Sollte die Bahn mit den Fluggesellschaften kooperieren statt zu konkurrieren?

Standpunkt

„Willkommen am Gleis – Ihr Zubringerflug fährt heute auf Schienen.“

Sollte die Bahn mit den Fluggesellschaften kooperieren statt zu konkurrieren?

→ Ein Standpunkt zur Zusammenarbeit von Schiene und Luftfahrt.

Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Standpunkt

Worum es geht

Ja. Beim Zubringer zum Drehkreuz ist Kooperation ein Gewinn für Klima, Flughafen und Bahn; auf direkten Konkurrenzstrecken aber sollte echter Wettbewerb bestehen bleiben.

Ein Teil der Reisenden am Frankfurter Flughafen kommt nicht mit dem Flugzeug an, sondern mit dem ICE.

Sie haben ein Flugticket gelöst, auf dem der erste Abschnitt eine Zugfahrt ist.

Fluglinie und Bahn arbeiten hier zusammen, statt um dieselben Fahrgäste zu streiten.

Das wirft die Frage auf, ob Zusammenarbeit nicht oft besser ist als reiner Wettbewerb.

Denn jeder Zubringerflug, den ein Zug ersetzt, macht am Flughafen Platz für eine Langstrecke.

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Foto: kallerna, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wie die Zusammenarbeit heute aussieht

Schon heute arbeiten Bahn und Fluggesellschaften an vielen Stellen zusammen, auch wenn sie um Reisende konkurrieren.

Wer eine Fernreise bucht, kann die Anfahrt zum Flughafen als Zugfahrt gleich mitbuchen.

Die Fluglinie behandelt den Zug dann wie einen eigenen Zubringerflug mit einer Flugnummer.

Am Zielflughafen übernimmt sie die Verantwortung für den Anschluss, auch wenn der erste Teil auf der Schiene lag.

Diese Verzahnung ist in Frankfurt am weitesten gediehen, weil dort ein großer Fernbahnhof direkt am Terminal liegt.

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Foto: Geogast, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Express Rail und AIRail

Unter dem Namen AIRail, später Lufthansa Express Rail, haben Lufthansa, Deutsche Bahn und der Flughafenbetreiber Fraport ein gemeinsames Angebot aufgebaut.

Es ersetzt kurze Zubringerflüge nach Frankfurt durch ICE-Fahrten aus vielen deutschen Städten.

Anfang 2023 waren nach Angaben der Beteiligten nahezu alle innerdeutschen Lufthansa-Ziele eingebunden.

Täglich verkehren zahlreiche Zugfahrten von und zum Frankfurter Flughafen als Teil des Systems.

Für die Reisenden bedeutet das ein durchgehendes Ticket und eine Gepäckregelung aus einer Hand.

Rail and Fly als älteres Modell

Noch älter ist das Angebot, mit dem Flugticket auch ohne feste Zugbindung zum Flughafen zu fahren.

Reisende lösen dabei eine Fahrkarte, die im Nah- und Fernverkehr zu einem festen Preis gilt.

So kommt auch aus kleineren Orten jemand bequem zum Abflug, ohne ein zweites Mal zu buchen.

Das Modell bindet die Bahn in die Reisekette ein, ohne dass eine feste Flugnummer nötig ist.

Es zeigt, dass Zusammenarbeit nicht gleich Verschmelzung bedeutet, sondern viele Abstufungen kennt.

Was beide Seiten davon haben

Die Fluglinie spart teure Kurzstreckenflüge und gewinnt am Drehkreuz freie Zeiten für lukrative Langstrecken.

Die Bahn bekommt zusätzliche Fahrgäste und eine bessere Auslastung ihrer Fernzüge.

Der Flughafen entlastet seine Pisten und kann mehr große Maschinen abfertigen.

Für das Klima zählt jeder Zubringerflug, der durch eine elektrische Zugfahrt ersetzt wird.

Und die Reisenden sparen sich Sicherheitskontrolle und Wartezeit für die erste Etappe.

Wo die Interessen sich reiben

Auf vielen Strecken sind Bahn und Flugzeug aber auch echte Wettbewerber um dieselben Kunden.

