Sollten die Regionalisierungsmittel für den Nahverkehr an die Inflation gekoppelt werden?

Standpunkt

„Aufgrund gestiegener Kosten entfallen ab dem Fahrplanwechsel einzelne Fahrten. Die Mittel sind fest, die Preise leider nicht.“

Sollten die Regionalisierungsmittel für den Nahverkehr an die Inflation gekoppelt werden?

→ Ein Standpunkt zu dem Geld, mit dem die Länder Ihre Regionalbahn bestellen.

Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Standpunkt

Worum es geht

Ja. Der Nahverkehr wird aus einem festen Topf bezahlt, der jährlich um einen festen Satz steigt. Wenn Löhne, Energie und Bau schneller teurer werden, schrumpft real das Angebot. Eine Kopplung an die tatsächliche Kostenentwicklung würde Abbestellungen verhindern.

Wer morgens in die Regionalbahn steigt, denkt selten an das Geld dahinter.

Dabei hat ein Land diese Fahrt bestellt und bezahlt sie aus einem festen Topf.

Dieser Topf heißt Regionalisierungsmittel und kommt vom Bund.

Er wächst jedes Jahr, aber nur um einen zuvor festgelegten Satz.

Steigen die Kosten schneller, reicht das Geld für weniger Züge.

Deshalb wird gefordert, den Topf an die Inflation zu koppeln.

Dienheim Haltepunkt Dienheim auf Bahnsteig zu Gleis 2 Richtung Mainz (RB
Foto: Wikimedia-User Jivee Blau, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Woher das Geld für die Regionalbahn kommt

Das Regionalisierungsgesetz von 1993 ist der Kern der Bahnreform.

Seit 1996 verteilt der Bund darüber die Regionalisierungsmittel an die Länder.

Sie stammen aus dem Aufkommen der Energiesteuer, früher Mineralölsteuer genannt.

Mit ihnen bestellen die Länder den Schienennahverkehr bei den Betreibern.

Der Fernverkehr dagegen muss sich ohne dieses Geld selbst tragen.

Pirna Bahnhof Bahnsteig 4 mit Siemens Desiro Classic als RB 71 nach Neus
Foto: Norbert Kaiser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Was Dynamisierung bedeutet

Damit der Topf mit den Kosten mitwächst, steigt er jährlich um einen festen Prozentsatz.

Diesen Aufwuchs nennt man Dynamisierung.

2016 wurden die Mittel auf acht Milliarden Euro angehoben, mit 1,8 Prozent Steigerung.

Seit Ende 2022 liegt die Dynamisierung bei drei Prozent im Jahr.

Ein fester Satz ist einfach, hat aber einen Haken.

Das Problem des festen Satzes

Löhne, Energie und Baukosten steigen nicht jedes Jahr gleich stark.

In teuren Jahren wachsen sie schneller als der feste Prozentsatz.

Dann kauft dasselbe Geld weniger Zugkilometer als zuvor.

Aus einem wachsenden Topf wird real eine schrumpfende Leistung.

Genau das haben viele Länder zuletzt zu spüren bekommen.

Was dann passiert

Reicht das Geld nicht, müssen die Länder Fahrten abbestellen.

Züge fahren seltener, am Abend oder am Wochenende fällt manches ganz weg.

Manchmal steigen auch die Fahrpreise, um die Lücke zu stopfen.

Das Angebot schrumpft dort, wo es eigentlich wachsen sollte.

Für Pendler ist das der spürbarste Teil der ganzen Finanzfrage.

Warum eine Kopplung helfen würde

Wächst der Topf mit den echten Kosten, bleibt das Angebot stabil.

Die Länder könnten verlässlich planen, statt jedes Jahr zu bangen.

Teure Jahre führten nicht mehr automatisch zu Kürzungen im Fahrplan.

Der Nahverkehr wäre besser vor plötzlichen Einschnitten geschützt.

Verlässliche Finanzierung ist die Grundlage für ein verlässliches Angebot.

Der Einwand der Kostendisziplin

Ein fester Topf zwingt alle Beteiligten, sparsam zu wirtschaften.

Eine offene Kopplung könnte diesen Druck verringern.

Auch die Frage, welche Inflation überhaupt gemeint ist, muss man klären.

Die allgemeinen Verbraucherpreise passen nicht genau zu den Kosten der Bahn.

Ohne klare Regeln wird aus der Kopplung schnell ein Streit.

Wie man es fair macht

Sinnvoll wäre die Bindung an einen eigenen Kostenindex des Nahverkehrs.

Er würde Löhne, Energie und Trassenpreise abbilden, nicht den Warenkorb im Supermarkt.

Eine Ober- und Untergrenze könnte extreme Ausschläge dämpfen.

Und die Mittel ließen sich an klare Qualitätsziele knüpfen.

So verbindet man Verlässlichkeit mit sparsamer Verwendung.

Was auf dem Spiel steht

Das Deutschlandticket und der tägliche Pendlerverkehr hängen an diesem Topf.

Er ist das Rückgrat der geplanten Verkehrswende auf der Schiene.

Schrumpft er real, verliert das Ticket seinen Wert, weil die Züge fehlen.

Verlässliche Mittel sind deshalb kein technisches Detail.

Sie entscheiden, ob der Nahverkehr wächst oder still zurückgebaut wird.

Was die Fahrgäste davon haben

Am Ende zählt für den Fahrgast vor allem eines: sicher und pünktlich anzukommen.

Jede kleine Verbesserung im Betrieb macht seine Reise ein wenig angenehmer.

Ein sauberer Zug und eine klare Anzeige nehmen ihm Sorge und Hektik.

Ein freundlicher Halt bleibt oft länger in Erinnerung als die Fahrt selbst.

So entsteht aus vielen Einzelheiten am Ende ein rundes Reiseerlebnis.

Und wer sich gut aufgehoben fühlt, steigt beim nächsten Mal gern wieder ein.

Zwischen Technik und Menschen

Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.

Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.

Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.

Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.

Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.

Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.

Von der Dampflok bis heute

Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.

Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.

Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.

Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.

Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.

Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.

Pro und Contra

Dafür

+  Verlässlichkeit: Wächst der Topf mit den Kosten, bleibt das Angebot stabil.

+  Planung: Länder könnten sicher planen, statt jährlich zu bangen.

+  Schutz: Teure Jahre führten nicht mehr automatisch zu Kürzungen.

+  Verkehrswende: Das Deutschlandticket braucht genug bestellte Züge.

+  Fairness: Der Nahverkehr darf nicht heimlich durch Inflation schrumpfen.

+  Klarheit: Eine feste Regel ist besser als jährliches Nachverhandeln.

Dagegen

−  Disziplin: Ein fester Topf zwingt zu sparsamem Wirtschaften.

−  Definition: Welche Inflation gemeint ist, muss erst geklärt werden.

−  Passung: Die Verbraucherpreise treffen die Kosten der Bahn nicht genau.

−  Haushalt: Eine offene Kopplung erschwert die Planung des Bundes.

−  Ausschläge: Ohne Grenzen könnte der Topf stark schwanken.

−  Bestehendes: Die Dynamisierung wurde zuletzt bereits deutlich angehoben.

Unterm Strich

Ein fester Topf mit festem Aufwuchs schrumpft in teuren Jahren real.

Dann fehlen genau die Züge, die der Nahverkehr dringend braucht.

Eine Kopplung an einen fairen Kostenindex gäbe verlässliche Planung.

Wie eng Geld und Preise gekoppelt sein sollten, beurteilen Sie selbst.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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