Sollte der Fernverkehr auf der Schiene zur gesetzlichen Grundversorgung werden?

Standpunkt

„Sehr geehrte Fahrgäste, dieser Fernzug fährt nur, solange er sich rechnet.“

Sollte der Fernverkehr auf der Schiene zur gesetzlichen Grundversorgung werden?

→ Ein Standpunkt zur Daseinsvorsorge auf der Schiene.

Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Standpunkt

Worum es geht

Ja, aber gezielt. Ein reiner Marktfernverkehr lässt die Fläche zu leicht im Stich, doch eine komplette Bestellung aller Züge wäre teuer und träge – der Bund sollte nur die wichtigen, unrentablen Lücken sichern.

Der Fernverkehr auf der Schiene umfasst die schnellen Züge zwischen den Städten, vor allem ICE und Intercity.

Anders als der Nahverkehr wird er in Deutschland eigenwirtschaftlich betrieben.

Das heißt, die Bahn bietet vor allem die Strecken an, die sich für sie rechnen.

Die Frage lautet, ob der Staat ein Grundangebot an Fernzügen gesetzlich sichern sollte.

Dann müssten auch kleinere Städte zuverlässig ans Fernnetz angebunden bleiben.

Brightline Station Downtown Miami ()
Foto: Phillip Pessar, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Worum es geht

Der Fernverkehr umfasst die schnellen Züge zwischen den Städten, vor allem ICE und Intercity.

Anders als der Nahverkehr wird er in Deutschland eigenwirtschaftlich betrieben.

Das heißt, die Bahn bietet vor allem jene Strecken an, die sich für sie rechnen.

Die Frage lautet, ob der Staat ein Grundangebot an Fernzügen gesetzlich sichern sollte.

Dann müssten auch kleinere Städte zuverlässig ans Fernnetz angebunden bleiben.

Virgin MiamiCentral Station Downtown Miami ()
Foto: Phillip Pessar, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Wie der Fernverkehr heute finanziert wird

Der Schienenpersonennahverkehr wird von den Ländern bestellt und mit Steuergeld bezahlt.

Der Fernverkehr dagegen muss sich betriebswirtschaftlich selbst tragen.

Die Bahn entscheidet deshalb nach kaufmännischen Gründen, welche Städte ein ICE anfährt.

Fällt eine Verbindung nicht genug ins Gewicht, kann sie gestrichen werden.

So verloren in der Vergangenheit einige Städte ihren direkten Fernverkehrshalt.

Das Argument für eine Grundversorgung

Mobilität gilt vielen als Teil der Daseinsvorsorge, die der Staat sichern sollte.

Eine gesetzliche Grundversorgung würde auch Orte abseits der großen Achsen anbinden.

Das stärkt die Regionen und hält sie für Wirtschaft und Menschen erreichbar.

Das Grundgesetz verpflichtet den Bund schon heute, beim Schienennetz das Gemeinwohl zu beachten.

Eine Fernverkehrspflicht würde diesen Gedanken auf das Zugangebot ausdehnen.

Wie eine solche Pflicht aussehen könnte

Denkbar wäre, dass der Bund ein Mindestangebot an Fernzügen festlegt und bestellt.

Städte ab einer bestimmten Größe bekämen dann einen garantierten Takt.

Für wichtige, aber unrentable Verbindungen zahlte der Staat einen Ausgleich.

Das ähnelt dem Modell, nach dem heute schon der Nahverkehr bestellt wird.

Wer die Züge fährt, könnte dabei im Wettbewerb vergeben werden.

Was das kosten würde

Ein garantiertes Grundangebot wäre nicht umsonst zu haben.

Für unrentable Linien müsste der Staat dauerhaft Geld zuschießen.

Dieses Geld fehlte dann womöglich für den Ausbau des Netzes.

Zugleich sichert ein verlässliches Angebot aber Fahrgäste und Einnahmen auf lange Sicht.

Die Rechnung hängt stark davon ab, wie dicht das Grundnetz geknüpft wird.

Der Streit um die Eigenwirtschaftlichkeit

Befürworter sagen, ein rein kaufmännischer Fernverkehr lasse die Fläche im Stich.

Gegner halten dagegen, dass staatliche Bestellung die Bahn träge machen könnte.

Ohne Wettbewerbsdruck bestehe die Gefahr höherer Kosten und weniger Innovation.

Andere Länder in Europa kennen sowohl eigenwirtschaftliche als auch bestellte Fernzüge.

Die Mischung entscheidet darüber, ob ein Grundangebot wirtschaftlich bleibt.

Die Gefahr des Rückzugs aus der Fläche

Ohne Pflicht konzentriert sich der Fernverkehr auf die stark nachgefragten Hauptachsen.

Kleinere Städte werden dann nur noch mit Umsteigen im Nahverkehr erreicht.

Das macht die Bahn für viele Menschen unattraktiv und treibt sie ins Auto.

Eine Grundversorgung würde diesem Rückzug einen Riegel vorschieben.

Sie wäre damit auch ein Versprechen an den ländlichen Raum.

Ein möglicher Mittelweg

Statt das ganze Netz zu bestellen, könnte der Bund nur die Lücken schließen.

Dort, wo sich der Fernverkehr trägt, bliebe er eigenwirtschaftlich.

Nur die wichtigen, aber unrentablen Verbindungen würden bestellt und bezahlt.

So bliebe der Wettbewerb erhalten und die Fläche trotzdem angebunden.

Ein solcher Mittelweg verbindet Daseinsvorsorge mit kaufmännischer Vernunft.

Kleine Dinge, große Wirkung

Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.

Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.

Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.

In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.

Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.

So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.

Von der Dampflok bis heute

Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.

Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.

Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.

Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.

Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.

Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.

Warum die Bahn für das ganze Land zählt

Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.

Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.

Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.

Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.

Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.

So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.

Pro und Contra

Dafür

+  Mobilität ist Daseinsvorsorge, und die sollte auch abseits der großen Achsen gelten.

+  Eine Pflicht hielte kleinere Städte zuverlässig am Fernnetz.

+  Das Grundgesetz verpflichtet den Bund ohnehin, beim Schienennetz das Gemeinwohl zu beachten.

+  Verlässliche Fernzüge stärken Regionen und halten sie erreichbar.

+  Ein garantierter Takt gewinnt langfristig Fahrgäste und Einnahmen.

+  Das Bestellmodell funktioniert im Nahverkehr seit Jahren.

Dagegen

−  Ein garantiertes Angebot kostet dauerhaft Zuschüsse, die anderswo fehlen.

−  Staatliche Bestellung könnte die Bahn träge und teurer machen.

−  Ohne Wettbewerbsdruck leiden Innovation und Effizienz.

−  Eigenwirtschaftlicher Fernverkehr richtet das Angebot an der echten Nachfrage aus.

−  Das Geld könnte im Ausbau des Netzes mehr bewirken.

−  Eine starre Pflicht ließe sich nur schwer an veränderte Nachfrage anpassen.

Unterm Strich

Ein reiner Marktfernverkehr lässt die Fläche zu leicht im Stich.

Eine komplette Bestellung aller Fernzüge wäre aber teuer und träge.

Der Mittelweg bestellt nur die wichtigen, unrentablen Lücken.

So bleibt die Bahn wirtschaftlich und trotzdem in der Fläche präsent.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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