Stimmt es, dass …?
„Vorsicht, der Zug fährt in den Tunnel: Doch die ersten Tunnel der Geschichte entstanden lange vor der ersten Eisenbahn.“
Stimmt es, dass einer der ersten Tunnel für die Eisenbahn gebaut wurde?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt nicht: Tunnel wurden schon in der Antike gegraben, viele Jahrhunderte vor der Eisenbahn. Richtig ist aber, dass die Eisenbahn ab dem 19. Jahrhundert einen gewaltigen Tunnelbau in Gang setzte.
Wer heute an einen Tunnel denkt, hat oft sofort einen Zug im Dunkeln vor Augen.
So entsteht leicht der Eindruck, der Tunnel sei eine Erfindung des Eisenbahnzeitalters.
Ein Blick in die Geschichte zeigt jedoch, dass Tunnel viel älter sind als die Bahn.

Die Fakten in Zahlen
um 530 v. Chr.
Samos
antiker Wassertunnel der Griechen
1775
Norwood
Kanaltunnel in England vor der Bahn
1826–1830
Liverpool–Manchester
erste Eisenbahntunnel
Die ersten Eisenbahntunnel entstanden über 2000 Jahre nach den ersten Wassertunneln der Antike.
Woher die Behauptung kommt
Viele verbinden den Tunnel ganz selbstverständlich mit der Eisenbahn.
Das liegt daran, dass gerade Bahnstrecken oft durch Berge führen.
So entsteht der Eindruck, der Tunnel sei eine Erfindung des Bahnzeitalters.
Ein Blick in die Geschichte zeigt jedoch ein ganz anderes Bild.
Tunnel sind nämlich viel älter als die erste Dampflok.

Tunnel schon in der Antike
Bereits in der Antike wurden Tunnel gegraben, vor allem für die Wasserversorgung.
Unterirdische Wasserleitungen in Stollenbauweise sind seit Jahrtausenden bekannt.
Die Griechen bauten auf der Insel Samos um 530 vor Christus einen langen Wassertunnel.
Auch die Römer legten Tunnel an, oft für Straßen zu militärischen Zwecken.
Gut zu wissen
Ein Stollen ist ein waagerecht oder leicht geneigt angelegter unterirdischer Gang, wie er schon in der Antike für Wasser genutzt wurde.
Kanaltunnel wurden für Schiffe gebaut, damit Wasserwege Hügel und Höhenzüge durchqueren konnten.
Eine lange Pause im Mittelalter
Nach dem Ende des Römischen Reiches kam der Tunnelbau in Europa fast zum Erliegen.
Die wenigen Bauten des Mittelalters folgten alten antiken Vorbildern.
Erst in der Neuzeit nahm das Graben großer Tunnel wieder Fahrt auf.
Treibende Kraft waren dabei zunächst nicht die Bahnen, sondern die Kanäle.
Die Kanaltunnel kamen vor der Eisenbahn
In England entstanden schon im 18. Jahrhundert lange Tunnel für Schifffahrtskanäle.
Der Norwood-Tunnel wurde 1775 eröffnet und war fast drei Kilometer lang.
Der Sapperton-Kanaltunnel folgte 1789 und ließ Kohleschiffe passieren.
Diese Bauwerke entstanden Jahrzehnte vor der ersten Eisenbahn.
Woher das Wort Tunnel stammt
Der Begriff Tunnel stammt aus dem Englischen.
Im Deutschen setzte er sich erst im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts durch.
Das fällt zeitlich mit dem Beginn des Eisenbahnbaus zusammen.
So verband sich das neue Wort rasch mit der neuen Technik.
Die ersten Eisenbahntunnel
Die ersten Tunnel für die Eisenbahn entstanden erst in den 1820er Jahren.
George Stephenson baute sie zwischen 1826 und 1830 auf der Strecke Liverpool–Manchester.
In Deutschland folgte 1839 die erste Ferneisenbahn von Leipzig nach Dresden.
Damit kamen die Bahntunnel erst lange nach den ersten Tunneln überhaupt.
Warum die Bahn den Tunnelbau beflügelte
Mit der Eisenbahn stieg der Bedarf an Tunneln sprunghaft an.
Züge brauchen möglichst gerade und ebene Strecken ohne starke Steigungen.
Berge und Hügel ließen sich oft nur mit einem Tunnel überwinden.
So wurde das 19. Jahrhundert zur großen Zeit des Tunnelbaus.
Viele berühmte Alpentunnel entstanden in dieser Epoche.
Was der wahre Kern der Behauptung ist
Die Eisenbahn hat den Tunnel nicht erfunden, aber verbreitet.
Sie machte aus dem seltenen Bauwerk eine alltägliche Erscheinung.
Zugleich brachte sie das heute geläufige Wort in die deutsche Sprache.
In diesem Sinn steckt in der Behauptung ein wahrer Kern.
Das Fazit
Die Aussage stimmt so nicht.
Die ersten Tunnel der Geschichte entstanden in der Antike für die Wasserversorgung, nicht für die Eisenbahn.
Auch die langen Kanaltunnel in England gab es schon vor der ersten Bahn.
Richtig ist nur, dass die Eisenbahn ab dem 19. Jahrhundert den Tunnelbau groß machte.
Zwischen Technik und Menschen
Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.
Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.
Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.
Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.
Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.
Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
