Stimmt es, dass es in den USA kaum noch Fernzüge für Reisende gibt?

Stimmt es, dass …?

„All aboard: In den USA ist der Fernzug für Reisende die Ausnahme geworden.“

Stimmt es, dass es in den USA kaum noch Fernzüge für Reisende gibt?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Stimmt es, dass …?

Kurz gesagt

In den USA gibt es nur noch wenige Fernzüge für Reisende, und fast alle fahren unter dem Namen Amtrak. Der Mythos stimmt mit einer Einschränkung, denn ganz verschwunden sind die Reisezüge nicht, im Gegenteil, sie gewinnen wieder Fahrgäste.

Die USA sind ein riesiges Land mit einem gewaltigen Schienennetz.

Trotzdem reist kaum jemand dort mit dem Fernzug.

Wie passt das zusammen?

Amtrak California Zephyr Green River Floy, Utah
Foto: Kabelleger / David Gubler, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

1971

seit

Fernverkehr unter dem Namen Amtrak

rund 34 Mio.

Fahrgäste

zuletzt bei Amtrak im Jahr

größtes Netz

der Welt

vor allem für Güter

Das US-Schienennetz ist das größte der Welt, dient aber überwiegend dem Güterverkehr.

Ein Land ohne Fernzüge?

Die USA gelten vielen nicht als klassisches Bahnland.

Wer dort weite Strecken reist, nimmt meist das Flugzeug oder das Auto.

Der Fernzug spielt im Alltag der meisten Menschen kaum eine Rolle.

Dabei besitzt das Land ein riesiges Schienennetz.

Dieser Widerspruch führt zu der Frage, ob es kaum noch Fernzüge gibt.

Der Beitrag schaut genauer hin.

Amtrak Dock Bridge Newark June 2015 003
Foto: King of Hearts, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Das größte Netz der Welt

In einem Punkt stehen die USA weltweit an der Spitze.

Ihr Schienennetz ist das größte aller Länder der Erde.

Es umfasst weit über 200.000 Kilometer Strecke.

Damit ließe sich das Land in alle Richtungen durchqueren.

Von einem Mangel an Schienen kann also keine Rede sein.

Die Frage ist nur, wer diese Schienen nutzt.

Gut zu wissen

Amtrak ist eine staatlich gestützte Gesellschaft, die 1971 gegründet wurde, um den Reisezugverkehr in den USA fortzuführen.

Güterbahnen besitzen in den USA große Teile des Netzes; Reisezüge sind dort oft nur Gäste auf fremden Gleisen.

Vor allem für Güter

Das amerikanische Netz dient vor allem einem Zweck.

Über die Schienen rollen gewaltige Mengen an Gütern.

In den USA fährt ein größerer Teil der Fracht auf der Schiene als in den meisten Ländern.

Lange Güterzüge prägen das Bild der Strecken.

Der Transport von Kohle, Getreide und Containern steht im Vordergrund.

Reisende sind dagegen eher die Ausnahme.

Was mit den Reisezügen geschah

Das war nicht immer so.

Früher gab es in den USA viele Reisezüge.

Im Lauf des 20. Jahrhunderts schrumpfte dieses Angebot stark.

Das Auto und das Flugzeug übernahmen die weiten Strecken.

Auch der Bau großer Fernstraßen trug dazu bei.

Besonders in den 1950er und 1960er Jahren ging es rasch bergab.

Die Geburt von Amtrak

Die privaten Bahnen verloren mit dem Reiseverkehr immer mehr Geld.

Sie wollten diese Last loswerden.

Der Staat griff deshalb ein.

Im Jahr 1971 nahm die Gesellschaft Amtrak den Betrieb auf.

Grundlage war ein Gesetz aus dem Jahr zuvor.

Amtrak sollte den Fernverkehr auf der Schiene am Leben halten.

Ein einziger großer Anbieter

Seither ist Amtrak der zentrale Name im Fernverkehr.

Im Kernland der USA ist es die einzige Fernbahn für Reisende.

Andere Anbieter gibt es im klassischen Fernverkehr kaum.

Damit liegt fast der gesamte Reiseverkehr in einer Hand.

Das unterscheidet die USA deutlich von Europa.

Dort teilen sich viele Bahnen den Fernverkehr.

Wie weit das Netz reicht

Amtrak bedient über fünfhundert Bahnhöfe im Land.

Die Züge erreichen fast alle Bundesstaaten auf dem Festland.

Einige Gegenden haben allerdings gar keinen Fernzug.

South Dakota etwa wird nicht direkt bedient.

In manchen Staaten hält nur ein einziger Zug pro Tag.

Für ein so großes Land ist das Angebot also dünn.

Auf fremden Gleisen

Eine Besonderheit betrifft die Strecken selbst.

Die meisten Amtrak-Züge fahren nicht auf eigenen Gleisen.

Sie nutzen die Schienen der großen Güterbahnen.

Diese gehören privaten Unternehmen.

Dadurch müssen Reisezüge den Güterzügen oft den Vortritt lassen.

Verspätungen sind deshalb keine Seltenheit.

Doch es gibt sie noch

Ganz verschwunden sind die Fernzüge aber nicht.

Zuletzt nutzten rund 34 Millionen Fahrgäste pro Jahr die Angebote von Amtrak.

Das war sogar ein neuer Höchstwert.

Die Nachfrage nach Bahnreisen steigt also wieder.

Berühmte Strecken führen quer durch das Land und durch grandiose Landschaften.

Fernzüge sind in den USA selten, aber keineswegs ausgestorben.

Das Fazit

Der Mythos stimmt mit einer Einschränkung.

Fernzüge für Reisende gibt es in den USA nur noch wenige.

Fast alle fahren unter dem Namen Amtrak, dem einzigen großen Anbieter.

Das riesige Schienennetz dient vor allem dem Güterverkehr.

Ganz verschwunden sind die Reisezüge aber nicht, im Gegenteil, sie gewinnen wieder Fahrgäste.

Was ein Bahnhof für eine Stadt bedeutet

Ein Bahnhof ist für viele Städte weit mehr als nur ein Verkehrsbauwerk.

Er ist oft das Erste, was Reisende von einem Ort zu sehen bekommen.

Rund um den Bahnhof entstehen Geschäfte, Cafés und ein reges Treiben.

Er verbindet die Stadt mit der weiten Welt und die Welt mit der Stadt.

Ein gepflegter Bahnhof ist deshalb auch eine Visitenkarte des Ortes.

So prägt er das Bild einer Stadt weit über die Gleise hinaus.

Warum Verlässlichkeit so wichtig ist

Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.

Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.

Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.

Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.

Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.

Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.

Häufige Fragen

Wer betreibt die Fernzüge in den USA?
Fast ausschließlich Amtrak, die 1971 gegründete nationale Reisezuggesellschaft.
Warum gibt es so wenige Reisezüge?
Im 20. Jahrhundert übernahmen Auto und Flugzeug die weiten Strecken, und die Bahnen setzten auf den Güterverkehr.
Hat das Land ein kleines Schienennetz?
Nein, es ist das größte der Welt, dient aber überwiegend dem Transport von Gütern.
Erreichen die Züge alle Bundesstaaten?
Fast alle auf dem Festland; einzelne wie South Dakota haben keinen Amtrak-Fernzug.
Steigt die Zahl der Fahrgäste?
Ja, zuletzt nutzten mit rund 34 Millionen so viele Menschen Amtrak wie nie zuvor.

Weiterfahrt

→ Alle Schalter – zurück zur Übersicht

→ Zurück zum Finder

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

Zeige alle Beiträge von BahnSlam →