Sollten sich Bürger mit Bürgeraktien an Bahnprojekten beteiligen?

Standpunkt

„Sehr geehrte Fahrgäste, die neue Strecke, auf der Sie gleich fahren, könnte Ihnen zu einem kleinen Teil selbst gehören.“

Sollten sich Bürger mit Bürgeraktien an Bahnprojekten beteiligen?

→ Ein Standpunkt zur Frage, ob Bürger den Ausbau der Schiene mitfinanzieren sollten.

Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Standpunkt

Worum es geht

Ja, aber begrenzt. Eine Beteiligung der Bürger kann Zustimmung vor Ort schaffen und knüpft an die Anfänge der Eisenbahn an; sie darf aber die staatliche Verantwortung für die Schiene nicht ersetzen und die Menschen keinem Risiko aussetzen, das sie nicht überblicken.

Die deutsche Eisenbahn begann nicht beim Staat, sondern bei Bürgern mit Mut zum Risiko.

Ihr Geld baute die ersten Strecken, lange bevor der Staat die Bahn übernahm.

Heute stecken viele Bahnprojekte in Geldnot und in langen Genehmigungsverfahren.

Manche schlagen vor, die Bürger wieder direkt zu beteiligen, mit sogenannten Bürgeraktien.

Wäre das eine kluge Rückkehr zu den Wurzeln oder ein riskanter Umweg?

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Foto: Atamari, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Bahn als Kind der Bürgerbeteiligung

Der Neubau der ersten Strecken erfolgte in Deutschland zuerst durch private Gesellschaften.

Für die erste deutsche Fernbahn zwischen Leipzig und Dresden gründete Friedrich List eine Aktiengesellschaft.

Die Aktien dieser Gesellschaft waren bereits nach zwei Tagen verkauft.

So kam das für den Bau nötige Kapital von vielen einzelnen Anlegern zusammen.

Erst später gingen die vielen Bahnen in den Besitz der Länder und des Staates über.

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Foto: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Was mit Bürgeraktien gemeint ist

Bürgeraktien oder Bürgeranleihen sind Anteile oder Kredite, die Menschen aus der Region zeichnen.

Sie geben ihr Geld für ein Vorhaben und erhalten dafür einen Anteil oder eine Verzinsung.

Aus der Energiewende ist dieses Modell vielen vertraut, etwa bei Windparks in Bürgerhand.

Für einzelne Bahnprojekte wie eine Strecke oder einen Bahnhof gilt es bisher als Ausnahme.

Gemeint ist also nicht ein Anteil an der ganzen Deutschen Bahn, sondern an einem konkreten Projekt.

Das Argument der Akzeptanz

Neue Bahnstrecken stoßen vor Ort oft auf Widerstand und ziehen sich über viele Jahre.

Wer selbst beteiligt ist, sieht ein Projekt eher als das eigene an.

Aus Betroffenen können so Miteigentümer werden, die den Ausbau unterstützen.

Das kann Verfahren erleichtern und der Schiene vor Ort Rückhalt geben.

Gerade bei umstrittenen Vorhaben ist gewonnene Zustimmung viel wert.

Das Argument des Geldes

Der Ausbau der Schiene verschlingt Summen, die in die Milliarden gehen.

Jede zusätzliche Geldquelle kann helfen, Projekte schneller anzustoßen.

Bürgerkapital bindet Ersparnisse sinnvoll und schafft zugleich eine Bindung an die Bahn.

Gegenüber den Gesamtkosten aber bleiben solche Beträge meist klein.

Bürgeraktien sind daher eher eine Ergänzung als ein Ersatz für die großen Finanzierungsquellen.

Das Risiko für die Anleger

Wer Geld in ein Projekt steckt, kann es im schlimmsten Fall auch verlieren.

Bahnprojekte dauern lange, werden oft teurer als geplant und sind schwer zu überblicken.

Laien können die Chancen und die Gefahren einer solchen Anlage nur schwer einschätzen.

Ohne klare Regeln drohen Enttäuschung und der Vorwurf, der Staat schiebe sein Risiko ab.

Anlegerschutz und verständliche Bedingungen sind deshalb die Voraussetzung für alles Weitere.

Die Grenzen des Modells

Nicht jedes Projekt eignet sich für eine Beteiligung der Bürger.

Eine bundesweite Magistrale lässt sich schwer in kleine Anteile zerlegen.