Zwischen großen Städten wirbt die Bahn mit kurzen Fahrzeiten genau dort, wo die Fluglinie Geld verdient.

Eine zu enge Zusammenarbeit könnte diesen Wettbewerb schwächen und die Preise für Reisende erhöhen.

Das Kartellrecht achtet deshalb darauf, dass Kooperation nicht zu heimlicher Absprache wird.

Zusammenarbeit ist also sinnvoll beim Zubringer, heikel aber auf der direkten Konkurrenzstrecke.

Das Problem mit Gepäck und Haftung

Ein durchgehendes Ticket ist nur so gut wie die Regelung, wer bei Verspätung haftet.

Verpasst ein verspäteter Zug den Anschlussflug, muss klar sein, wer den Reisenden umbucht.

Auch das Gepäck muss zuverlässig vom Bahnhof ins Flugzeug gelangen, ohne verloren zu gehen.

Solche Fragen sind lösbar, verlangen aber verbindliche Verträge zwischen Bahn und Fluglinie.

Ohne diese Sicherheit trauen sich viele Reisende nicht, den Zubringerflug durch den Zug zu ersetzen.

Der Bahnhof am Flughafen

Zusammenarbeit funktioniert nur dort gut, wo Fernzüge direkt am Terminal halten.

Der Frankfurter Flughafen hat dafür einen eigenen Fernbahnhof mit Anschluss ans Schnellfahrnetz.

Andere große Flughäfen sind schlechter an den Fernverkehr angebunden und erschweren den nahtlosen Umstieg.

Ein Ausbau solcher Bahnhöfe ist die Voraussetzung dafür, dass mehr Zubringerflüge entfallen können.

Ohne den passenden Bahnhof bleibt die schönste Zusammenarbeit Theorie.

Grenzen der Zusammenarbeit

Kooperation ersetzt nicht den Ausbau der Schiene, sie setzt ihn voraus.

Nur mit genug Plätzen, dichten Takten und pünktlichen Zügen trägt das Modell.

Außerdem darf die Bahn nicht zum bloßen Zulieferer der Fluglinien schrumpfen.

Ihr eigenes Fernnetz muss stark genug bleiben, um unabhängig attraktiv zu sein.

Richtig dosiert aber ist die Zusammenarbeit beim Zubringer ein Gewinn für alle Seiten.

Ein Blick in die Zukunft

Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.

Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.

Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.

Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.

Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.

So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.

Von der Dampflok bis heute

Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.

Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.

Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.

Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.

Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.

Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.

Kleine Dinge, große Wirkung

Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.

Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.

Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.

In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.

Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.

So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.

Pro und Contra

Dafür

+  Jeder durch den Zug ersetzte Zubringerflug spart Kerosin und macht am Flughafen Platz für Langstrecken.

+  Reisende bekommen ein durchgehendes Ticket und sparen sich eine Sicherheitskontrolle.

+  Die Bahn gewinnt Fahrgäste und bessere Auslastung ihrer Fernzüge.

+  Der Flughafen entlastet seine Pisten, ohne neue zu bauen.

+  Gemeinsame Angebote wie Express Rail funktionieren seit Jahren im Alltag.

+  Zusammenarbeit ist billiger und schneller umzusetzen als ein starres Flugverbot.

Dagegen

−  Auf direkten Konkurrenzstrecken könnte zu enge Zusammenarbeit die Preise für Reisende erhöhen.

−  Die Bahn droht zum bloßen Zulieferer der Fluglinien zu werden statt zum eigenständigen Angebot.

−  Durchgehende Tickets funktionieren nur mit klaren Haftungs- und Gepäckregeln.

−  Viele Flughäfen sind gar nicht gut genug an den Fernverkehr angebunden.

−  Kooperation hilft nichts, wenn die Schiene keine freien Plätze und Takte hat.

−  Das Kartellrecht setzt der Zusammenarbeit enge Grenzen.

Unterm Strich

Beim Zubringer zum Flughafen ist Zusammenarbeit fast immer besser als Konkurrenz.

Sie spart Flüge, entlastet Pisten und bringt der Bahn Fahrgäste.

Auf direkten Strecken sollte dagegen echter Wettbewerb bleiben.

Voraussetzung ist eine Schiene, die Plätze, Takte und Pünktlichkeit liefert.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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