Sollte die Deutsche Bahn wieder ein reiner Staatsbetrieb statt eine Aktiengesellschaft sein?

Standpunkt

„Sehr geehrte Fahrgäste, dieses Unternehmen gehört vollständig dem Bund und soll trotzdem Gewinne erwirtschaften wie ein Konzern an der Börse.“

Sollte die Deutsche Bahn wieder ein reiner Staatsbetrieb statt eine Aktiengesellschaft sein?

→ Ein Standpunkt zur Rechtsform der Bahn zwischen Gemeinwohl und Rendite.

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Worum es geht

Ja, aber mit Vorsicht. Die Gewinnlogik der Aktiengesellschaft hat die Bahn zu lange vom eigentlichen Auftrag abgelenkt, deshalb gehört das Gemeinwohl an die erste Stelle; ein Rückbau zur reinen Behörde jedoch würde alte Schwerfälligkeit und den nützlichen Wettbewerb auf der Schiene gefährden.

Die Deutsche Bahn gehört zu hundert Prozent dem Staat und verhält sich doch oft wie ein privater Konzern.

Sie soll Gewinne machen, expandiert ins Ausland und misst sich an der Rendite.

Gleichzeitig erwarten die Menschen von ihr vor allem eines, nämlich pünktliche und bezahlbare Züge im ganzen Land.

Zwischen diesen beiden Erwartungen knirscht es seit Jahren.

Wäre es ehrlicher, die Bahn wieder zu einem reinen Staatsbetrieb zu machen?

Berlin Hauptbahnhof Spree pano
Foto: Daniel Schwen, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Wie die Bahn zur Aktiengesellschaft wurde

Bis 1994 fuhren in Deutschland zwei Staatsbahnen, die Bundesbahn im Westen und die Reichsbahn im Osten.

Mit der Bahnreform und dem Eisenbahnneuordnungsgesetz wurden beide zur Deutschen Bahn AG zusammengefasst.

Die neue Gesellschaft wurde bewusst als privatrechtliche Aktiengesellschaft aufgestellt.

Zugleich öffnete der Gesetzgeber das Schienennetz für private Eisenbahnunternehmen.

Das Kapital der DB AG aber blieb vollständig beim Bund, der bis heute der alleinige Eigentümer ist.

Berlin Hauptbahnhof (Lehrter Bahnhof) Absenkung Bügelbau – Detail
Foto: Jochen Jansen, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Warum man 1994 den Umbau wagte

Die Bundesbahn steckte vor der Reform tief in den roten Zahlen.

Ihr Schuldenberg war zuletzt auf rund 34 Milliarden Euro angewachsen.

Für die Sanierung der maroden Reichsbahn wurden zusätzlich enorme Summen veranschlagt.

Die Aktiengesellschaft sollte die Bahn wirtschaftlicher, schneller und wettbewerbsfähiger machen.

Der Staat wollte weg von der behördlichen Schwerfälligkeit der alten Bundesbahn.

Eine Firma, die dem Staat gehört

Formal ist die DB eine Aktiengesellschaft mit Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung.

Alleiniger Aktionär ist die Bundesrepublik, vertreten durch das Verkehrsministerium.

Der Bund kann also über den Aufsichtsrat und die Eigentümerrolle die Richtung vorgeben.

Zugleich ist die Bahn rechtlich so gebaut, dass sie sich am Markt behaupten soll.

Diese Doppelnatur zwischen Staatsbesitz und Konzernlogik ist der Kern der Debatte.

Der Vorwurf der Gewinnlogik

Kritiker sagen, die Rendite habe über Jahre wichtiger gewirkt als das Netz.

Die Bahn kaufte Firmen im Ausland und baute ein weltweites Logistikgeschäft auf.

Für einen börsenreifen Konzern war das folgerichtig, für den Nahverkehr im Inland weniger.

Das eigene Schienennetz galt lange als vernachlässigt und überaltert.

Wer den Auftrag im Gemeinwohl sieht, hält diese Ausrichtung für einen Fehler.

Was ein reiner Staatsbetrieb ändern würde

Als reiner Staatsbetrieb müsste die Bahn keinen Gewinn mehr abliefern, sondern nur ihren Auftrag erfüllen.

Entscheidungen würden am Nutzen für die Fahrgäste gemessen, nicht an der Rendite.

Der Fokus könnte klarer auf pünktlichen Zügen und einem gepflegten Netz liegen.

Auch die alte Idee, einen Teil der Bahn an die Börse zu bringen, wäre endgültig vom Tisch.

Ein solcher Teilverkauf war um das Jahr 2008 geplant, wurde aber nicht umgesetzt.

Die Schattenseite der Behörde

Eine reine Behörde ist selten für Tempo und Beweglichkeit bekannt.

Genau diese Schwerfälligkeit wollte man 1994 hinter sich lassen.

Ohne den Druck des Marktes droht der Rückfall in alte Trägheit.

