Stimmt es, dass …?
„Bitte beachten Sie: Dieser Zug verlässt jetzt das Festland und rollt über die Lagune bis in die Altstadt von Venedig.“
Stimmt es, dass Züge über eine Brücke bis in die Altstadt von Venedig fahren?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Ja, das stimmt: In Venedig endet die Bahn nicht am Festland, sondern mitten in der historischen Altstadt am Bahnhof Santa Lucia. Möglich macht das eine über 3,6 Kilometer lange Eisenbahnbrücke quer durch die Lagune, die schon 1846 eröffnet wurde.
Venedig ist eine Stadt fast ohne Straßen, gebaut auf mehr als hundert kleinen Inseln in einer flachen Lagune.
Wer dort mit dem Zug anreist, vermutet den Bahnhof vielleicht weit draußen am Rand des Festlands.
Tatsächlich aber hält der Zug mitten in der Altstadt, nur wenige Schritte vom Wasser des Canal Grande entfernt.

Die Brücke in Zahlen
1846
Eröffnung
Eisenbahnbrücke über die Lagune
3605 m
Länge
vom Festland bis auf die Insel
220
Bögen
tragen die Gleise über das Wasser
Die Werte stammen aus der Baubeschreibung der Eisenbahnbrücke nach Venedig.
Eine Stadt auf mehr als hundert Inseln
Venedig entstand vor vielen Jahrhunderten auf einer Gruppe kleiner Inseln mitten in einer geschützten Lagune.
Zwischen den Häusern verlaufen keine Autostraßen, sondern Kanäle, über die sich die Stadt bis heute bewegt.
Wer in der Altstadt unterwegs ist, geht zu Fuß über kleine Brücken oder fährt mit dem Boot.
Für die Eisenbahn war dieses Wasserlabyrinth lange ein kaum lösbares Hindernis.

Vor der Bahn kam man nur mit dem Boot
Über Jahrhunderte erreichte man Venedig ausschließlich über das Wasser.
Reisende vom Festland mussten in ein Boot steigen, um in die Lagunenstadt zu gelangen.
Mit dem Beginn des Eisenbahnzeitalters im 19. Jahrhundert wurde dieser Umweg zum Hindernis.
Eine feste Verbindung über die Lagune sollte die Stadt endlich an das wachsende Schienennetz anschließen.
Gut zu wissen
Viele Fahrpläne unterscheiden zwischen Venezia Santa Lucia auf der Insel und Venezia Mestre auf dem Festland.
Wer in die Altstadt möchte, sollte bis Santa Lucia durchfahren und nicht schon in Mestre aussteigen.
Die Brücke von 1846
Am 11. Januar 1846 wurde die Eisenbahnbrücke über die Lagune feierlich eröffnet.
Sie misst rund 3605 Meter und ruht auf etwa 220 gemauerten Bögen.
Entworfen hatte das Bauwerk der Ingenieur Tommaso Meduna, errichtet wurde es noch unter österreichischer Herrschaft.
Bei ihrer Eröffnung galt die Brücke als die längste der Welt.
Ein Bahnhof mitten in der Altstadt
Am anderen Ende der Brücke, direkt auf der Insel, entstand der Bahnhof Venezia Santa Lucia.
Der heutige Bahnhof wurde ab 1860 gebaut und liegt am Rand der historischen Altstadt.
Er ist ein Kopfbahnhof, an dem die Gleise enden und die Züge wieder zurückfahren.
Täglich halten hier rund 450 Züge, die Reisende aus ganz Europa in die Stadt bringen.
Ist es ein Damm oder eine Brücke?
Oft ist vom Damm nach Venedig die Rede, doch genau genommen handelt es sich um eine lange Brücke.
Die Gleise überqueren das offene Wasser der Lagune auf einer Reihe gemauerter Bögen.
Nur an den Ufern geht die Konstruktion in aufgeschüttetes Land über.
Der Begriff Damm beschreibt also eher den Eindruck als die wirkliche Bauweise.
Später kam die Straße dazu
Lange war die Eisenbahnbrücke die einzige feste Verbindung zwischen Festland und Insel.
Erst 1933 wurde daneben eine Straßenbrücke eröffnet, die heute Ponte della Libertà heißt.
Sie ist etwa 3850 Meter lang und führt Autos und Busse bis an den Rand der Altstadt.
In die Gassen der Altstadt selbst darf jedoch bis heute kein Auto fahren.
Die Fahrt über die offene Lagune
Die letzten Minuten vor Venedig gehören zu den schönsten einer Bahnreise in Italien.
Links und rechts der Gleise öffnet sich das weite, flache Wasser der Lagune.
In der Ferne tauchen die Türme und Dächer der Altstadt langsam aus dem Dunst auf.
Dann rollt der Zug ruhig über die Bögen und hält schließlich fast am Wasser.
Fast 180 Jahre im Dienst
Seit 1846 trägt die Brücke den Bahnverkehr nach Venedig, inzwischen also seit fast 180 Jahren.
Über die Jahrzehnte wurde sie mehrfach verbreitert und an den wachsenden Verkehr angepasst.
Heute fahren moderne Schnellzüge über dieselbe Linie, auf der einst Dampfzüge rollten.
Die Grundidee von damals, die Inselstadt fest mit dem Festland zu verbinden, trägt bis heute.
Das Fazit
Die Behauptung stimmt: Züge fahren tatsächlich über eine lange Brücke bis mitten in die Altstadt von Venedig.
Möglich macht das ein Bauwerk von 1846, das die Inselstadt seither fest mit dem Festland verbindet.
Der Bahnhof Santa Lucia liegt damit nicht am Rand, sondern direkt im historischen Kern der Stadt.
Wer mit dem Zug kommt, steht nach dem Aussteigen fast unmittelbar am Wasser der Kanäle.
Die Bahn und der Klimaschutz
Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.
Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.
Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.
Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.
Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.
Zwischen Technik und Menschen
Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.
Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.
Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.
Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.
Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.
Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.