Ein örtlicher Bahnhof oder eine reaktivierte Regionalstrecke passt dagegen eher.

Auch die Verwaltung solcher Beteiligungen kostet Zeit und Geld.

Das Modell taugt für ausgewählte Fälle, nicht für den gesamten Netzausbau.

Wer am Ende verantwortlich bleibt

Die Schiene ist Teil der öffentlichen Grundversorgung und damit eine Aufgabe des Staates.

Diese Verantwortung darf nicht auf die Ersparnisse einzelner Bürger abgewälzt werden.

Bürgeraktien können den Staat unterstützen, aber sie dürfen ihn nicht aus der Pflicht entlassen.

Bleibt die Finanzierung eines Projekts allein am Bürgerkapital hängen, ist etwas schiefgelaufen.

Die Grundlast der Finanzierung gehört in die öffentliche Hand.

Eine Ergänzung mit klaren Regeln

Richtig gemacht, verbindet das Modell Kapital mit Zustimmung und einem Gefühl von Eigentum.

Es knüpft an eine Zeit an, in der die Bahn wirklich ein Werk vieler Bürger war.

Voraussetzung sind Anlegerschutz, verständliche Bedingungen und eine ehrliche Erwartung.

Als Baustein neben der staatlichen Finanzierung kann es der Schiene vor Ort nützen.

Als Ersatz für die Pflicht des Staates wäre es dagegen ein gefährliches Signal.

Wie eine faire Beteiligung aussehen könnte

Am ehesten passt eine Beteiligung zu einem klar umrissenen Vorhaben in der eigenen Region.

Denkbar ist ein fester, überschaubarer Zins statt einer unsicheren Gewinnbeteiligung.

Kleine Höchstgrenzen je Person würden verhindern, dass jemand seine Ersparnisse aufs Spiel setzt.

Eine öffentliche Stelle könnte für die Bedingungen und die saubere Abwicklung geradestehen.

So bliebe das Modell ein freiwilliges Angebot und würde nicht zur Falle für Unerfahrene.

Auch eine Genossenschaft wäre ein möglicher Weg, Menschen aus der Region einzubinden.

Wichtig ist, dass niemand den Eindruck bekommt, hier werde ein Risiko schöngeredet.

Klarheit über Chancen und Gefahren ist die beste Grundlage für Vertrauen.

Je einfacher und je sicherer die Regeln sind, desto größer ist der mögliche Nutzen.

Von der Dampflok bis heute

Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.

Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.

Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.

Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.

Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.

Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.

Zwischen Technik und Menschen

Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.

Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.

Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.

Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.

Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.

Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.

Die Bahn als Teil des Alltags

Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.

Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.

Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.

Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.

So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.

Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.

Pro und Contra

Dafür

+  Die deutsche Eisenbahn entstand einst aus dem Kapital vieler Bürger und knüpft damit an ihre Wurzeln an.

+  Wer beteiligt ist, unterstützt ein Projekt eher und kann Verfahren vor Ort erleichtern.

+  Jede zusätzliche Geldquelle hilft, den teuren Ausbau der Schiene anzustoßen.

+  Aus der Energiewende ist das Modell der Bürgerbeteiligung bereits erprobt und bekannt.

+  Bürgerkapital bindet Ersparnisse sinnvoll und schafft eine Bindung an die eigene Bahn.

+  Für örtliche Bahnhöfe und Regionalstrecken passt die Beteiligung besonders gut.

Dagegen

−  Anleger können ihr Geld verlieren, wenn ein langes und teures Projekt scheitert.

−  Laien können die Risiken einer solchen Anlage nur schwer einschätzen.

−  Gegenüber den Milliardenkosten des Netzausbaus bleiben die Beträge meist klein.

−  Große, bundesweite Vorhaben lassen sich kaum in kleine Bürgeranteile zerlegen.

−  Die Schiene ist eine staatliche Aufgabe und darf nicht auf private Ersparnisse abgewälzt werden.

−  Ohne strengen Anlegerschutz droht der Vorwurf, der Staat schiebe sein Risiko ab.

Unterm Strich

Die Bahn war einmal ein Werk vieler Bürger, und dieser Gedanke hat noch heute Reiz.

Als Ergänzung mit klaren Regeln kann eine Beteiligung Geld und Zustimmung bringen.

Als Ersatz für die staatliche Verantwortung wäre sie ein Fehler.

Wie viel Bahn den Bürgern gehören soll, entscheiden Sie.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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