Zudem könnte die Tagespolitik noch stärker in den laufenden Betrieb hineinregieren.

Die Erfahrungen mit rein staatlich geführten Betrieben sind nicht immer ermutigend.

Der Wettbewerb auf der Schiene

Seit der Reform fahren viele private Anbieter auf dem deutschen Netz, vor allem im Nahverkehr.

Dieser Wettbewerb hat in vielen Regionen zu mehr und zu besseren Zügen geführt.

Er funktioniert nur, weil das Netz offen und die Bahn nicht mehr die einzige Betreiberin ist.

Eine Rückkehr zum reinen Staatsmonopol könnte diese Vielfalt gefährden.

Die Rechtsform der Bahn und die Offenheit des Netzes hängen also zusammen.

Gemeinwohl ohne Rückschritt

Der Streit dreht sich weniger um den Eigentümer, denn der ist längst der Staat.

Er dreht sich um die Frage, wonach die Bahn ihr Handeln ausrichtet.

Man kann die Gewinnlogik zurückdrängen, ohne die Bahn in eine Behörde zurückzuverwandeln.

Ein klarer gesetzlicher Auftrag zum Gemeinwohl wirkt oft stärker als ein neues Firmenschild.

Entscheidend ist, dass die Politik ihre Ziele klar benennt und sie dann auch durchhält.

Häufige Kurswechsel schaden der Bahn am Ende mehr als die Frage nach ihrer Rechtsform.

Ein verlässlicher, langfristiger Auftrag ist für den Betrieb wertvoller als jede neue Struktur.

Erste Schritte in diese Richtung gibt es bereits bei der Infrastruktur.

Der Bund entscheidet ohnehin mit

Schon heute kann der Bund als alleiniger Eigentümer die großen Linien der Bahn vorgeben.

Er besetzt den Aufsichtsrat mit und beruft die Spitze des Unternehmens.

Wer diese Macht nutzt, kann die Bahn auch ohne neue Rechtsform auf das Gemeinwohl verpflichten.

Wer sie nicht nutzt, ändert mit einem neuen Firmenschild allein nur wenig.

Die eigentliche Frage lautet daher, wie klar und wie verbindlich der politische Auftrag formuliert ist.

Auch das Grundgesetz weist dem Bund eine dauerhafte Verantwortung für das Schienennetz zu.

Warum sich der Blick aufs Detail lohnt

Der Bahnbetrieb steckt voller kleiner Dinge, die kaum jemand bewusst wahrnimmt.

Und doch hängt der reibungslose Ablauf oft genau an diesen Kleinigkeiten.

Ein einziges Bauteil kann darüber entscheiden, ob ein Zug rollt oder steht.

Wer genauer hinschaut, entdeckt hinter dem Alltag eine erstaunlich feine Technik.

Dieses Zusammenspiel unzähliger Teile ist die eigentliche Leistung der Bahn.

Es lohnt sich, dem scheinbar Selbstverständlichen einmal Beachtung zu schenken.

Warum die Bahn für das ganze Land zählt

Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.

Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.

Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.

Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.

Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.

So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.

Die Bahn als Teil des Alltags

Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.

Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.

Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.

Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.

So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.

Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.

Pro und Contra

Dafür

+  Als reiner Staatsbetrieb müsste die Bahn keine Rendite abliefern, sondern nur ihren Auftrag erfüllen.

+  Der Fokus läge klar auf pünktlichen und bezahlbaren Zügen statt auf Gewinnzielen.

+  Die teure Expansion ins Ausland ließe sich leichter beenden.

+  Die verwirrende Doppelnatur zwischen Staatsbesitz und Konzernlogik wäre aufgelöst.

+  Ein für alle Mal wäre die Idee eines Börsengangs vom Tisch.

+  Ein Betrieb ohne Gewinndruck kann langfristiger in das Netz investieren.

Dagegen

−  Eine reine Behörde droht in alte Schwerfälligkeit und Trägheit zurückzufallen.

−  Genau diese Trägheit war 1994 der Grund für den Umbau zur Aktiengesellschaft.

−  Ohne Marktdruck könnte die Tagespolitik noch stärker in den Betrieb hineinregieren.

−  Der Wettbewerb privater Anbieter hat den Nahverkehr vielerorts spürbar verbessert.

−  Eine Rückkehr zum Staatsmonopol könnte diese Vielfalt wieder einschränken.

−  Das Gemeinwohl lässt sich auch mit klaren Vorgaben sichern, ohne die Rechtsform zu sprengen.

Unterm Strich

Die Bahn gehört längst dem Staat, gestritten wird über ihren Kompass.

Die Gewinnlogik gehört zurückgedrängt, das ist der berechtigte Kern der Forderung.

Ein Rückbau zur Behörde aber wäre ein Sprung zurück, den kaum jemand wirklich will.

Ob es das neue Firmenschild braucht oder nur den neuen Auftrag, entscheiden Sie.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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