Stimmt es, dass …?
„Vorsicht am Bahnsteig: Dieser schwere Erzzug rollt hoch hinauf in den Norden nach Narvik.“
Stimmt es, dass die nördlichste Bahn Europas Erz nach Narvik bringt?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Die Erzbahn von Nordschweden nach Narvik bringt tatsächlich Eisenerz zum eisfreien Hafen am Atlantik. Der Mythos stimmt nur zum Teil, denn als nördlichste Bahn gilt sie bloß für das zusammenhängende Normalspurnetz Europas, in Russland liegen Strecken noch weiter im Norden.
Hoch im Norden Europas verbindet eine Bahn Schweden und Norwegen.
Sie bringt schweres Eisenerz zu einem Hafen am Meer.
Dieser Beitrag prüft, ob sie wirklich die nördlichste Bahn Europas ist.

Die Fakten in Zahlen
1903
offiziell eröffnet
erste Erzzüge schon 1902
68 Grad N
Lage von Narvik
weit nördlich des Polarkreises
eisfrei
Hafen Narvik
auch im Winter nutzbar
Das Erz stammt aus den Gruben von Kiruna und Gällivare in Nordschweden.
Eine Bahn für das Eisenerz
Tief im Norden Schwedens liegen große Vorkommen an Eisenerz.
Lange ließ sich dieses Erz kaum abtransportieren.
Erst eine eigene Bahn machte den Abbau wirklich lohnend.
Diese Erzbahn bringt das Gestein bis zur Küste.
Dort wird es auf Schiffe verladen.
Dieser Beitrag prüft die Behauptung, sie sei die nördlichste Bahn Europas.

Von Kiruna nach Narvik
Die Strecke beginnt in den Erzstädten Nordschwedens.
Wichtige Orte sind Kiruna und Gällivare.
Der schwedische Teil heißt Malmbanan.
An der Grenze geht er in die norwegische Ofotbanen über.
Diese führt hinunter zur Hafenstadt Narvik.
Zusammen bilden beide Teile die große Erzbahn.
Gut zu wissen
Der schwedische Teil der Strecke heißt Malmbanan, der norwegische Ofotbanen; zusammen werden sie als Erzbahn bezeichnet.
Der Hafen Narvik bleibt dank eines warmen Meeresstroms auch im Winter eisfrei, während die Ostseehäfen zufrieren.
Warum der Hafen Narvik
Das Erz könnte auch zu einem schwedischen Hafen rollen.
Doch die Häfen an der Ostsee frieren im Winter zu.
Narvik liegt dagegen am offenen Atlantik.
Ein warmer Meeresstrom hält den Hafen das ganze Jahr eisfrei.
So können Schiffe auch im tiefsten Winter beladen werden.
Deshalb führt die Bahn über die Berge bis nach Norwegen.
Erbaut um das Jahr 1900
Das schwedische Parlament beschloss 1898 den Bau bis nach Norwegen.
Der Abschnitt zwischen Gällivare und Kiruna ging 1899 in Betrieb.
Der Bahnhof in Narvik nahm im Herbst 1902 seine Arbeit auf.
Noch im November 1902 fuhren die ersten Erzzüge dorthin.
Die offizielle Eröffnung folgte am 14. Juli 1903.
Ein schwedischer König weihte die Strecke feierlich ein.
Früh unter Strom
Die Erzbahn wurde schon früh elektrisch betrieben.
Mit Strom ließen sich die schweren Züge besser bewegen.
Für die Versorgung entstand ein eigenes Wasserkraftwerk.
Es wurde zwischen 1910 und 1915 gebaut.
Ab 1915 fuhren die ersten elektrischen Züge.
Damit war die Bahn ihrer Zeit weit voraus.
Schwere Erzzüge
Auf der Strecke verkehren besonders schwere Güterzüge.
Sie sind vollständig mit Eisenerz beladen.
Schon 1906 wurden über anderthalb Millionen Tonnen befördert.
Seither ist die Menge stark gewachsen.
Neben dem Erz fahren auch Personenzüge über die Strecke.
Für Reisende ist die Fahrt durch die Berge ein Erlebnis.
Weit nördlich des Polarkreises
Narvik liegt auf rund 68 Grad nördlicher Breite.
Das ist deutlich nördlich des Polarkreises.
Auf der Strecke gab es sogar eine Haltestelle mit dem Namen Polarkreis.
Im Sommer geht dort die Sonne wochenlang nicht unter.
Im Winter bleibt es dafür lange dunkel.
Die Bahn fährt also durch eine echte Polarlandschaft.
Die nördlichste Bahn Europas?
Narvik gilt als nördlichster Bahnhof im Personenverkehr des europäischen Normalspurnetzes.
Die Erzbahn ist die nördlichste Strecke, die mit dem übrigen Netz Europas verbunden ist.
In diesem Sinn trägt sie den Titel zu Recht.
Für Reisende aus Mitteleuropa ist sie das Ende der durchgehenden Schiene nach Norden.
Weiter kommt man mit dem normalen Zug nicht.
Der Ruf als nördlichste Bahn hat also einen wahren Kern.
Noch weiter im Norden
Ganz stimmt der Titel aber nicht.
In Russland liegen auf der Halbinsel Kola Bahnstrecken noch weiter nördlich.
Rund um Murmansk fahren Züge oberhalb des Breitengrads von Narvik.
Diese Strecken sind jedoch in der russischen Breitspur gebaut.
Mit dem übrigen Netz Europas sind sie nicht direkt verbunden.
Deshalb gilt Narvik nur mit dieser Einschränkung als nördlichste Bahn.
Das Fazit
Der Mythos stimmt nur zum Teil.
Die Erzbahn bringt wirklich Eisenerz zum eisfreien Hafen Narvik.
Narvik ist der nördlichste Personenbahnhof im zusammenhängenden Normalspurnetz Europas.
Noch weiter nördlich liegen aber russische Strecken auf der Kola-Halbinsel.
Als nördlichste Bahn Europas gilt die Erzbahn daher nur mit einer Einschränkung.
Warum die Bahn für das ganze Land zählt
Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.
Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.
Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.
Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.
Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.
So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.
Warum Verlässlichkeit so wichtig ist
Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.
Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.
Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.
Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.
Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.
Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.
