Stimmt es, dass …?
„Bitte einsteigen: Dieser Triebwagen fährt gleich weiter – ganz ohne Oberleitung, allein aus der Batterie.“
Stimmt es, dass in Deutschland Züge mit einer Batterie fahren?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Ja, in Deutschland rollen wieder Züge mit großen Batterien an Bord. Auf Strecken ohne Oberleitung ersetzen diese Akkuzüge zunehmend den Dieseltriebwagen.
Viele Bahnstrecken in Deutschland haben bis heute keine Oberleitung.
Dort fuhren jahrzehntelang Dieseltriebwagen, die Abgase und Lärm mit sich bringen.
Inzwischen kehrt eine alte Idee zurück, die den Diesel auf solchen Strecken überflüssig machen soll.

Die Fakten in Zahlen
ETA 150
ab 1955
frühe Akkuzüge, später Baureihe 515
≈ 70 %
Test 2025
weniger Energie als ein Dieseltriebwagen
Herrenberg–Horb
2022
moderner Testeinsatz in Baden-Württemberg
Ein Akkuzug lädt seine Batterie unter der Oberleitung oder an eigenen Ladepunkten und fährt dann elektrisch weiter.
Was ein Akkuzug ist
Ein Akkumulatortriebwagen ist ein elektrischer Zug, der seinen Fahrstrom in großen Batterien mitführt.
Fachleute nennen ihn auch Batterietriebwagen oder mit dem englischen Kürzel BEMU.
Er fährt wie ein normaler Elektrozug, ist aber nicht ständig auf eine Oberleitung angewiesen.
Die Batterie versorgt den Antrieb genau dort, wo der Fahrdraht fehlt.
So verbindet der Akkuzug das saubere elektrische Fahren mit der Freiheit einer nicht elektrifizierten Strecke.

Eine Idee mit langer Geschichte
Akkuzüge sind keine Erfindung der Gegenwart.
Schon 1955 ging mit dem ETA 150 eine ganze Serie in Betrieb, die später als Baureihe 515 bekannt wurde.
Diese frühen Fahrzeuge speicherten ihren Strom noch in schweren Bleiakkumulatoren.
In den 1990er Jahren wurden sie ausgemustert, weil sie gegenüber dem Diesel als unwirtschaftlich galten.
Erst der Fortschritt bei den Batterien hat die Idee wieder aufleben lassen.
Gut zu wissen
Ein Akkuzug ist nicht dasselbe wie eine Straßenbahn mit Oberleitung, denn er kommt streckenweise ganz ohne Fahrdraht aus.
Die Fachwelt kürzt den batterieelektrischen Triebzug oft mit dem englischen Wort BEMU ab.
Warum die Batterie zurückkehrt
Moderne Akkus speichern viel mehr Energie bei geringerem Gewicht als die alten Bleizellen.
Dadurch kommt ein Akkuzug heute oft mehrere Dutzend Kilometer ohne Oberleitung aus.
Für viele Nebenstrecken ist das genug, um den Diesel vollständig zu ersetzen.
Der Antrieb läuft dabei leiser und stößt vor Ort keine Abgase aus.
Das macht den Akkuzug gerade für dünn besiedelte Regionen interessant.
Wie das Laden funktioniert
Ein Akkuzug lädt seine Batterie immer dann, wenn er unter einer Oberleitung fährt.
Auf dem elektrifizierten Abschnitt nimmt er Strom für den Antrieb und für die Batterie zugleich auf.
Wo gar keine Oberleitung liegt, helfen kurze Ladepunkte am Bahnsteig oder am Streckenende.
Beim Bremsen gewinnt der Zug zusätzlich Energie zurück und speist sie in die Batterie ein.
So bleibt der Speicher unterwegs gefüllt, ohne dass eine ganze Strecke einen Fahrdraht braucht.
Tests auf deutschen Strecken
In Baden-Württemberg lief ab 2022 ein Testeinsatz auf der Verbindung Herrenberg–Horb.
In Hessen begann 2025 ein Praxistest auf der Ländchesbahn zwischen Wiesbaden und Niedernhausen.
Dort ergaben erste Messungen rund 70 Prozent weniger Energieverbrauch als beim Dieseltriebwagen.
Auch Länder wie Schleswig-Holstein und Niedersachsen haben den Einsatz für ganze Netze geprüft.
Die Untersuchungen sprachen dabei für die Wirtschaftlichkeit der Akkufahrzeuge.
Der Unterschied zum Wasserstoffzug
Neben dem Akkuzug wird auch der Wasserstoffzug als Ersatz für den Diesel erprobt.
Der Wasserstoffzug erzeugt seinen Strom an Bord in einer Brennstoffzelle.
Der Akkuzug dagegen tankt reinen Strom und speichert ihn direkt.
Für kürzere Lücken im Netz gilt die Batterie oft als die einfachere Lösung.
Welche Technik zum Zug passt, hängt vor allem von der Länge der Strecke ohne Oberleitung ab.
Was Fahrgäste davon merken
Im Innenraum unterscheidet sich ein Akkuzug kaum von einem gewöhnlichen Elektrotriebwagen.
Auffällig ist vor allem das leise Anfahren ohne das Brummen eines Dieselmotors.
An Halten ohne Oberleitung bleibt der Zug ruhig, weil kein Motor im Leerlauf läuft.
Die Beschleunigung fühlt sich gleichmäßig an, wie man es vom elektrischen Fahren kennt.
Für Reisende bedeutet das mehr Ruhe und saubere Luft am Bahnsteig.
Grenzen der Technik
Eine Batterie hat immer nur eine begrenzte Reichweite, bevor sie wieder Strom braucht.
Sehr lange Strecken ganz ohne Oberleitung bleiben deshalb eine Herausforderung.
Bei großer Kälte kann die nutzbare Kapazität der Batterie sinken.
Auch der Bau der nötigen Ladepunkte kostet Zeit und Geld.
Der Akkuzug ersetzt den Diesel daher vor allem auf passenden Nebenstrecken, nicht überall.
Das Fazit
In Deutschland fahren tatsächlich wieder Züge, die ihren Strom in einer Batterie mitführen.
Die Idee ist alt, doch erst moderne Akkus machen sie wirtschaftlich.
Auf Strecken ohne Oberleitung ist der Akkuzug ein leiser und sauberer Ersatz für den Diesel.
Der Mythos stimmt also und beschreibt einen echten Trend im Nahverkehr.
Von der Dampflok bis heute
Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.
Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.
Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.
Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.
Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.
Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.
Was die Fahrgäste davon haben
Am Ende zählt für den Fahrgast vor allem eines: sicher und pünktlich anzukommen.
Jede kleine Verbesserung im Betrieb macht seine Reise ein wenig angenehmer.
Ein sauberer Zug und eine klare Anzeige nehmen ihm Sorge und Hektik.
Ein freundlicher Halt bleibt oft länger in Erinnerung als die Fahrt selbst.
So entsteht aus vielen Einzelheiten am Ende ein rundes Reiseerlebnis.
Und wer sich gut aufgehoben fühlt, steigt beim nächsten Mal gern wieder ein.
