Sollte Deutschland bei ETCS gleich auf den Moving Block setzen?

Standpunkt

„Kein festes Signal mehr — der Zug kennt jetzt selbst seinen Sicherheitsabstand.“

Sollte Deutschland bei ETCS gleich auf den Moving Block setzen?

→ Ein Standpunkt zur Wahl der ETCS-Stufe.

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Worum es geht

Ja, aber mit Augenmaß. Der Moving Block verspricht mehr Kapazität, braucht aber zuverlässige Zugintegrität und ist derzeit noch nicht breiter Standard.

Auf der Schiene bestimmt der Sicherheitsabstand zwischen zwei Zügen, wie dicht sie fahren dürfen.

Traditionell teilt man die Strecke dafür in feste Abschnitte, die immer nur ein Zug belegen darf.

Der Moving Block will diese starren Abschnitte auflösen — und genau darüber lässt sich streiten.

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Foto: Ermell, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Was die ETCS-Level sind

Das European Train Control System, kurz ETCS, ist das europäische Zugsicherungssystem.

Es gibt in mehreren Leveln, die unterschiedlich eng zwischen Strecke und Fahrzeug zusammenarbeiten.

In Level 2 und 3 können statt ortsfester Signale sogenannte Halttafeln eingesetzt werden, weil die Fahrinformationen direkt in den Führerstand kommen.

Die Schweiz nahm bereits 2002 die erste kommerzielle Anwendung von Level 2 in Betrieb, in Deutschland lief ein früher Versuch zwischen Ludwigsfelde, Jüterbog und Halle/Leipzig.

Bamberg Stellwerk Ruine Gleise P4RM1118
Foto: Ermell, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Fester Block gegen wandernder Block

Im klassischen Betrieb ist die Strecke in feste Blockabschnitte unterteilt, von denen jeder nur von einem Zug belegt werden darf.

Der nächste Zug muss warten, bis der vorausfahrende den ganzen Abschnitt geräumt hat.

Beim Moving Block entfällt diese feste Einteilung, der Sicherheitsabstand wandert stattdessen mit dem Zug mit.

Dadurch können Züge theoretisch dichter aufeinander folgen, ohne die Sicherheit aufzugeben.

Was Level 3 technisch anders macht

In ETCS Level 3 meldet das Fahrzeug nicht nur seine Position, sondern auch, dass der Zug vollständig ist.

Diese Zugintegritätsinformation ist die Voraussetzung dafür, feste Blockabschnitte überhaupt weglassen zu dürfen.

Die ETCS-Zentrale übernimmt dann letztlich die Aufgabe des klassischen Stellwerks.

Erst mit dieser durchgehenden Rückmeldung wird der wandernde Block sicher.

Der versprochene Gewinn

Der große Reiz des Moving Block ist mehr Kapazität auf derselben Strecke.

Wo Züge dichter folgen können, passen mehr Fahrten in dieselbe Stunde.

Zugleich lassen sich ortsfeste Signale einsparen, was Technik an der Strecke reduziert.

Gerade auf überlasteten Hauptstrecken wäre dieser Zugewinn wertvoll.

Die Hürde Zugintegrität

Der Haken liegt in der zuverlässigen Meldung, dass der Zug wirklich vollständig ist.

Reißt ein Zugteil ab und bleibt unbemerkt liegen, darf der nachfolgende Zug den Abschnitt nicht freigeben.

Diese Vollständigkeitsprüfung muss an jedem Fahrzeug sicher funktionieren, auch an älteren Wagen.

Solange das nicht flächendeckend gesichert ist, bleibt der reine Moving Block schwer umsetzbar.

Warum Level 2 und Level 3 verschwimmen

In der Spezifikation sind die Unterschiede zwischen Level 2 und Level 3 sehr gering.

Mit dem Regelwerk der TSI 2022 war vorgesehen, beide zu einem neuen Level R zusammenzufassen.

Letztlich wurden Level 2 und Level 3 ab der Baseline 4 unter dem Namen Level 2 vereint.

Die scharfe Trennung zwischen den Stufen löst sich damit technisch zunehmend auf.

Was das für Deutschland heißt

Deutschland steht erst am Anfang der breiten ETCS-Einführung und rüstet Strecke um Strecke um.

Dabei stellt sich die Frage, ob man gleich die Fähigkeiten des Moving Block mitplant oder zunächst beim festen Block bleibt.

Für Strecken an der Kapazitätsgrenze kann der Moving Block den Ausschlag geben.

Auf wenig befahrenen Strecken bringt er dagegen kaum Nutzen und vor allem zusätzliche Komplexität.

Wie man abwägen sollte

Der Moving Block ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug gegen Kapazitätsengpässe.

Wo Züge sich stauen, kann der dichtere Abstand echten Mehrverkehr ermöglichen.

Wo kaum Züge fahren, lohnt der Aufwand für die Zugintegritätsprüfung nicht.

Sinnvoll ist deshalb, die Technik gezielt dort vorzusehen, wo sie den Engpass wirklich löst.

Die Bahn als Teil des Alltags

Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.

Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.

Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.

Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.

So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.

Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.

Warum die Bahn für das ganze Land zählt

Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.

Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.

Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.

Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.

Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.

So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.

Warum Verlässlichkeit so wichtig ist

Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.

Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.

Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.

Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.

Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.

Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.

Pro und Contra

Dafür

+  Der wandernde Block lässt Züge dichter folgen und schafft mehr Kapazität.

+  Ortsfeste Signale können eingespart werden.

+  Die Technik baut auf dem ohnehin nötigen ETCS auf.

+  Gerade überlastete Strecken gewinnen spürbar.

+  Weniger Technik an der Strecke bedeutet weniger Wartung im Freien.

+  Europa bewegt sich ohnehin in diese Richtung.

Dagegen

−  Die sichere Prüfung der Zugvollständigkeit ist technisch anspruchsvoll.

−  Ältere Fahrzeuge müssten dafür nachgerüstet werden.

−  Auf schwach befahrenen Strecken bringt der Moving Block kaum Nutzen.

−  Mehr Rechenlogik in der Zentrale schafft neue Fehlerquellen.

−  Die Grenze zwischen den Leveln verschiebt sich gerade, was die Planung erschwert.

−  Zuerst muss überhaupt flächendeckend ETCS installiert sein.

Unterm Strich

Der Moving Block ist die Kür der Zugsicherung, nicht die Pflicht.

Auf vollen Strecken kann er den entscheidenden Kapazitätsgewinn bringen.

Dafür muss aber die Zugintegrität zuverlässig gesichert sein.

Deutschland sollte ihn gezielt dort einplanen, wo der Engpass am größten ist — nicht pauschal überall.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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