Stimmt es, dass …?
„Bitte zurückbleiben: Hier ging 1933 ein stromlinienförmiger Triebwagen auf die Reise, der Berlin und Hamburg schneller verband als jeder Zug zuvor.“
Stimmt es, dass der Fliegende Hamburger der erste schnelle Dieseltriebzug war?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Stimmt es, dass …?
Kurz gesagt
Der Fliegende Hamburger war ab 1933 der erste schnelle Dieseltriebwagen der Deutschen Reichsbahn und schuf die damals schnellste Zugverbindung der Welt. Der allererste Triebwagen mit Dieselantrieb war er aber nicht, denn langsamere Modelle gab es schon vorher.
Wenn vom Beginn des schnellen Reisens auf der Schiene die Rede ist, fällt oft der Name eines silbrigen Triebwagens aus den 1930er Jahren.
Der Fliegende Hamburger gilt vielen als der Zug, der das Tempo auf die deutschen Gleise brachte.
Ob er wirklich der erste schnelle Dieseltriebzug war, lässt sich erstaunlich genau nachprüfen.

Die Fakten in Zahlen
1933
Betriebsstart
Schnellverkehr Berlin–Hamburg
160 km/h
planmäßig
Höchstgeschwindigkeit im Fahrplan
175 km/h
Versuchsfahrt
bei Testfahrten gemessen
Zwei Maybach-Dieselmotoren mit je 410 PS trieben über Generatoren die Elektromotoren des Zuges an.
Was der Fliegende Hamburger wirklich war
Der offizielle Name des Zuges war Schnellverbrennungstriebwagen SVT 877, später bei der Bundesbahn als Baureihe VT 04.0 geführt.
Es handelte sich um einen zweiteiligen Triebwagen, also um einen Zug mit eigenem Antrieb statt um eine Lokomotive mit angehängten Wagen.
Die Deutsche Reichsbahn setzte ihn ab 1933 zwischen Berlin und Hamburg ein.
Seinen Spitznamen Fliegender Hamburger bekam er im Volksmund wegen seines Tempos und seines Ziels.

Der erste Schnelltriebwagen der Reichsbahn
Die Deutsche Reichsbahn führte den SVT 877 als ihren ersten Schnelltriebwagen.
Er war zugleich der erste Stromlinienzug, der planmäßig nach Fahrplan verkehrte.
Mit ihm entstand 1933 die damals schnellste Zugverbindung der Welt.
In diesem Sinn war er tatsächlich ein Pionier des schnellen Reisens auf der Schiene.
Gut zu wissen
Ein Triebwagen ist ein Zug, der seinen Antrieb selbst mitführt und keine eigene Lokomotive davor braucht.
Beim dieselelektrischen Antrieb erzeugt der Dieselmotor Strom, der dann Elektromotoren an den Rädern speist.
Warum das Wort Diesel genauer betrachtet werden muss
Der Fliegende Hamburger trug zwei Dieselmotoren der Firma Maybach mit je 410 PS.
Diese Motoren trieben aber nicht unmittelbar die Räder an, sondern Generatoren.
Der erzeugte Strom lief dann zu Elektromotoren an den Achsen, was man dieselelektrischen Antrieb nennt.
Der Zug war also ein Dieseltriebwagen, der im Inneren mit Strom fuhr.
War er wirklich der allererste Dieseltriebwagen?
Dieseltriebwagen gab es schon vor dem Fliegenden Hamburger, allerdings langsamer und weit unauffälliger.
Das Besondere war nicht der Dieselantrieb an sich, sondern die hohe Geschwindigkeit im geplanten Betrieb.
Er war damit der erste schnelle Dieseltriebwagen im regelmäßigen Fernverkehr, nicht der erste Dieseltriebwagen überhaupt.
Die Legende verkürzt hier einen genaueren Sachverhalt auf eine einprägsame Aussage.
Wie schnell er wirklich fuhr
Im Fahrplan war eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h festgelegt.
Bei Versuchsfahrten erreichte der Triebwagen sogar bis zu 175 km/h.
Für die frühen 1930er Jahre waren das außergewöhnliche Werte im Alltagsbetrieb.
Kein anderer planmäßiger Zug der Welt war damals schneller unterwegs.
Die Technik hinter der Stromlinie
Die windschnittige Form wurde eigens in Windkanalversuchen entwickelt.
Dazu kam eine Leichtbauweise, die das Gewicht des Zuges niedrig hielt.
Beide Fahrzeughälften stützten sich in der Mitte auf ein gemeinsames Drehgestell.
Diese Bauweise machte den Zug schnell, ruhig und zugleich sparsam.
Was der Zug für das Reisen bedeutete
Der Fliegende Hamburger verband die beiden größten Städte Norddeutschlands in neuer Geschwindigkeit.
Geschäftsreisende konnten nun an einem einzigen Tag hin- und zurückfahren.
Der Zug wurde zum Sinnbild für Fortschritt und Tempo auf der Schiene.
Sein Erfolg führte bald zu weiteren Schnelltriebwagen auf anderen Strecken.
Vom Vorbild zu späteren Zügen
Die Idee des schnellen Triebwagens wurde nach dem Vorbild des Fliegenden Hamburgers ausgebaut.
Es entstanden weitere Schnelltriebwagen, die auch andere Großstädte miteinander verbanden.
Nach dem Krieg lebte das Fahrzeug als Baureihe VT 04 bei der Bundesbahn weiter.
Die Grundidee, Antrieb und Wagen zu verbinden, prägt bis heute moderne Triebzüge.
Das Fazit
Die Aussage stimmt mit einer kleinen Einschränkung.
Der Fliegende Hamburger war der erste schnelle Dieseltriebwagen im planmäßigen Fernverkehr und schuf 1933 die schnellste Zugverbindung der Welt.
Er war aber nicht der erste Dieseltriebwagen überhaupt, denn langsamere Vorläufer gab es bereits.
Als Pionier des schnellen Reisens auf der Schiene hat er seinen Platz in der Geschichte dennoch sicher.
Warum Verlässlichkeit so wichtig ist
Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.
Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.
Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.
Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.
Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.
Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.
Warum die Bahn für das ganze Land zählt
Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.
Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.
Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.
Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.
Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.
So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.
