Stimmt es, dass …?
„Ein ganzer Konzern auf Schienen: In den 1920er Jahren arbeiteten fast 600.000 Menschen für die Deutsche Reichsbahn.“
Stimmt es, dass die Reichsbahn einmal die größte Bahn der Welt war?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt: In den 1920er Jahren war die Deutsche Reichsbahn mit fast 600.000 Beschäftigten das größte Wirtschaftsunternehmen der Welt und zugleich Deutschlands größter Arbeitgeber.
Dass die Bahn ein großes Unternehmen ist, überrascht niemanden.
Doch einmal soll die deutsche Reichsbahn sogar das größte Unternehmen der ganzen Welt gewesen sein.
Diese erstaunliche Behauptung lässt sich an Zahlen und Daten überprüfen.

Die Fakten in Zahlen
fast 600.000
Beschäftigte
in den 1920er Jahren
größtes
weltweit
Wirtschaftsunternehmen der Welt
1920
Gründung
Länderbahnen kommen zum Reich
Rund 660 Millionen Reichsmark flossen Jahr für Jahr aus der Bahn in die Reparationen.
Wie die Reichsbahn entstand
Nach dem Ersten Weltkrieg bestimmte die Weimarer Verfassung, dass die Bahnen dem Reich gehören sollten.
Zum 1. April 1920 gingen die früheren Länderbahnen in den Besitz des Reiches über.
Zunächst hießen sie Deutsche Reichseisenbahnen, ab 1921 dann Deutsche Reichsbahn.
Damit vereinte sich zum ersten Mal fast das gesamte deutsche Bahnnetz unter einem Dach.

Ein Unternehmen für sich
Im Februar 1924 wurde die Reichsbahn aus dem Ministerium ausgegliedert.
Sie wurde nun als eigenständiges staatliches Unternehmen geführt.
Noch im selben Jahr entstand die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft.
Diese Gesellschaft betrieb die Bahnen, die im Eigentum des Reiches blieben.
Gut zu wissen
Reparationen sind Zahlungen, die ein Land nach einem Krieg als Ausgleich an andere Staaten leisten muss.
Die Reichsmark war von 1924 bis 1948 die Währung in Deutschland.
Der Rekord bei den Beschäftigten
In den 1920er Jahren arbeiteten fast 600.000 Menschen für die Reichsbahn.
Damit war sie das größte Wirtschaftsunternehmen der Welt.
Zugleich war sie mit Abstand Deutschlands größter Arbeitgeber.
Kaum ein anderes Unternehmen beschäftigte zu dieser Zeit so viele Menschen.
Warum die Bahn so groß war
Die Reichsbahn vereinte die Netze aller früheren Länderbahnen.
Sie betrieb Strecken, Bahnhöfe, Werkstätten und unzählige Fahrzeuge.
Dazu kamen Verwaltung, Bau und Instandhaltung in großem Umfang.
All das zusammen ergab einen Konzern von gewaltiger Größe.
Die Last der Reparationen
Nach dem Krieg musste Deutschland hohe Reparationen zahlen.
Die Gewinne der Reichsbahn wurden dafür als Sicherheit verpfändet.
Jahr für Jahr flossen etwa 660 Millionen Reichsmark in diese Zahlungen.
Die Bahn trug damit eine schwere wirtschaftliche Bürde.
Technik mit weltweitem Ruf
Trotz der Lasten gelang der Reichsbahn mancher technische Fortschritt.
Sie entwickelte einheitliche Dampflokomotiven für das ganze Netz.
Mit dem Fliegenden Hamburger führte sie schnelle Dieseltriebwagen ein.
Auch der Bau der Berliner S-Bahn fand weltweit Beachtung und Nachahmung.
Die Bahn in schwieriger Zeit
Ab 1933 geriet die Reichsbahn unter den Einfluss der neuen Machthaber.
Sie musste unter anderem den Bau der Reichsautobahnen übernehmen.
Der weitere Ausbau des Bahnnetzes trat dahinter zurück.
Die große Zeit des technischen Aufbruchs war damit vorbei.
Was von der Größe blieb
Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Teilung entstanden zwei deutsche Bahnen.
Im Westen fuhr die Bundesbahn, im Osten weiter die Reichsbahn.
Erst 1994 wurden beide zur heutigen Deutschen Bahn zusammengeführt.
Der alte Rekord der 1920er Jahre aber bleibt eine Besonderheit der Geschichte.
Das Fazit
Die Aussage stimmt.
Mit fast 600.000 Beschäftigten war die Reichsbahn das größte Wirtschaftsunternehmen der Welt.
Als Bahn und als Arbeitgeber suchte sie in ihrer Zeit ihresgleichen.
Diese Größe hing allerdings auch mit den Lasten und Umständen jener Jahre zusammen.
Die Bahn und der Klimaschutz
Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.
Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.
Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.
Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.
Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.
Zwischen Technik und Menschen
Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.
Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.
Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.
Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.
Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.
Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.
Die Bahn als Teil des Alltags
Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.
Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.
Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.
Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.
So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.
Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.
