Stimmt es, dass die Burgdorf-Thun-Bahn die erste elektrische Vollbahn der Schweiz war?

Stimmt es, dass …?

„Auf Gleis 1899 fährt ein Stück Technikgeschichte ein: die erste elektrische Vollbahn der Schweiz.“

Stimmt es, dass die Burgdorf-Thun-Bahn die erste elektrische Vollbahn der Schweiz war?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Die Burgdorf-Thun-Bahn ging 1899 als erste elektrische Vollbahn der Schweiz in Betrieb. Sie fuhr von Anfang an mit Drehstrom und gehört heute zur BLS.

Dass die Schweiz heute als Bahnland gilt, hat viele Wurzeln.

Eine davon liegt im Emmental, auf der Strecke von Burgdorf nach Thun.

Dort rollte 1899 ein Zug an, der in keinem Technikbuch fehlen sollte.

SBB Historic 094 Drehstrom Lokomotive 750 Volts für die Burgdorf Thun Ba
Foto: Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

1899

21. Juli

Eröffnung als erste elektrische Vollbahn der Schweiz

750 Volt

40 Hertz

Drehstrom in der Fahrleitung

14

Stationen

Transformatoren wandelten den Strom entlang der Strecke

Zwischen Burgdorf und Thun lag über Bern ein Umweg von rund 53 Kilometern.

Was hinter der Behauptung steckt

Die Behauptung dreht sich um ein bestimmtes Wort: Vollbahn.

Elektrische Straßenbahnen gab es in Europa schon in den 1880er Jahren.

Eine Vollbahn ist dagegen eine Eisenbahn, die nach den Regeln der Hauptbahnen für den großen öffentlichen Verkehr gebaut ist.

Gemeint ist also die erste elektrisch betriebene richtige Eisenbahnstrecke der Schweiz, nicht die erste Tram.

Genau diese Rolle schreibt die Geschichte der Burgdorf-Thun-Bahn zu.

Der Blick in die Quellen zeigt, dass die Behauptung einen harten Kern hat.

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Foto: NAC, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Weg zwischen Burgdorf und Thun

Zwischen Burgdorf und Thun lag lange ein Umweg über Bern.

Dieser Umweg maß rund 53 Kilometer, obwohl die Städte näher beieinander liegen.

Der Wunsch nach einer direkten Verbindung war darum groß.

Die Strecke wurde zunächst in zwei Teilstücken konzessioniert, 1891 und 1893.

Ende 1896 fasste der Bund die Konzessionen zu einer Bahn von Thun über Konolfingen zusammen.

In Hasle-Rüegsau schloss die neue Linie an die ältere Emmentalbahn an.

Gut zu wissen

Als Vollbahn bezeichnet man eine Eisenbahn, die nach den strengen Regeln der Hauptbahnen für den allgemeinen Verkehr gebaut ist, anders als eine Straßen- oder Kleinbahn.

Drehstrom brauchte zwei Fahrdrähte über dem Gleis und war darum aufwendiger als die später üblichen Systeme mit nur einem Draht.

Die Eröffnung im Jahr 1899

Am 21. Juli 1899 wurde die Bahn dem Betrieb übergeben.

Von diesem Tag an gilt sie als erste elektrische Vollbahn der Schweiz.

Der elektrische Betrieb erlaubte schon damals einen dichten Fahrplan.

Das war wichtig, weil in Burgdorf, Konolfingen und Thun viele Anschlüsse warteten.

Für die Fahrgäste war eine saubere, rauchfreie Fahrt ein spürbarer Fortschritt.

Die Strecke war für die damalige Zeit recht lang, was den Mut der Entscheidung unterstreicht.

Warum ausgerechnet Drehstrom

Die Burgdorf-Thun-Bahn fuhr nicht mit Gleichstrom, sondern mit Drehstrom.

In der Fahrleitung lagen 750 Volt bei einer Frequenz von 40 Hertz.

Eine höhere Spannung erlaubte das Eisenbahndepartement aus Sicherheitsgründen nicht.

Vorbild war die Stansstad-Engelberg-Bahn, die mit Drehstrom gute Erfahrungen gemacht hatte.

Drehstrom brauchte allerdings zwei getrennte Fahrdrähte, was die Oberleitung aufwendig machte.

Diese Technik blieb in der Schweiz darum eine Ausnahme und setzte sich auf Dauer nicht durch.

Die Köpfe hinter der Idee

Eine wichtige Rolle spielte der Elektroingenieur Emil Blattner.

Er war Professor für Elektrotechnik am Technikum Burgdorf und zugleich im Gemeinderat der Stadt.

