Stimmt es, dass …?
„Ganz ohne Lok: Hier zog einst der Luftdruck die Wagen durch das Rohr.“
Stimmt es, dass es früher Eisenbahnen gab, die mit Luftdruck angetrieben wurden?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Im 19. Jahrhundert fuhren einige Bahnen ganz ohne Lokomotive, bewegt allein durch Luftdruck. Der Mythos stimmt, denn diese atmosphärischen Eisenbahnen gab es wirklich, wenn auch nur für wenige Jahre.
Eine Eisenbahn ohne Lokomotive klingt zunächst unmöglich.
Doch in den Anfangsjahren der Bahn gab es genau das.
Einige Strecken wurden allein durch Luftdruck angetrieben.

Die Fakten in Zahlen
ab 1844
erste Strecke
bei Dublin in Irland
Luftdruck
statt Lok
Kolben in einem Rohr
wenige Jahre
im Betrieb
dann wieder aufgegeben
Zwischen den Schienen lag ein Rohr, in dem ein Kolben die Wagen zog.
Eine Bahn ohne Lokomotive
Heute verbindet man eine Eisenbahn fast immer mit einer Lok oder einem Triebzug.
Im 19. Jahrhundert suchten Ingenieure jedoch nach ganz anderen Wegen.
Eine Idee verzichtete sogar völlig auf den Antrieb im Fahrzeug.
Stattdessen sollte Luftdruck die Wagen bewegen.
Diese Bauart nennt man atmosphärische Eisenbahn.
Dieser Beitrag erklärt, wie das funktionierte.

Wie der Luftdruck arbeitete
Zwischen den beiden Schienen lag ein durchgehendes Rohr.
In diesem Rohr steckte ein beweglicher Kolben.
Der Kolben war über einen Schlitz mit dem vordersten Wagen verbunden.
Feste Pumpstationen saugten vor dem Kolben die Luft aus dem Rohr.
Der normale Luftdruck hinter dem Kolben schob diesen dann nach vorn.
So wurde der ganze Zug ohne eigene Maschine gezogen.
Gut zu wissen
Bei der atmosphärischen Eisenbahn steckte der Antrieb nicht im Zug, sondern in festen Pumpstationen entlang der Strecke.
Das Grundprinzip, etwas durch Luftdruck in einem Rohr zu bewegen, kennt man noch heute von der Rohrpost.
Die Bahn bei Dublin
Die erste atmosphärische Bahn für den regulären Betrieb entstand in Irland.
Sie wurde im Jahr 1844 bei Dublin eröffnet.
Die Strecke verband Kingstown mit dem höher gelegenen Dalkey.
Sie war rund 2,7 Kilometer lang und recht steil.
Bergauf zog der Luftdruck die Wagen hinauf nach Dalkey.
Bergab rollten sie anschließend ganz ohne Antrieb zurück.
Versuche in England
Bald folgten weitere Versuche in England.
Die London and Croydon Railway baute eine solche Strecke nahe London.
Auch im Südwesten Englands wurde die Technik erprobt.
Dort setzte der berühmte Ingenieur Brunel auf die atmosphärische Bahn.
Seine South Devon Railway sollte so angetrieben werden.
Für kurze Zeit fuhren dort tatsächlich Züge mit Luftdruck.
Die Vorteile der Idee
Die Idee hatte durchaus ihren Reiz.
Ohne schwere Lok an der Spitze war der Zug leichter.
Das half besonders auf steilen Abschnitten.
Zudem war die Fahrt vergleichsweise leise und ohne Rauch.
Auch höhere Geschwindigkeiten schienen möglich.
Für eine Weile galt die Technik als Zukunft der Bahn.
Das große Problem
Doch die Technik hatte eine entscheidende Schwäche.
Der Schlitz im Rohr musste mit einer Klappe aus Leder abgedichtet werden.
Diese Klappe war ständig der Witterung ausgesetzt.
Sie trocknete aus, wurde rissig oder fror im Winter fest.
Dadurch entwich die Luft, und der Antrieb verlor seine Kraft.
Die Abdichtung erwies sich als dauerhaftes Ärgernis.
Das rasche Ende
Wegen dieser Mängel war die atmosphärische Bahn teuer im Betrieb.
Immer wieder blieben Züge liegen oder kamen zu spät.
Nach wenigen Jahren gaben die meisten Betreiber auf.
Brunels Strecke im Südwesten wurde schon 1848 wieder umgestellt.
An ihre Stelle traten die inzwischen zuverlässigeren Dampflokomotiven.
Die Luftdruckbahn verschwand damit fast völlig.
Was von der Idee blieb
Ganz vergessen ist die Technik aber nicht.
An einigen Orten erinnern alte Pumpenhäuser an die Luftdruckbahn.
Das bekannteste steht in Starcross im Südwesten Englands.
Der Gedanke, Fahrzeuge durch Luftdruck zu bewegen, lebte zudem weiter.
Man findet ihn später etwa bei der Rohrpost wieder.
Als Antrieb für große Bahnen aber hatte die Idee keinen Bestand.
Das Fazit
Der Mythos stimmt, denn es gab tatsächlich Eisenbahnen, die der Luftdruck antrieb.
Ein Kolben in einem Rohr zwischen den Schienen zog die Wagen voran.
Die erste Strecke dieser Art fuhr ab 1844 bei Dublin.
Weitere folgten in England, unter anderem bei Brunel.
Wegen undichter Abdichtungen verschwand die Technik aber schon nach wenigen Jahren.
Die Bahn und der Klimaschutz
Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.
Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.
Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.
Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.
Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
