Standpunkt
„Einsteigen bitte, dieser Zug fährt ganz ohne Fahrer, vorausgesetzt, Hamburg baut die neue Linie wirklich zu Ende.“
Sollte Hamburg die neue U-Bahn-Linie U5 bauen?
→ Ein Standpunkt zu einem der größten Nahverkehrsprojekte Deutschlands.
Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Standpunkt
Worum es geht
Ja. Die U5 erschließt dicht besiedelte Stadtteile ohne Schnellbahn und entlastet das Netz, auch wenn Bau und Kosten gewaltig sind.
Hamburg baut an seiner ersten neuen U-Bahn-Linie seit Jahrzehnten.
Die U5 soll quer durch die Stadt führen und viele bisher abgehängte Viertel erschließen.
Ob das Milliardenprojekt richtig ist, lässt sich nüchtern an Nutzen und Aufwand abwägen.

Eine neue Linie für Hamburg
Die U5 ist eine künftige Linie der Hamburger U-Bahn.
Der erste Abschnitt ist bereits in Umsetzung und führt von Bramfeld über Steilshoop und die Sengelmannstraße in die City Nord.
Der Fahrgastbetrieb soll ab dem Jahr 2029 schrittweise aufgenommen werden.
Es ist das größte Nahverkehrsprojekt, das die Stadt seit langem begonnen hat.

Fahren ohne Fahrer
Die U5 soll als erste U-Bahn-Linie Hamburgs fahrerlos betrieben werden.
Die Züge fahren dann vollautomatisch ohne Personal am Steuer.
Ein automatischer Betrieb erlaubt besonders dichte Takte.
So lassen sich mehr Fahrgäste befördern, ohne dass der Abstand der Züge zum Problem wird.
Wohin die Linie führen soll
In weiteren, noch geplanten Abschnitten soll die Linie über den Hauptbahnhof führen.
Vorgesehen sind Halte an der Universität, am Universitätsklinikum Eppendorf und am Altonaer Volkspark.
Von dort soll sie bis in die großen Wohngebiete in Lurup und Osdorf reichen.
Im Endausbau hätte die Strecke eine Länge von rund 28 Kilometern.
Stadtteile ohne Schnellbahn
Die U5 erschließt Großwohnsiedlungen wie Steilshoop und den Osdorfer Born.
In beiden leben jeweils mehr als 10.000 Menschen, bislang ohne eigene Schnellbahn.
Im Endausbau sollen rund 200.000 Menschen fußläufig an das Schnellbahnnetz angeschlossen werden.
Gerade für diese Viertel wäre die neue Linie ein großer Sprung.
Entlastung und Netzwirkung
Die U5 schafft eine neue Nord-Süd-Strecke östlich der Außenalster.
Sie ergänzt damit die bestehende U1 auf der anderen Seite des Sees.
An insgesamt sieben Stationen sind Übergänge zu anderen Schnellbahnlinien geplant.
So entlastet die Linie bestehende Strecken und stärkt das gesamte Netz.
Was man sich davon erhofft
Senat und Hochbahn erwarten im Endausbau täglich rund 270.000 Fahrgäste auf der U5.
An den Stationen soll es täglich eine halbe Million Ein-, Aus- und Umsteiger geben.
Durch die Verlagerung vom Auto auf die Bahn sollen viele Autokilometer eingespart werden.
Schnellere, umsteigefreie Verbindungen sollen den Nahverkehr insgesamt attraktiver machen.
Kosten und lange Bauzeit
Ein Projekt dieser Größe kostet mehrere Milliarden Euro und bindet Mittel über Jahrzehnte.
Gebaut wird in mehreren Abschnitten über einen sehr langen Zeitraum.
Der Endausbau über rund 28 Kilometer ist erst in vielen Jahren erreicht.
Große Tunnelbaustellen belasten die Stadt zudem über lange Zeit.
Eine Entscheidung für Jahrzehnte
U-Bahnen prägen eine Stadt für Generationen.
Einmal gebaut, wirkt eine solche Linie dauerhaft und lässt sich kaum rückgängig machen.
Die Frage ist, ob der große Aufwand den großen Nutzen rechtfertigt.
Bei einer Linie, die Hunderttausende erreicht, fällt diese Abwägung schwer, aber meist zugunsten des Baus.
Kleine Dinge, große Wirkung
Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.
Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.
Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.
In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.
Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.
So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.
Was ein Bahnhof für eine Stadt bedeutet
Ein Bahnhof ist für viele Städte weit mehr als nur ein Verkehrsbauwerk.
Er ist oft das Erste, was Reisende von einem Ort zu sehen bekommen.
Rund um den Bahnhof entstehen Geschäfte, Cafés und ein reges Treiben.
Er verbindet die Stadt mit der weiten Welt und die Welt mit der Stadt.
Ein gepflegter Bahnhof ist deshalb auch eine Visitenkarte des Ortes.
So prägt er das Bild einer Stadt weit über die Gleise hinaus.
Was die Fahrgäste davon haben
Am Ende zählt für den Fahrgast vor allem eines: sicher und pünktlich anzukommen.
Jede kleine Verbesserung im Betrieb macht seine Reise ein wenig angenehmer.
Ein sauberer Zug und eine klare Anzeige nehmen ihm Sorge und Hektik.
Ein freundlicher Halt bleibt oft länger in Erinnerung als die Fahrt selbst.
So entsteht aus vielen Einzelheiten am Ende ein rundes Reiseerlebnis.
Und wer sich gut aufgehoben fühlt, steigt beim nächsten Mal gern wieder ein.
Pro und Contra
Dafür
+ Die U5 erschließt dicht besiedelte Stadtteile, die bisher keine Schnellbahn haben.
+ Im Endausbau werden rund 200.000 Menschen fußläufig an das Netz angeschlossen.
+ Eine neue Nord-Süd-Strecke östlich der Außenalster entlastet bestehende Linien.
+ An sieben Stationen entstehen Übergänge zu anderen Schnellbahnlinien.
+ Der fahrerlose Betrieb erlaubt besonders dichte Takte.
+ Täglich sollen viele Fahrten vom Auto auf die Bahn verlagert werden.
Dagegen
− Der Bau kostet mehrere Milliarden Euro und bindet Mittel über Jahrzehnte.
− Der Endausbau über rund 28 Kilometer dauert sehr lange.
− Große Tunnelbaustellen belasten die Stadt über viele Jahre.
− Oberirdische Stadtbahnen könnten manche Strecken günstiger erschließen.
− Bis zur vollen Wirkung der Linie vergehen viele Jahre.
− Große Bauvorhaben tragen das Risiko steigender Kosten.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
Unterm Strich
Die U5 bringt die Schnellbahn in Stadtteile, die lange darauf gewartet haben.
Sie entlastet das Netz und verlagert viele Fahrten vom Auto auf die Schiene.
Zugleich ist sie ein Jahrhundertprojekt mit gewaltigen Kosten und langer Bauzeit.
Weil die Linie Hunderttausende erreicht und das Netz stärkt, überwiegen die Gründe dafür.
Weiterfahrt