Diese Nähe von Technik und Politik half dem mutigen Entscheid für den elektrischen Betrieb.

Die elektrische Ausrüstung lieferte die Firma Brown, Boveri & Cie.

Dieses Unternehmen gehörte damals zu den führenden Namen der Elektrotechnik.

So trafen in Burgdorf Wissen, Geld und politischer Wille zusammen.

Woher der Strom kam

Den Strom lieferte das im Bau befindliche Kander-Kraftwerk bei Spiez.

Es speiste eine Primärspannung von 16 000 Volt mit 40 Hertz in eine Freileitung ein.

Diese Leitung lief entlang der Bahn und versorgte zugleich die Stadt Burgdorf mit Strom.

In vierzehn Transformatorenstationen wurde die Spannung auf 750 Volt heruntergesetzt.

Erst dann floss der Strom in die zweipolige Fahrleitung über den Gleisen.

Die Bahn war damit eng mit dem Aufbau der öffentlichen Stromversorgung verbunden.

Vollbahn, Tram und Lokomotive

Für das Verständnis lohnt der Blick auf andere Erfindungen der Zeit.

Eine erste elektrische Lokomotive hatte Werner von Siemens schon 1879 vorgeführt.

Elektrische Straßenbahnen fuhren in mehreren Städten bereits in den 1880er Jahren.

Diese zählen aber nicht als Vollbahnen im Sinne einer großen Eisenbahnstrecke.

Darum widerspricht die frühe Tram der Behauptung nicht.

Der Titel erste elektrische Vollbahn der Schweiz bleibt der Burgdorf-Thun-Bahn.

Was aus der Bahn wurde

Die Burgdorf-Thun-Bahn blieb nicht für immer eigenständig.

Ihre Strecke ist heute Bestandteil der BLS AG.

Damit gehört die einstige Pionierlinie zu einem großen Schweizer Bahnunternehmen.

Der Drehstrombetrieb der Anfangsjahre wurde später aufgegeben.

Die Schweiz stellte ihr Netz nach und nach auf ein einheitliches Wechselstromsystem um.

Die historische Leistung der Strecke bleibt davon unberührt.

Warum der Rekord heute wenig bekannt ist

Viele Menschen verbinden frühe Elektrobahnen eher mit großen Städten.

Eine Linie im Emmental passt nicht ins übliche Bild.

Dazu kommt, dass der Drehstrombetrieb eine technische Sackgasse blieb.

Spätere Systeme sahen anders aus und verdrängten die Erinnerung an die Anfänge.

So geriet der Pionierstatus der Strecke aus dem Blick.

Fachleute der Bahngeschichte kennen ihn jedoch bis heute.

Was die Geschichte lehrt

Die Burgdorf-Thun-Bahn zeigt, dass Fortschritt oft aus der Provinz kommt.

Nicht die größte Stadt, sondern der entschlossene Ort setzte das Zeichen.

Sie zeigt auch, dass nicht jede frühe Technik zur späteren Norm wird.

Der Drehstrom war mutig, aber nicht zukunftsfest.

Trotzdem ebnete die Strecke den Weg für die elektrische Schweiz.

Heute fährt dort selbstverständlich elektrischer Verkehr, wie fast überall im Land.

Das Fazit

Die Behauptung stimmt.

Die Burgdorf-Thun-Bahn ging 1899 als erste elektrische Vollbahn der Schweiz in Betrieb.

Sie fuhr von Beginn an mit Drehstrom, was sie technisch besonders macht.

Dass elektrische Trams älter sind, ändert nichts am Titel für die Vollbahn.

Heute ist die Strecke Teil der BLS und damit lebendige Bahngeschichte.

Wer durch das Emmental fährt, rollt über eine echte Pionierstrecke.

Warum die Bahn für das ganze Land zählt

Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.

Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.

Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.

Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.

Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.

So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.

Von der Dampflok bis heute

Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.

Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.

Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.

Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.

Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.

Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.

Häufige Fragen

War die Burgdorf-Thun-Bahn die erste elektrische Bahn überhaupt?
Nein, elektrische Straßenbahnen und eine elektrische Lokomotive gab es schon früher; sie war aber die erste elektrische Vollbahn der Schweiz.
Wann wurde die Strecke eröffnet?
Am 21. Juli 1899 wurde sie dem Betrieb übergeben.
Mit welchem Strom fuhr sie?
Sie fuhr mit Drehstrom, mit 750 Volt und 40 Hertz in der Fahrleitung.
Woher kam der Strom?
Aus dem Kander-Kraftwerk bei Spiez, über eine Freileitung und vierzehn Transformatorenstationen.
Gibt es die Bahn noch?
Die Strecke besteht und ist heute Bestandteil der BLS AG.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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