Sollte Erdaushub von großen Bahnbaustellen möglichst per Bahn abtransportiert werden?

Standpunkt

„Bitte zurücktreten: Hier rollen heute nicht Reisende, sondern Millionen Tonnen Gestein.“

Sollte Erdaushub von großen Bahnbaustellen möglichst per Bahn abtransportiert werden?

→ Ein Standpunkt zum Abtransport von Aushub per Bahn.

Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Standpunkt

Worum es geht

Ja. Wer für die Schiene baut, sollte den Aushub möglichst auf der Schiene abfahren, statt ganze Regionen mit Lastwagen zu überziehen.

Ein neuer Tunnel oder Bahnhof entsteht nicht aus dem Nichts, sondern durch das Wegräumen von sehr viel Material.

Dieser Aushub muss irgendwohin, und der Weg dorthin führt oft über tausende Lastwagenfahrten.

Dass ausgerechnet ein Bahnprojekt seinen Abraum per Lkw entsorgt, wirkt auf viele widersinnig.

Zweiwege Bagger von Liebherr
Foto: Christian Allinger, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Welche Mengen zusammenkommen

Große Tunnel- und Bahnprojekte bewegen kaum vorstellbare Mengen an Material.

Beim Gotthard-Basistunnel in der Schweiz wurden insgesamt 28,2 Millionen Tonnen Gestein ausgebrochen.

Solche Mengen füllen ganze Täler und beschäftigen Baustellen über viele Jahre.

Jede einzelne Tonne muss von der Baustelle weggeschafft werden.

Schon eine kleine Verschiebung im Transportweg hat hier große Wirkung.

Bauzug in Probsteierhagen
Foto: Siegbert Brey, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Lastwagen als Standardlösung

Oft wird der Aushub bisher mit Lastwagen zur nächsten Deponie gefahren.

Bei Millionen Tonnen bedeutet das eine schier endlose Kette von Fahrten.

Diese Lastwagen belasten Ortsdurchfahrten, Straßen und Anwohner über Jahre.

Sie erzeugen Lärm, Abgase und Staub genau dort, wo Menschen wohnen.

Ausgerechnet ein Klimaprojekt sorgt so für zusätzlichen Straßenverkehr.

Was die Bahn besser kann

Ein einziger Güterzug ersetzt eine große Zahl schwerer Lastwagen.

Die Schiene ist gerade für schwere, gleichförmige Lasten wie Gestein gemacht.

Bei einem Bahnprojekt liegt das Gleis für den Abtransport oft schon fast am Ort.

Ein Baugleis lässt sich mit überschaubarem Aufwand bis an die Baustelle verlängern.

So verlässt der Aushub die Baustelle auf demselben Verkehrsträger, für den gebaut wird.

Aushub ist oft ein Wertstoff

Ausgebrochenes Gestein ist längst nicht immer nur Abfall.

Beim Gotthard wurde ein Fünftel des Materials als Zusatzstoff für Beton wiederverwertet.

Weiteres Material wurde als Schotter verkauft oder für Renaturierungen genutzt.

Solche Stoffkreisläufe funktionieren am besten mit großen, planbaren Mengen.

Der Zug passt zu diesem Denken in großen Einheiten besser als der Lastwagen.

Der Gewinn für die Anwohner

Wo der Zug den Abraum übernimmt, bleibt es an der Straße spürbar ruhiger.

Weniger schwere Lastwagen bedeuten weniger Lärm, weniger Abgase und mehr Sicherheit.

Gerade in engen Dörfern entlang der Baustelle ist das ein echter Gewinn.

Die Akzeptanz für ein Großprojekt steigt, wenn die Belastung sichtbar sinkt.

Das erleichtert auch künftige Bauvorhaben an anderer Stelle.

Wo es schwierig wird

Nicht jede Baustelle liegt günstig an einer belastbaren Bahnstrecke.

Manchmal ist die vorhandene Strecke bereits durch den normalen Verkehr ausgelastet.

Ein Baugleis und Verladeplätze kosten zunächst Geld und Platz.

Für kleine Mengen oder kurze Wege lohnt sich der Aufwand nicht immer.

Der Abtransport per Bahn ist also kein Selbstläufer, sondern eine Frage der Planung.

Früh mitdenken statt nachträglich

Der Schlüssel liegt darin, den Abtransport schon in der Planung mitzudenken.

Wer erst am Ende an den Aushub denkt, landet fast zwangsläufig beim Lastwagen.

Wird das Baugleis von Anfang an eingeplant, sinken die Kosten deutlich.

Auch die spätere Verwertung des Materials lässt sich so früh organisieren.

Gute Logistik ist hier genauso wichtig wie die Technik im Tunnel.

Eine Frage der Glaubwürdigkeit

Eine Bahn, die für den Klimaschutz wirbt, wird an ihren eigenen Baustellen gemessen.

Es überzeugt wenig, den Verkehr auf die Schiene holen zu wollen und selbst per Lastwagen zu fahren.

Der Abtransport per Bahn ist deshalb auch ein Signal nach außen.

Er zeigt, dass die Bahn ihre eigenen Grundsätze im Alltag ernst nimmt.

Glaubwürdigkeit entsteht nicht im Prospekt, sondern auf der Baustelle.

Die Bahn als Teil des Alltags

Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.

Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.

Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.

Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.

So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.

Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.

Was ein Bahnhof für eine Stadt bedeutet

Ein Bahnhof ist für viele Städte weit mehr als nur ein Verkehrsbauwerk.

Er ist oft das Erste, was Reisende von einem Ort zu sehen bekommen.

Rund um den Bahnhof entstehen Geschäfte, Cafés und ein reges Treiben.

Er verbindet die Stadt mit der weiten Welt und die Welt mit der Stadt.

Ein gepflegter Bahnhof ist deshalb auch eine Visitenkarte des Ortes.

So prägt er das Bild einer Stadt weit über die Gleise hinaus.

Die Bahn und der Klimaschutz

Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.

Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.

Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.

Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.

Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.

Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.

Pro und Contra

Dafür

+  Ein Güterzug ersetzt eine große Zahl schwerer Lastwagen.

+  Die Schiene ist für schwere, gleichförmige Lasten wie Gestein ideal.

+  Bei Bahnprojekten liegt das Gleis für den Abtransport oft schon am Ort.

+  Anwohner werden von Lärm, Abgasen und Gefahr entlastet.

+  Großes, planbares Material lässt sich gut als Baustoff wiederverwerten.

+  Eine Klimabahn wird glaubwürdiger, wenn sie ihren Abraum selbst auf die Schiene setzt.

Dagegen

−  Nicht jede Baustelle liegt an einer belastbaren Strecke.

−  Manche Strecke ist schon durch den normalen Verkehr ausgelastet.

−  Baugleis und Verladeplätze kosten zunächst Geld und Platz.

−  Für kleine Mengen oder kurze Wege lohnt sich der Aufwand kaum.

−  Ohne frühe Planung wird der Umstieg auf die Schiene teuer.

−  Zusätzliche Baulogistik kann ein Projekt anfangs verlangsamen.

Unterm Strich

Aushub per Bahn abzufahren ist bei großen Projekten meist die klügere Wahl.

Es entlastet die Straßen, schützt Anwohner und passt zum Zweck der Bahn.

Voraussetzung ist, den Abtransport von Anfang an mitzuplanen.

Unterm Strich sollte eine Bahnbaustelle möglichst auf Schienen entsorgen, was sie ausgräbt.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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