Stimmt es, dass …?
„Einsteigen bitte zur steilsten Zahnradbahn der Welt, die sich an seitlich liegenden Zähnen den Pilatus hinaufzieht.“
Stimmt es, dass die Pilatusbahn eine Zahnstange mit waagerechten Zähnen nutzt?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Ja, das stimmt. Die Pilatusbahn fährt mit dem eigens erfundenen System Locher, dessen Zähne nicht oben, sondern seitlich an der Zahnstange sitzen, weil eine gewöhnliche Zahnstange bei dieser Steigung versagen würde.
Zahnradbahnen gelten vielen als Inbegriff mutiger Bergtechnik, und die Pilatusbahn in der Schweiz steht ganz oben auf dieser Liste.
Sie überwindet Steigungen, bei denen gewöhnliche Zahnräder aus der Zahnstange springen würden.
Deshalb trägt ihre Zahnstange die Zähne an einer ungewohnten Stelle, und genau das prüfen wir hier nach.

Die Fakten in Zahlen
48 %
maximale Steigung
gilt als steilste Zahnradbahn der Welt
800 mm
Spurweite
Schmalspur ab Alpnachstad
1635 m
Höhenunterschied
auf rund 4,6 Kilometern Strecke
Die Angaben folgen der deutschsprachigen Wikipedia zur Pilatusbahn.
Die Behauptung im Klartext
Wer die Pilatusbahn fotografiert, sieht zunächst eine ganz normale Zahnradbahn, die sich eine steile Felswand hinaufarbeitet.
Die Behauptung geht jedoch weiter und besagt, dass die Zähne der Zahnstange hier nicht oben liegen, sondern seitlich.
Das klingt zunächst wie ein technisches Detail ohne große Bedeutung.
Tatsächlich ist es der Grund, warum diese Bahn überhaupt so steil fahren kann.

Warum eine normale Zahnstange hier versagt
Bei den meisten Zahnradbahnen greift das Zahnrad von oben in eine Zahnstange mit senkrecht stehenden Zähnen.
Mit wachsender Steigung drückt die Last das Zahnrad immer stärker nach oben aus diesem Eingriff heraus.
Fachleute sprechen vom Aufklettern des Zahnrades, und genau diese Gefahr steigt mit der Neigung.
Bei einer maximalen Steigung von 48 Prozent wäre dieses Risiko mit einer gewöhnlichen Zahnstange schlicht zu groß.
Gut zu wissen
Die Pilatusbahn entstand im 19. Jahrhundert und zählt bis heute zu den bekanntesten Bergbahnen der Schweiz.
Wegen der seitlichen Zahnstange gelten für Bau und Unterhalt besondere Regeln, die es so bei kaum einer anderen Strecke gibt.
Die Erfindung von Eduard Locher
Für die Pilatusbahn entwickelte der Ingenieur Eduard Locher deshalb eine Zahnstange mit seitlichem Eingriff.
Die Zähne sitzen dabei nicht auf der Oberseite, sondern waagerecht an den beiden Flanken der Zahnstange.
Zwei liegende Zahnräder greifen von links und rechts gleichzeitig in diese Zähne.
So ziehen sie die Bahn wie in einer Zange nach oben, ohne nach oben herausspringen zu können.
Dieses nach ihm benannte System Locher gilt als Schlüssel zur Rekordsteigung.
Wie das System im Detail arbeitet
Weil die Kräfte von beiden Seiten gleichzeitig angreifen, heben sie sich gegenseitig auf.
Das Zahnrad wird dadurch sauber in der Zahnstange gehalten, statt aus ihr herauszuwandern.
Der Antrieb bleibt so auch bei größter Neigung formschlüssig und sicher.
Genau diese doppelte, waagerechte Führung unterscheidet die Pilatusbahn von fast allen anderen Bergbahnen.
Der Preis: keine gewöhnlichen Weichen
Jede technische Lösung hat ihren Preis, und beim System Locher betrifft er die Weichen.
Eine seitlich greifende Zahnstange lässt sich nämlich nicht einfach wie ein normales Gleis verschwenken.
Deshalb sind herkömmliche Weichen auf der Pilatusbahn nicht möglich.
Stattdessen kommen Schiebebühnen und sogenannte Gleiswender zum Einsatz, die ganze Gleisstücke versetzen oder drehen.
Die Strecke auf den Pilatus
Die Bahn startet in Alpnachstad am Vierwaldstättersee und endet hoch oben bei der Station Pilatus Kulm.
Auf einer Länge von rund 4,6 Kilometern überwindet sie dabei etwa 1635 Höhenmeter.
Ihre Spurweite beträgt schmale 800 Millimeter, passend zum engen, felsigen Gelände.
In Alpnachstad besteht Anschluss an die Züge der Zentralbahn und an die Schiffe von Luzern her.
Andere Zahnstangensysteme zum Vergleich
Die meisten Zahnradbahnen nutzen Systeme mit senkrechten Zähnen, etwa nach Riggenbach, Abt oder Strub.
Diese Bauarten reichen für Steigungen völlig aus, wie sie an den meisten Bergen vorkommen.
Erst die extreme Neigung am Pilatus machte eine ganz eigene Konstruktion nötig.
Das System Locher blieb deshalb eine Sonderlösung und ist eng mit dieser einen Bahn verbunden.
Was Fahrgäste davon merken
Im Wagen selbst ist von der ausgeklügelten Mechanik unter dem Boden kaum etwas zu spüren.
Die Bahn zieht gleichmäßig und ruhig die Felswand hinauf, während draußen der See immer kleiner wird.
Der Blick wandert eher zu den Steilhängen und zur Aussicht als zur Zahnstange.
Gerade das ist das Kennzeichen guter Technik: Sie arbeitet zuverlässig und bleibt dabei unauffällig.
Das Fazit
Die Behauptung ist richtig, denn die Pilatusbahn nutzt tatsächlich eine Zahnstange mit waagerecht liegenden Zähnen.
Das System Locher mit seitlichem Eingriff macht die Rekordsteigung erst möglich.
Ohne diese Erfindung wäre die steilste Zahnradbahn der Welt an dieser Felswand nicht denkbar.
Ein kleines Detail an der Zahnstange trägt hier also eine ganze Bergbahn.
Warum sich der Blick aufs Detail lohnt
Der Bahnbetrieb steckt voller kleiner Dinge, die kaum jemand bewusst wahrnimmt.
Und doch hängt der reibungslose Ablauf oft genau an diesen Kleinigkeiten.
Ein einziges Bauteil kann darüber entscheiden, ob ein Zug rollt oder steht.
Wer genauer hinschaut, entdeckt hinter dem Alltag eine erstaunlich feine Technik.
Dieses Zusammenspiel unzähliger Teile ist die eigentliche Leistung der Bahn.
Es lohnt sich, dem scheinbar Selbstverständlichen einmal Beachtung zu schenken.
Zwischen Technik und Menschen
Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.
Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.
Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.
Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.
Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.
Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.
