Sollte starkes Parfüm im Großraumwagen tabu sein?

Standpunkt

„Sehr geehrte Fahrgäste, bitte nehmen Sie im Großraumwagen Rücksicht auf die Nase Ihrer Mitreisenden.“

Sollte starkes Parfüm im Großraumwagen tabu sein?

→ Ein Standpunkt zu Düften, die sich im Zug nicht wegsetzen lassen.

Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Standpunkt

Worum es geht

Ja, aber als Rücksicht, nicht als Verbot. In einem vollen, schlecht gelüfteten Großraumwagen kann starkes Parfüm andere belasten und manche sogar krank machen; Zurückhaltung ist deshalb fair. Ein förmliches Verbot aber wäre kaum messbar und kaum durchsetzbar. Die ehrliche Antwort heißt Maß halten, nicht strafen.

Die Tür schließt, der Zug fährt an, und mit der nächsten Reihe kommt eine Wolke.

Ein schweres, süßes Parfüm legt sich über den ganzen Wagen.

Für den einen ist es angenehm, für den anderen kaum auszuhalten.

Doch im vollen Großraumwagen gibt es kein Entkommen, kein freies Fenster, keinen freien Platz.

Man sitzt in der Duftwolke fest, so wie man im Lärm eines Telefonats festsäße.

Und so stellt sich die alte Frage nach der Grenze zwischen Freiheit und Rücksicht.

Berlin Grünau, BVB Großraumwagen nr 218 054 3 ,July 1992
Foto: Felix O, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Die Duftwolke im Abteil

Ein Großraumwagen ist ein enger Raum, in dem viele Menschen lange dicht beieinander sitzen.

Gerüche verteilen sich hier schnell und bleiben, weil die Luft umgewälzt und nicht einfach ausgetauscht wird.

Wer einsteigt, bringt seinen Duft mit, ob gewollt oder nicht.

Bei einem dezenten Hauch merkt das niemand, bei einer ganzen Flasche schon.

Der Unterschied liegt nicht im Parfüm selbst, sondern in der Menge.

Spreizhauben Großraumwagen Laains
Foto: Falk2, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Warum Geruch im Zug besonders wirkt

Anders als auf der Straße kann man im fahrenden Zug dem Geruch nicht ausweichen.

Die Fenster lassen sich in modernen Wagen meist nicht öffnen.

Ein freier Platz zum Umsetzen ist im vollen Zug oft nicht zu finden.

So wird aus einem kurzen Naserümpfen eine Belastung über die ganze Fahrt.

Der enge, geteilte Raum verstärkt, was draußen kaum auffiele.

Wenn Duft krank macht

Für manche Menschen ist starkes Parfüm nicht nur unangenehm, sondern ein gesundheitliches Problem.

Asthma, Allergien und Migräne können durch intensive Düfte ausgelöst oder verstärkt werden.

Einige Betroffene reagieren schon auf geringe Mengen mit Kopfschmerz oder Atemnot.

Sie können sich im Zug nicht wehren und nicht entkommen.

Rücksicht ist hier mehr als Höflichkeit, sie ist ein Stück Gesundheitsschutz.

Die Grenze der eigenen Freiheit

Sich zu pflegen und gut zu riechen ist ein völlig legitimes Bedürfnis.

Die eigene Freiheit endet aber dort, wo andere kaum noch durchatmen können.

Das gilt im Zug für laute Musik ebenso wie für aufdringliche Düfte.

Niemand muss auf sein Lieblingsparfüm verzichten, nur auf die dreifache Dosis.

Zwischen gepflegt und penetrant liegt meist nur ein Sprühstoß zu viel.

Warum ein Verbot schwer umzusetzen ist

So nachvollziehbar der Wunsch nach frischer Luft ist, ein Verbot stößt schnell an Grenzen.

Was als zu stark gilt, empfindet jede Nase anders, eine objektive Grenze gibt es nicht.

