Sollte der Rhein-Ruhr-Express einen dichteren Takt bekommen?

Standpunkt

„Auf Gleis 7 der nächste Rhein-Ruhr-Express nach Köln. Der folgende Zug in gleicher Richtung fährt in wenigen Minuten.“

Sollte der Rhein-Ruhr-Express einen dichteren Takt bekommen?

→ Ein Standpunkt zum Rhein-Ruhr-Express und seinem Versprechen vom dichten Takt zwischen Rhein und Ruhr.

Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Standpunkt

Worum es geht

Ja. Der dichte Takt ist das erklärte Ziel des RRX und bringt im dicht besiedelten Rhein-Ruhr-Raum sehr vielen Menschen ein besseres Angebot. Der Haken liegt nicht im Wollen, sondern im Bauen: Der nötige Infrastrukturausbau zieht sich nach Angaben der Planungen bis in die 2030er Jahre.

Zwischen Dortmund und Köln drängen sich auf wenigen Gleisen Nahverkehr, Fernverkehr und Güterzüge.

Genau hier soll der Rhein-Ruhr-Express für Ordnung und dichtere Takte sorgen.

Er ersetzt nach und nach die bisherigen Regional-Express-Linien auf diesem Korridor.

Das Versprechen ist ein Zug im engen Takt, fast wie bei einer S-Bahn.

Dafür braucht es neue Züge, mehr Gleise und umgebaute Bahnhöfe.

Die Frage ist, ob der dichte Takt den langen Ausbau rechtfertigt.

J33 779 Desiro HC (462 083)
Foto: Falk2, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Was der RRX ist

Der Rhein-Ruhr-Express ist ein in der Umsetzung befindliches Infrastrukturprojekt im dicht besiedelten Westen.

Er soll den Regionalverkehr auf der Kernstrecke von Dortmund über Essen, Duisburg und Düsseldorf nach Köln aufwerten.

Dazu gehören dichtere Takte, mehr Sitzplätze und modernisierte Stationen.

Die bisherigen Regional-Express-Linien auf diesem Korridor werden schrittweise durch den RRX ersetzt.

Aneinandergereihte Siemens Desiro HC in Hausach
Foto: JoachimKohler-HB, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der geplante Takt

Insgesamt sind sechs RRX-Linien vorgesehen.

Auf der Stammstrecke zwischen Köln-Deutz und Dortmund sollen vier Linien einen Viertelstundentakt bilden.

Zwischen Düsseldorf und Oberhausen sollen zwei weitere Linien im Halbstundentakt fahren.

Zwischen Düsseldorf und Duisburg soll sich daraus im Schnitt alle zehn Minuten ein Zug ergeben.

Die neuen Züge

Für den RRX wurden neue Fahrzeuge des Typs Siemens Desiro HC beschafft.

Schon die Züge allein sollen durch höhere Beschleunigung und mehr Sitzplätze zu mehr Pünktlichkeit beitragen.

Seit dem 9. Dezember 2018 fahren erste Linien mit diesen Zügen.

Der Vollausbau des Angebots hängt aber am Umbau der Strecke selbst.

Warum der Ausbau so lange dauert

Die endgültige Fertigstellung der RRX-Infrastruktur soll erst in den 2030er Jahren erfolgen.

Auf der Kernstrecke müssen zusätzliche Gleise und Überwerfungsbauwerke entstehen.

Bahnhöfe und Signaltechnik werden bei laufendem Betrieb umgebaut.

Die Maßnahmen sind im Bundesverkehrswegeplan 2030 als Vordringlicher Bedarf eingestuft.

Was ein dichter Takt bringt

Wer alle zehn Minuten einen Zug hat, muss keinen Fahrplan mehr auswendig lernen.

Das senkt die Hürde, spontan in die Bahn zu steigen.

In einer Region mit Millionen Einwohnern erreicht das sehr viele Menschen auf einmal.

Ein dichter Takt macht auch kurze Verspätungen erträglicher, weil der nächste Zug bald folgt.

Der Preis der Dichte

Mehr Züge auf derselben Strecke bedeuten weniger Puffer für Störungen.

Fällt ein Teilstück aus, geraten gleich mehrere Linien ins Stocken.

Der Ausbau bindet über Jahre große Summen und sorgt für lange Baustellen.

Während der Bauzeit müssen Fahrgäste mit Umleitungen und Sperrungen leben.

Angebot gegen Geduld

Der RRX ist kein Versprechen für morgen, sondern ein Projekt für das kommende Jahrzehnt.

Sein Ziel, der dichte Takt, ist für den Rhein-Ruhr-Raum goldrichtig.

Der Weg dorthin verlangt aber Geld, Baustellen und Geduld.

Die ehrliche Frage lautet, ob die Region beides zugleich aufbringt.

Was ein Bahnhof für eine Stadt bedeutet

Ein Bahnhof ist für viele Städte weit mehr als nur ein Verkehrsbauwerk.

Er ist oft das Erste, was Reisende von einem Ort zu sehen bekommen.

Rund um den Bahnhof entstehen Geschäfte, Cafés und ein reges Treiben.

Er verbindet die Stadt mit der weiten Welt und die Welt mit der Stadt.

Ein gepflegter Bahnhof ist deshalb auch eine Visitenkarte des Ortes.

So prägt er das Bild einer Stadt weit über die Gleise hinaus.

Zwischen Technik und Menschen

Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.

Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.

Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.

Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.

Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.

Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.

Warum die Bahn für das ganze Land zählt

Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.

Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.

Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.

Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.

Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.

So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.

Pro und Contra

Dafür

+  Ein Zehn-Minuten-Takt macht die Bahn im Ballungsraum so bequem wie eine S-Bahn.

+  Im Rhein-Ruhr-Raum profitieren Millionen Menschen von einem dichten Angebot.

+  Die neuen Desiro-HC-Züge bringen mehr Sitzplätze und bessere Beschleunigung.

+  Ein dichter Takt macht einzelne Verspätungen erträglicher, weil der nächste Zug bald kommt.

+  Der RRX ordnet einen überlasteten Korridor neu und entwirrt Nah- und Fernverkehr.

+  Das Projekt gilt im Bundesverkehrswegeplan als vordringliche Engpassbeseitigung.

Dagegen

−  Der volle Takt hängt an einem Ausbau, der sich bis in die 2030er Jahre zieht.

−  Mehr Züge auf denselben Gleisen lassen weniger Puffer für Störungen.

−  Fällt ein Teilstück aus, geraten gleich mehrere Linien ins Stocken.

−  Der Umbau bindet über Jahre große Summen, die anderswo fehlen könnten.

−  Während der langen Bauzeit müssen Fahrgäste mit Sperrungen und Umleitungen leben.

−  Ein sehr dichter Takt nützt wenig, wenn die Pünktlichkeit auf der Strecke bleibt.

Unterm Strich

Beim RRX ist das Ziel unstrittig: Ein dichter Takt ist für den Rhein-Ruhr-Raum genau richtig.

Die neuen Züge fahren längst, der Vollausbau aber reicht bis in die 2030er Jahre.

Der Nutzen ist groß, der Weg dorthin teuer und lang.

Dichterer Takt ja, aber nur, wenn Bund, Land und Bahn den Ausbau wirklich durchziehen.

Sonst bleibt ein gutes Versprechen auf halber Strecke stehen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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