Stimmt es, dass …?
„Nächster Halt Flon: Die m2 zieht ohne Fahrer steil über dem Genfersee bergauf.“
Stimmt es, dass Lausanne die einzige echte U-Bahn der Schweiz hat?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Stimmt es, dass …?
Kurz gesagt
Lausanne besitzt mit der Linie m2 die erste und bislang einzige vollwertige U-Bahn der Schweiz. Der Mythos stimmt, denn die zweite Linie m1 kreuzt mehrfach ebenerdig und gilt daher nicht als echte U-Bahn.
Die Schweiz ist berühmt für Bergbahnen, Zahnradstrecken und pünktliche Züge.
Eine klassische U-Bahn sucht man in den meisten Städten jedoch vergebens.
Nur eine einzige Stadt am Genfersee macht da eine Ausnahme.

Die Fakten in Zahlen
2008
eröffnet
erste U-Bahn der Schweiz
5,9 km
Länge
mit 14 Stationen
12 %
Steigung
eine der steilsten Metros der Welt
Auf knapp sechs Kilometern überwindet die m2 rund 336 Meter Höhenunterschied.
Eine U-Bahn am Genfersee
Lausanne liegt an den Hängen über dem Genfersee und ist bekannt für seine steilen Gassen.
Mitten durch diese Stadt fährt eine U-Bahn, die es so in keiner anderen Schweizer Stadt gibt.
Sie trägt den schlichten Namen m2 und verbindet das Seeufer mit den höher gelegenen Vierteln.
Für viele Fahrgäste ist sie längst das wichtigste Verkehrsmittel der Stadt.
Dass es sich dabei um die einzige echte U-Bahn der Schweiz handelt, wissen allerdings die wenigsten.
Dieser Beitrag prüft, ob der Titel wirklich verdient ist.

Was eine echte U-Bahn ausmacht
Eine U-Bahn ist mehr als nur eine Bahn, die unter der Erde fährt.
Entscheidend ist, dass sie auf einem eigenen, vollständig abgetrennten Gleiskörper verkehrt.
Sie kreuzt dabei keine Straßen auf gleicher Höhe und muss an keiner Ampel warten.
Dadurch kann sie in dichtem Takt und unabhängig vom übrigen Verkehr fahren.
Fehlt diese strikte Trennung, spricht man eher von einer Stadt- oder Straßenbahn.
Genau an diesem Punkt entscheidet sich, welche Linie in Lausanne als echte U-Bahn gilt.
Gut zu wissen
Der Begriff Adhäsionsbahn bedeutet, dass ein Zug allein über die Reibung zwischen Rad und Schiene vorankommt, also ohne Zahnstange oder Seil.
Die zweite Lausanner Linie m1 verbindet die Stadt mit dem Vorort Renens und wird meist als Stadtbahn bezeichnet.
Die Linie m2 im Überblick
Die m2 wurde im September 2008 eröffnet und war damit die erste U-Bahn-Linie der Schweiz.
Ihre Strecke ist rund 5,9 Kilometer lang und zählt vierzehn Stationen.
Zwölf dieser Stationen liegen im Tunnel, die übrigen an der Oberfläche.
Die Linie führt vom Seeufer in Ouchy bis hinauf nach Croisettes in Épalinges.
Betrieben wird sie von den Verkehrsbetrieben der Region Lausanne.
Seit der Eröffnung hat sich die m2 zur wichtigsten Nord-Süd-Achse der Stadt entwickelt.
Steil wie kaum eine andere
Lausanne ist eine Stadt der Höhenunterschiede, und das merkt man der m2 deutlich an.
Ihre stärkste Steigung beträgt zwölf Prozent, im Mittel sind es 5,7 Prozent.
Damit gilt sie als steilste Adhäsionsbahn unter den U-Bahnen, kommt also ohne Zahnstange aus.
In einer weltweiten Rangliste ist sie sogar die drittsteilste U-Bahn überhaupt.
Nur die Carmelit im israelischen Haifa und die Linie C in Lyon sind noch steiler.
Für eine gewöhnliche U-Bahn ist ein solches Gefälle außergewöhnlich.
