Stimmt es, dass …?
„Nächster Halt Ospizio Bernina: Von hier geht es über 1800 Meter hinab in den Süden.“
Stimmt es, dass der Bernina Express vom Gletscher zu den Palmen fährt?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Der Bernina Express führt von der kargen Höhe am Berninapass hinunter in das milde Veltlin bei Tirano. Das Bild stimmt weitgehend, auch wenn die Palmen eher ein Werbebild sind und dort vor allem Wein und Obst wachsen.
Der Bernina Express gilt als einer der spektakulärsten Züge der Alpen.
Die Rhätische Bahn bewirbt die Fahrt gern mit dem Bild von Gletschern und Palmen.
Doch wie viel von diesem Gegensatz lässt sich wirklich belegen?

Die Fakten in Zahlen
2253 m
Ospizio Bernina
höchster Punkt der Strecke
429 m
Tirano
Endpunkt im Veltlin
144 km
Länge
Chur bis Tirano
Zwischen dem Scheitelpunkt und dem Ziel liegen rund 1800 Meter Höhenunterschied.
Ein Zug mit großem Versprechen
Der Bernina Express ist eines der bekanntesten Aushängeschilder der Rhätischen Bahn.
Schon sein Werbebild verspricht einen Gegensatz, der kaum größer sein könnte.
Oben warten Schnee, Fels und Eis in großer Höhe.
Unten soll der Süden mit milder Luft beginnen.
Genau dieser Sprung vom Gletscher zu den Palmen steht hier auf dem Prüfstand.

Von Chur bis nach Tirano
Die Strecke beginnt in Chur auf rund 585 Metern Höhe.
Von dort führt sie über das Albulagebirge ins Oberengadin.
Weiter geht es über den Berninapass hinab bis nach Tirano in Italien.
Insgesamt misst die Fahrt etwa 144 Kilometer und dauert rund vier Stunden.
Einzelne Zugteile beginnen oder enden zudem in St. Moritz.
Gut zu wissen
Eine Adhäsionsbahn fährt allein über die Reibung zwischen Rad und Schiene, ohne Zahnstange; die Berninabahn gilt als höchste Bahn dieser Art in den Alpen.
Teile des Bernina Express beginnen oder enden in St. Moritz, sodass die Fahrt je nach Zug unterschiedlich lang ausfällt.
Hinauf zum Berninapass
Der höchste Punkt der Strecke liegt am Ospizio Bernina.
Dort erreicht die Bahn 2253 Meter über dem Meer.
Das ist der Scheitelpunkt der gesamten Reise.
In dieser Höhe ist die Landschaft karg und hochalpin.
Fels, Firn und kleine Seen prägen das Bild am Pass.
Die Gletscherwelt am Scheitel
Rund um den Berninapass ragt das Bernina-Massiv auf.
Seine Gipfel tragen Gletscher und bleiben lange schneebedeckt.
Von der Bahn aus reicht der Blick in diese eisige Welt.
Gerade dieser Anblick steckt hinter dem Wort Gletscher im Werbespruch.
Der obere Teil der Reise macht seinem Ruf also alle Ehre.
Ganz ohne Zahnrad
Trotz der großen Höhe fährt die Berninabahn ohne Zahnstange.
Sie ist eine reine Adhäsionsbahn und kommt allein mit der Reibung der Räder aus.
Ihre stärkste Steigung beträgt rund 70 Promille, also sieben Prozent.
Damit gilt sie als höchste Adhäsionsbahn der Alpen.
Gefahren wird auf schmaler Meterspur mit nur einem Meter zwischen den Schienen.
Hinab ins milde Veltlin
Vom Pass aus geht es in weiten Schleifen talwärts.
Durch das Puschlav sinkt die Strecke immer tiefer.
Am Ende erreicht sie Tirano auf nur noch gut 400 Metern Höhe.
Zwischen Scheitel und Ziel liegen damit rund 1800 Meter Unterschied.
Mit jeder Kurve wird die Luft spürbar milder.
Wo der Wein wächst
Tirano liegt im Veltlin, einem Tal im Norden Italiens.
Dort bestimmen seit jeher Obst- und Weinbau die Landschaft.
Oberhalb der Stadt ziehen sich Weinberge die Hänge hinauf.
Das Klima ist deutlich wärmer als oben am Pass.
So endet die Fahrt in einer freundlichen, südlich geprägten Gegend.
Was es mit den Palmen auf sich hat
Das Wort Palmen stammt vor allem aus der Werbung der Bahn.
Es soll den warmen, südlichen Charakter des Ziels auf den Punkt bringen.
Belegt sind für das Veltlin in erster Linie Weinberge und Obstgärten.
Einzelne Palmen in Gärten und auf Plätzen passen zwar ins Bild, sind aber nicht die Hauptsache.
Der Spruch ist also eher ein griffiges Sinnbild als eine genaue Beschreibung.
Welterbe auf Schienen
Die Strecke ist nicht nur landschaftlich bemerkenswert.
Gemeinsam mit der Albulabahn wurde die Berninabahn 2008 ausgezeichnet.
Seither gehören beide Linien zum Welterbe der UNESCO.
Gewürdigt wird damit die kühne Führung durch das Hochgebirge.
Viadukte, Kehren und Tunnel zeugen bis heute von dieser Leistung.
Das Fazit
Das Bild vom Gletscher zu den Palmen stimmt weitgehend.
Oben am Berninapass reicht die Strecke wirklich in eine hochalpine Gletscherwelt.
Unten endet sie im milden Veltlin, wo Wein und Obst gedeihen.
Die Palmen sind dabei ein Werbebild für dieses südliche Klima.
Als anschauliches Sinnbild für den großen Höhensprung trifft der Spruch den Kern.
Kleine Dinge, große Wirkung
Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.
Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.
Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.
In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.
Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.
So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.
Warum die Bahn für das ganze Land zählt
Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.
Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.
Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.
Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.
Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.
So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.
