Standpunkt
„Nächster Halt Mürzzuschlag, wo Güterzüge heute noch mühsam über den Berg kriechen, während tief darunter ein neuer Tunnel entsteht.“
Sollte der Semmering-Basistunnel zu Ende gebaut werden?
→ Ein Standpunkt zu einem der größten Bahnprojekte Österreichs.
Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Standpunkt
Worum es geht
Ja. Der Tunnel ist bereits durchschlagen und löst ein altes Nadelöhr, ein Stopp wäre jetzt teurer als der Weiterbau.
Über den Semmering fuhr die Bahn schon im 19. Jahrhundert, aber steil und langsam.
Tief unter dem Pass entsteht seit 2012 ein neuer Basistunnel, der die alte Strecke ablösen soll.
Die Frage lohnt eine nüchterne Abwägung, denn es geht um viel Geld und um die Zukunft der Südachse.

Ein Tunnel unter dem Semmering
Der Semmering-Basistunnel ist 27,3 Kilometer lang und verbindet Gloggnitz in Niederösterreich mit Mürzzuschlag in der Steiermark.
Er unterquert die nördliche Alpenkette in der Nähe des Semmering-Passes.
Gebaut wird seit 2012, und der Tunnel ist Teil der Baltisch-Adriatischen Achse durch Europa.
Er soll die berühmte alte Semmeringbahn entlasten, die heute noch den gesamten Verkehr trägt.

Die alte Bergbahn als Erbe und Last
Die historische Semmeringbahn gilt als Pionierleistung und zählt zum Weltkulturerbe.
Ihre starken Steigungen zwingen schwere Güterzüge dazu, mit Vorspann zu fahren oder geteilt zu werden.
Das sorgt für betriebliche Komplikationen und zusätzliche Kosten.
Zudem verursachen die vielen Brücken und Tunnel der alten Strecke hohe Unterhaltskosten.
Was der Basistunnel bringt
Durch den Tunnel soll die Fahrzeit zwischen Gloggnitz und Mürzzuschlag für Schnellzüge von heute rund 45 auf etwa 15 Minuten sinken.
Zugleich steigt die Kapazität für den Güterverkehr deutlich.
Die flache Trasse erspart den schweren Zügen die mühsame Bergfahrt.
Die alte Panoramastrecke bleibt erhalten und kann für den Nahverkehr und den Tourismus genutzt werden.
Der Stand der Arbeiten
Der finale Tunneldurchschlag erfolgte am 29. November 2024.
Im Laufe des Jahres 2029 sollen die Probe- und Ausbildungsfahrten beginnen.
Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2029 soll der reguläre Personenverkehr aufgenommen werden.
Ein großer Teil der Bauarbeiten liegt damit bereits hinter dem Projekt.
Zwei Röhren für die Sicherheit
Der Tunnel besteht aus zwei getrennten Röhren mit einem Achsabstand von 40 bis 70 Metern.
Verbunden sind sie durch Querschläge in einem mittleren Abstand von rund 500 Metern.
Diese Querschläge dienen im Notfall als Fluchtwege in die sichere zweite Röhre.
Moderne Basistunnel werden nach diesem Prinzip gebaut, um die Fahrgäste zu schützen.
Was der Bau kostet
Ein Tunnel dieser Länge ist ein Vorhaben von mehreren Milliarden Euro.
Die Bauzeit erstreckt sich über mehr als ein Jahrzehnt.
Solche Summen stehen immer in Konkurrenz zu anderen Ausbauten im Netz.
Große Tunnelprojekte tragen zudem stets das Risiko, dass Kosten und Termine steigen.
Einwände und Umwelt
Das Vorhaben war jahrzehntelang umstritten und wurde erst nach langen Planungs- und Genehmigungsverfahren begonnen.
Kritiker sorgten sich um den Wasserhaushalt des Bergs und um den Naturschutz.
Erste Pläne für einen Semmeringtunnel reichen bis in die 1980er Jahre zurück.
Dass der Bau heute weit fortgeschritten ist, zeigt, wie lange solche Projekte brauchen.
Teil eines größeren Netzes
Der Semmering-Basistunnel ist nur ein Baustein der Baltisch-Adriatischen Achse.
Gemeinsam mit der neuen Koralmbahn entsteht eine durchgehend schnelle Verbindung durch den Süden.
Der Nutzen reicht damit weit über Österreich hinaus bis in die europäischen Güterkorridore.
Eine Achse ist jedoch nur so stark wie ihr schwächstes Glied, deshalb zählt jeder einzelne Abschnitt.
Warum die Bahn für das ganze Land zählt
Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.
Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.
Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.
Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.
Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.
So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.
Zwischen Technik und Menschen
Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.
Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.
Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.
Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.
Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.
Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.
Warum Verlässlichkeit so wichtig ist
Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.
Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.
Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.
Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.
Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.
Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.
Pro und Contra
Dafür
+ Der Tunnel ist bereits durchschlagen, ein Abbruch wäre reine Verschwendung.
+ Die Fahrzeit über den Semmering sinkt von rund 45 auf etwa 15 Minuten.
+ Schwere Güterzüge müssen nicht mehr geteilt oder mit Vorspann über den Berg gezogen werden.
+ Die alte Weltkulturerbe-Strecke wird entlastet und bleibt als Panoramabahn erhalten.
+ Als Flachbahn stärkt der Tunnel den alpenquerenden Güterverkehr.
+ Zusammen mit der Koralmbahn entsteht eine durchgehend schnelle Südachse.
Dagegen
− Das Projekt kostet mehrere Milliarden Euro und bindet Mittel über viele Jahre.
− Die Bauzeit zog sich über mehr als ein Jahrzehnt hin.
− Kritiker sorgten sich um den Wasserhaushalt des Bergs und den Naturschutz.
− Große Tunnelprojekte tragen stets das Risiko weiter steigender Kosten.
− Der volle Nutzen hängt vom Ausbau der anschließenden Strecken ab.
− Die historische Bergstrecke verliert einen Teil ihres Fernverkehrs.
Unterm Strich
Der Semmering-Basistunnel ist technisch weit fortgeschritten und bereits durchschlagen.
Er verkürzt die Fahrzeiten deutlich und schafft dringend benötigte Güterkapazität.
Kosten und Umweltfragen waren ernst, wurden aber in langen Verfahren geprüft.
Weil Nutzen und Baufortschritt überwiegen, spricht am Ende klar mehr für den Weiterbau.
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