Stimmt es, dass die DDR-Reichsbahn die West-Berliner S-Bahn betrieb?

Stimmt es, dass …?

„Information zur S-Bahn: Dieser Zug im Westteil der Stadt wurde einst von einer Bahn aus dem Osten gefahren.“

Stimmt es, dass die DDR-Reichsbahn die West-Berliner S-Bahn betrieb?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand – und diesmal lautet die Antwort eindeutig ja.

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Kurz gesagt

Ja, das stimmt: Bis zum 9. Januar 1984 betrieb die Deutsche Reichsbahn der DDR die S-Bahn auch im Westteil Berlins. Erst an diesem Tag übernahm die West-Berliner BVG den Betrieb – ein Erbe des Vier-Mächte-Status der geteilten Stadt.

Eine Bahn des einen deutschen Staates fuhr jahrzehntelang mitten durch den anderen und kassierte dort sogar das Fahrgeld.

Was wie ein Irrtum klingt, war in Berlin bis 1984 ganz normaler Alltag.

Dahinter steckt eine der merkwürdigsten Folgen der deutschen Teilung.

Eingang zum S Bahnhof Yorckstraße in Berlin
Foto: JoachimKohler-HB, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

9. Jan. 1984

BVG-Übernahme

Ende des Reichsbahn-Betriebs im Westteil

13. Aug. 1961

Mauerbau

Beginn des Fahrgast-Boykotts im Westen

500.000 → unter 50.000

Fahrgäste pro Tag

Einbruch nach dem Mauerbau

120–140 Mio. DM

pro Jahr

geschätzte Verluste im Westteil

Quelle: Wikipedia („S-Bahn-Boykott“, „S-Bahn Berlin“); die Verlustschätzung nach Winfried Wolf (1994).

Ein Netz, das die Teilung überdauerte

Nach dem Zweiten Weltkrieg übertrugen die Siegermächte der Deutschen Reichsbahn den Eisenbahnbetrieb in ganz Berlin.

Dazu zählte auch die S-Bahn, und zwar in allen vier Sektoren der Stadt.

Die Reichsbahn war die Staatsbahn der späteren DDR und hatte ihren Sitz im Osten.

So fuhr nach dem Mauerbau eine Bahn aus dem Osten weiter durch den Westen.

Dieser Zustand hielt sich über Jahrzehnte, weil der besondere Status Berlins ihn absicherte.

Anhalter Bahnhof Berlin S Bahn
Foto: Lukas Beck, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Warum die Reichsbahn im Westen das Sagen hatte

Der Grund lag im Vier-Mächte-Status Berlins, der viele Regelungen aus der Vorkriegszeit fortschrieb.

Die alliierten Siegermächte hatten den Betrieb einst der Reichsbahn zugesprochen, und dabei blieb es.

Für die DDR war das ein gutes Geschäft, denn die Fahrgäste im Westen zahlten in D-Mark.

Diese harte Währung floss in den Osten, während viele Kosten in Mark der DDR anfielen.

Die S-Bahn im Westen war damit zugleich eine Devisenquelle für den anderen deutschen Staat.

Gut zu wissen

Die Deutsche Reichsbahn war die Staatsbahn der DDR und trug ihren alten Namen bis zur Vereinigung mit der Bundesbahn im Jahr 1994.

Dass eine Ost-Bahn im Westen fuhr, war kein Versehen, sondern das Ergebnis der komplizierten Rechtslage im geteilten Berlin.

Der Mauerbau und der große Boykott

Mit dem Mauerbau am 13. August 1961 kippte die Stimmung gegenüber der S-Bahn im Westen.

Viele West-Berliner wollten kein Geld mehr an die Bahn eines Staates zahlen, der die Stadt eingemauert hatte.

Der Regierende Bürgermeister Willy Brandt und der Gewerkschaftsbund DGB riefen zum Boykott auf.

Der Leitgedanke lautete sinngemäß, keine S-Bahn-Groschen für den Stacheldraht zu zahlen.

Studenten und große Zeitungen unterstützten den Aufruf, und der Senat duldete ihn stillschweigend.

Leere Züge und hohe Verluste

Der Boykott zeigte rasch Wirkung, denn die Fahrgastzahlen brachen dramatisch ein.