Fahren ganz ohne Fahrer
Die m2 fährt vollautomatisch und kommt ganz ohne Fahrpersonal im Fahrzeug aus.
Gesteuert wird der Betrieb aus einer zentralen Leitstelle heraus.
An den Bahnsteigen trennen Glaswände mit automatischen Türen die Fahrgäste vom Gleis.
Diese Technik erlaubt kurze Abstände zwischen den Zügen und einen dichten Takt.
Fahrzeuge und Steuerung lehnen sich eng an die Pariser Métro an.
So verbindet die kleine Schweizer Linie bewährte Großstadttechnik mit steiler Topografie.
Warum die m1 nicht mitzählt
In Lausanne gibt es neben der m2 noch eine zweite Linie mit dem Namen m1.
Auf den ersten Blick wirkt auch sie wie eine U-Bahn oder Stadtbahn.
Doch die m1 kreuzt an mehreren Stellen Straßen und Wege auf gleicher Höhe.
Damit erfüllt sie die strenge Definition einer echten U-Bahn nicht.
Fachleute ordnen sie deshalb eher als Stadtbahn ein.
Übrig bleibt die m2 als einzige Linie, die alle Kriterien erfüllt.
Vom See hinauf in die Höhe
Der Weg der m2 führt von ganz unten am Wasser bis weit hinauf an den Stadtrand.
Zwischen der tiefsten und der höchsten Station liegen rund 336 Meter Höhenunterschied.
Auf knapp sechs Kilometern ist das ein beachtlicher Anstieg.
Die Bahn überwindet ihn ohne Seil und ohne Zahnrad, allein über die Reibung der Räder.
Unterwegs wechseln die Ausblicke zwischen Seeufer, Altstadt und höher gelegenen Wohnvierteln.
Gerade dieser Anstieg macht die Linie technisch so bemerkenswert.
Ein Rückgrat für die Stadt
Die m2 verbindet mehrere wichtige Orte der Stadt auf einer einzigen Linie.
Am unteren Ende liegt der Hafen von Ouchy direkt am Genfersee.
In der Mitte berührt sie am Flon das lebhafte Zentrum von Lausanne.
Weiter oben erschließt sie den Hauptbahnhof, Kliniken und Wohngebiete.
So bringt sie täglich viele tausend Menschen bequem den Hang hinauf und hinunter.
Ohne sie wäre der steile Weg durch die Stadt deutlich mühsamer.
Ein kleiner Rekordhalter
Für eine so kurze Strecke sammelt die m2 erstaunlich viele Superlative.
Sie ist die einzige echte U-Bahn der Schweiz und zugleich eine der steilsten der Welt.
Als vollautomatische Linie gehört sie technisch zu den modernen Systemen Europas.
Dass all das in einer eher kleinen Stadt zusammenkommt, macht sie besonders.
Fachleute verweisen gern auf Lausanne, wenn es um kompakte, steile Metros geht.
Die Linie zeigt, dass eine U-Bahn nicht in einer Millionenstadt liegen muss.
Das Fazit
Der Mythos stimmt, denn die m2 ist die erste und bislang einzige echte U-Bahn der Schweiz.
Die zweite Linie m1 kreuzt ebenerdig und gilt deshalb nur als Stadtbahn.
Zusätzlich ist die m2 eine der steilsten und zugleich vollautomatisch betriebenen Metros der Welt.
Seit 2008 bringt sie die Fahrgäste zuverlässig vom Seeufer in die Höhe.
Den Titel der einzigen Schweizer U-Bahn trägt Lausanne also zu Recht.
Ein Blick in die Zukunft
Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.
Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.
Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.
Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.
Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.
So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.
Was ein Bahnhof für eine Stadt bedeutet
Ein Bahnhof ist für viele Städte weit mehr als nur ein Verkehrsbauwerk.
Er ist oft das Erste, was Reisende von einem Ort zu sehen bekommen.
Rund um den Bahnhof entstehen Geschäfte, Cafés und ein reges Treiben.
Er verbindet die Stadt mit der weiten Welt und die Welt mit der Stadt.
Ein gepflegter Bahnhof ist deshalb auch eine Visitenkarte des Ortes.
So prägt er das Bild einer Stadt weit über die Gleise hinaus.
