken und in engen Einschnitten ist sie im Vorteil.
Deshalb nutzen U-Bahnen sie fast überall und die S-Bahnen in Berlin und Hamburg ebenfalls.
Alle Fragen zum Thema
Was ist eine Stromschiene?
Eine zusätzliche Schiene neben oder über dem Gleis, die Strom liefert. Der Zug nimmt ihn über einen Schleifschuh ab. Sie ersetzt die Oberleitung.
Wo gibt es sie in Deutschland?
Bei den S-Bahnen in Berlin und Hamburg sowie bei allen U-Bahnen. Im übrigen Netz ist die Oberleitung Standard. Beide Systeme sind nicht kompatibel.
Welche Spannung liegt an?
Meist zwischen sechshundert und tausendzweihundert Volt Gleichstrom. Das ist deutlich weniger als in der Oberleitung. Dafür fließt mehr Strom.
Ist sie gefährlich?
Sehr. Auch bei niedrigerer Spannung ist die Berührung lebensgefährlich. Deshalb ist das Betreten des Gleisbereichs streng verboten.
Warum liegt sie manchmal seitlich, manchmal oben?
In Berlin wird der Strom von unten abgenommen, in Hamburg von oben. Beide Systeme sind historisch gewachsen. Deshalb können die Fahrzeuge nicht getauscht werden.
Warum keine hohen Geschwindigkeiten?
Weil der Schleifschuh bei hohem Tempo den Kontakt verliert. Auch die niedrige Spannung begrenzt die Leistung. Über hundert Stundenkilometer wird es schwierig.
Was ist der Vorteil im Tunnel?
Sie braucht keinen Platz über dem Zug. Der Tunnel kann deutlich kleiner gebaut werden. Das spart erhebliche Baukosten.
Was passiert bei Schnee und Eis?
Vereisung kann den Kontakt unterbrechen. Deshalb fahren im Winter Räumfahrzeuge und es gibt Enteisungsmittel. Vereiste Stromschienen sind eine typische Winterstörung.
Können Züge zwischen beiden Systemen wechseln?
Nur mit besonderer Ausrüstung, was sehr selten ist. In der Regel bleiben Fahrzeuge in ihrem System. Deshalb sind Berliner und Hamburger S-Bahnen nicht austauschbar.
Der Chefübersetzer sagt
„Die Stromschiene zeigt, wie unterschiedlich technische Lösungen je nach Einsatzort ausfallen können. Platzsparend und effizient, aber eben auch deutlich gefährlicher als eine hoch hängende Oberleitung.“
Das heißt für dich am Gleis
1. Betrete den Gleisbereich bei Stromschienen-Systemen unter gar keinen Umständen.
2. Beachte taktile und optische Markierungen an der Bahnsteigkante besonders aufmerksam.
3. Wende dich bei heruntergefallenen Gegenständen im Gleis sofort an das Personal, hole sie niemals selbst.
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