Vor dem Mauerbau nutzten rund eine halbe Million Menschen täglich die West-Berliner S-Bahn.

Danach sank die Zahl auf unter fünfzigtausend Fahrgäste am Tag.

Die Reichsbahn fuhr im Westen deshalb jahrelang hohe Verluste ein.

Schätzungen nennen Fehlbeträge von etwa einhundertzwanzig bis einhundertvierzig Millionen D-Mark pro Jahr.

Verfall, Streik und Stilllegungen

Mit den leeren Zügen verfielen auch die Anlagen, denn für Investitionen fehlte schlicht das Geld.

Bahnhöfe im Westen wirkten zunehmend grau, veraltet und wenig gepflegt.

Im September 1980 legte ein Streik der West-Berliner Reichsbahner große Teile des Betriebs lahm.

In der Folge wurden viele Strecken im Westteil stillgelegt, und nur ein Restnetz blieb übrig.

Die einst stolze Stadtbahn war zu einem Sorgenkind der Teilung geworden.

Die Übernahme durch die BVG 1984

Anfang der achtziger Jahre verhandelte der West-Berliner Senat mit Stellen in Ost-Berlin über eine Lösung.

Die alliierten Schutzmächte stimmten einer Übergabe des Betriebs schließlich zu.

Am 9. Januar 1984 übernahmen die Berliner Verkehrsbetriebe, kurz BVG, die S-Bahn im Westteil.

Damit endete der Betrieb der Reichsbahn im Westen nach fast vier Jahrzehnten.

Mit der Übernahme führte die BVG auch die bekannten Liniennummern mit dem Buchstaben S ein.

Wie es nach der Teilung weiterging

Der Fall der Mauer im November 1989 veränderte die Lage grundlegend.

Das zerschnittene S-Bahn-Netz wuchs Schritt für Schritt wieder zusammen.

Stillgelegte Strecken wurden erneuert und unterbrochene Linien wieder verbunden.

Seit Mitte der neunziger Jahre liegt der Betrieb in der Hand einer gemeinsamen Gesellschaft im Konzern der Deutschen Bahn.

Von der alten Ost-West-Teilung der Bahnhöfe ist heute im Fahrplan nichts mehr zu spüren.

Das Fazit

Die Behauptung stimmt in vollem Umfang.

Die Deutsche Reichsbahn der DDR betrieb die S-Bahn im Westteil Berlins bis zum 9. Januar 1984.

Erst dann übernahm die West-Berliner BVG den Betrieb von der Ost-Bahn.

Verantwortlich war der besondere Vier-Mächte-Status der Stadt, nicht ein Versehen der Verwaltung.

Die West-Berliner S-Bahn ist damit ein sehr greifbares Stück deutscher Teilungsgeschichte.

Der Zug als umweltfreundliche Wahl

Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.

Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.

Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.

Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.

Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.

So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.

Warum Verlässlichkeit so wichtig ist

Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.

Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.

Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.

Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.

Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.

Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.

Häufige Fragen

Wer betrieb die S-Bahn in West-Berlin?
Bis zum 9. Januar 1984 betrieb die Deutsche Reichsbahn der DDR die S-Bahn auch im Westteil Berlins. Erst danach übernahm die West-Berliner BVG.
Warum durfte eine Ost-Bahn im Westen fahren?
Der Grund war der Vier-Mächte-Status Berlins. Die Siegermächte hatten den Betrieb nach dem Krieg der Reichsbahn übertragen, und diese Regelung blieb bestehen.
Was war der S-Bahn-Boykott?
Nach dem Mauerbau 1961 riefen Willy Brandt und der DGB dazu auf, die S-Bahn nicht mehr zu nutzen. Man wollte der DDR keine Devisen mehr über das Fahrgeld verschaffen.
Wie stark brachen die Fahrgastzahlen ein?
Vor dem Mauerbau fuhren rund 500.000 Menschen täglich mit der West-Berliner S-Bahn. Danach sank die Zahl auf unter 50.000 am Tag.
Seit wann gibt es die S-Linien mit Nummern?
Die bekannten Liniennummern mit dem Buchstaben S führte die BVG mit der Übernahme am 9. Januar 1984 ein. Vorher war das Netz anders gegliedert.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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