Am Eingang steht kein Messgerät, das die Duftstärke prüft.

Zugbegleiter können kaum kontrollieren, wer wie viel aufgetragen hat.

Eine Regel, die niemand durchsetzen kann, bleibt am Ende nur ein Schild.

Rücksicht als bessere Hausregel

Die realistische Lösung heißt nicht Strafe, sondern Maß.

Vor einer langen Fahrt im vollen Zug tut es eine Spur weniger Parfüm.

Im Ruhebereich, wo Stille erwartet wird, passt auch dezente Zurückhaltung beim Duft.

Solche ungeschriebenen Regeln wirken oft besser als jedes Verbot.

Sie appellieren an den Anstand, statt Kontrolleure zu Duftrichtern zu machen.

Vom Duft zur Höflichkeit

Fairerweise stört nicht nur zu viel Parfüm, sondern auch sein Gegenteil.

Auch strenge Körper- oder Essensgerüche belasten die Mitreisenden.

Man kann und sollte nicht jede Kleinigkeit reglementieren.

Entscheidend ist die Haltung, im engen Raum an die anderen zu denken.

Wer das verinnerlicht, braucht kein Verbotsschild über dem Sitz.

Von der Dampflok bis heute

Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.

Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.

Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.

Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.

Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.

Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.

Was die Fahrgäste davon haben

Am Ende zählt für den Fahrgast vor allem eines: sicher und pünktlich anzukommen.

Jede kleine Verbesserung im Betrieb macht seine Reise ein wenig angenehmer.

Ein sauberer Zug und eine klare Anzeige nehmen ihm Sorge und Hektik.

Ein freundlicher Halt bleibt oft länger in Erinnerung als die Fahrt selbst.

So entsteht aus vielen Einzelheiten am Ende ein rundes Reiseerlebnis.

Und wer sich gut aufgehoben fühlt, steigt beim nächsten Mal gern wieder ein.

Warum Verlässlichkeit so wichtig ist

Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.

Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.

Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.

Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.

Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.

Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.

Pro und Contra

Dafür

+  In der umgewälzten Luft eines Großraumwagens verfliegt ein Duft nicht, man sitzt stundenlang darin.

+  Menschen mit Asthma, Allergien oder Migräne reagieren auf starke Düfte teils heftig.

+  Im vollen Zug kann niemand einfach den Platz wechseln, um dem Geruch zu entkommen.

+  Rücksicht auf die Atemluft der anderen ist eine Frage des Anstands.

+  Im Ruhebereich gilt Zurückhaltung beim Lärm, warum nicht auch bei aufdringlichen Düften.

+  Ein enger, geteilter Raum verlangt mehr Maß als die offene Straße.

Dagegen

−  Was als zu stark gilt, ist Geschmackssache und lässt sich nicht objektiv messen.

−  Ein Verbot wäre praktisch nicht durchsetzbar, denn am Eingang steht kein Duft-Messgerät.

−  Sich zu pflegen und gut zu riechen ist ein legitimes Bedürfnis, kein Vergehen.

−  Auch unangenehme Körper- und Essensgerüche stören, man kann nicht alles reglementieren.

−  Erwachsene Menschen sollten solche Kleinigkeiten unter sich klären, nicht per Vorschrift.

−  Zu viele Verbote machen aus dem Zug einen Ort voller Angst, etwas falsch zu machen.

Unterm Strich

Ein Zug ist ein enger, geteilter Raum, und starke Düfte treffen dort alle.

Wer Rücksicht nimmt, sprüht vor einer langen Fahrt lieber eine Spur weniger.

Ein förmliches Verbot aber wäre kaum messbar und noch schwerer durchzusetzen.

Die ehrliche Antwort heißt Maß halten, nicht strafen.

Weiterfahrt

→ Zurück zum Finder

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

Zeige alle Beiträge von BahnSlam →