Stimmt es, dass …?
„Nächster Halt Hafen: Dieser schwere Erzzug fährt den weiten Weg fast ganz allein.“
Stimmt es, dass in Australien fahrerlose Güterzüge ganz allein unterwegs sind?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Im Nordwesten Australiens rollen schwere Erzzüge weitgehend fahrerlos durch die Wüste. Das 2020 fertiggestellte System AutoHaul des Bergbaukonzerns Rio Tinto gilt als weltweit erstes autonomes Schwerlast-Bahnnetz im Betrieb.
Fahrerlose Züge klingen nach ferner Zukunft, doch an einem Ort der Welt sind sie längst Alltag.
Im trockenen Nordwesten Australiens fahren schwere Güterzüge weitgehend ohne Menschen an Bord.
Wie weit reicht diese Technik wirklich, und wer passt noch auf die Züge auf?

Die Fakten in Zahlen
≈1.700
km Netz
im Bergbaugebiet Pilbara
2,4
km Zuglänge
bis zu 236 Wagen je Zug
2020
fertiggestellt
nach langem Umbau
Pro Jahr bringt das Netz einige hundert Millionen Tonnen Eisenerz zu den Häfen.
Züge ohne Lokführer im Führerstand
Im trockenen Nordwesten Australiens, in der Region Pilbara, fahren viele Erzzüge ohne Lokführer an Bord.
Ein Rechner steuert Beschleunigung, Bremsung und Geschwindigkeit über die ganze Strecke.
Überwacht wird der Betrieb aus einer weit entfernten Leitzentrale.
Die Grundaussage der Frage trifft also zu: Dort sind Güterzüge weitgehend allein unterwegs.
Ganz ohne Menschen läuft das System allerdings nicht, wie sich noch zeigt.

Das Projekt heißt AutoHaul
Hinter den fahrerlosen Zügen steht der Bergbaukonzern Rio Tinto.
Sein Automatik-Projekt trägt den Namen AutoHaul.
Der Umbau des Netzes zog sich über viele Jahre hin und war sehr teuer.
Abgeschlossen wurde das Programm im Jahr 2020.
Rund zweihundert Lokomotiven wurden dafür auf automatischen Betrieb umgerüstet.
Gut zu wissen
Die Region Pilbara ist eines der größten Eisenerz-Reviere der Welt; von dort stammt ein erheblicher Teil des weltweit gehandelten Erzes.
Pro Jahr transportiert allein dieses Netz einige hundert Millionen Tonnen Erz, was ohne durchgehenden Betrieb kaum zu schaffen wäre.
Ein Netz so groß wie ein halbes Land
Das Schienennetz in der Pilbara ist etwa 1.700 Kilometer lang.
Es verbindet rund ein Dutzend Minen mit mehreren Häfen an der Küste.
Dort wird das Eisenerz auf große Schiffe verladen.
Die Strecken führen durch dünn besiedeltes, heißes Wüstenland.
Gerade in dieser Weite spielt die automatische Steuerung ihre Stärken aus.
Riesige, schwere Züge
Die Erzzüge gehören zu den schwersten Zügen der Welt.
Ein einzelner Zug kann aus über zweihundert Wagen bestehen.
Voll beladen ist er bis zu 2,4 Kilometer lang.
Jeder Wagen trägt gut hundert Tonnen Eisenerz.
Beladen bringt ein ganzer Zug fast dreißigtausend Tonnen auf die Gleise.
Warum fahrerlos?
Die Fahrten in der Pilbara sind lang und eintönig.
Ein kompletter Umlauf vom Bergwerk zum Hafen und zurück dauert im Schnitt mehr als einen Tag.
Fahrerwechsel mitten in der Wüste kosten viel Zeit und Geld.
Ein automatisches System kann durchfahren, ohne auf Pausen Rücksicht nehmen zu müssen.
So lassen sich mehr Fahrten und ein gleichmäßigerer Betrieb erreichen.
Wie der Zug den Weg findet
Die Züge fahren nach einem strengen System der Zugsicherung.
Sensoren, Signale und Funk melden ständig, wo sich jeder Zug befindet.
Der Bordrechner hält die erlaubte Geschwindigkeit genau ein.
Bei einer Störung bremst das System den Zug selbsttätig ab.
Kameras an Bahnübergängen helfen, Gefahren früh zu erkennen.
Nicht ganz ohne Menschen
Trotz aller Technik verschwindet der Mensch nicht völlig aus dem Betrieb.
In der Leitzentrale überwachen Fachleute rund um die Uhr jeden Zug.
Für Notfälle stehen weiterhin Lokführerinnen und Lokführer bereit.
Die letzte Strecke in den Hafenbereich hinein fahren oft noch Menschen selbst.
Die Aussage „ganz allein“ stimmt deshalb nur mit einer Einschränkung.
Das weltweit erste Netz seiner Art
AutoHaul gilt als das erste autonome Schwerlast-Bahnnetz der Welt, das in den Regelbetrieb ging.
Andere Bahnen fahren zwar auch automatisch, meist aber als kurze U-Bahnen in Städten.
Ein so langes, schweres Güternetz hatte es vorher nirgends gegeben.
Australien wurde damit zu einem Vorreiter beim fahrerlosen Güterverkehr.
Fachleute aus aller Welt schauen seither auf die Pilbara.
Was das für die Zukunft heißt
Der Erfolg in Australien zeigt, dass schwerer Güterverkehr automatisch rollen kann.
In Europa sind die Verhältnisse aber anders, denn hier teilen sich viele Züge dasselbe Netz.
Dichter Verkehr und viele Bahnübergänge machen die Automatik schwieriger.
Dennoch wird auch anderswo an fahrerlosen Zügen geforscht.
Die Pilbara dient dabei als großes, reales Vorbild.
Das Fazit
Die Behauptung stimmt weitgehend: In Australien fahren schwere Güterzüge tatsächlich fast ohne Lokführer.
Das System AutoHaul von Rio Tinto steuert rund zweihundert Loks über ein etwa 1.700 Kilometer langes Netz.
Vollständig fertig war das Programm im Jahr 2020.
Ganz ohne Menschen läuft es aber nicht, denn eine Leitzentrale überwacht alles.
Als weltweit erstes autonomes Schwerlast-Bahnnetz bleibt die Pilbara dennoch ein Meilenstein.
Ein Blick in die Zukunft
Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.
Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.
Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.
Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.
Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.
So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.
Warum die Bahn für das ganze Land zählt
Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.
Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.
Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.
Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.
Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.
So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.
